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Prozess gegen „Carlos“ : Schakal, Terrorist, Mörder - und Star

Der „Schakal“ am Montag im Gerichtssaal, wie ein Zeichner ihn dort sah Bild: AFP

Der berühmteste Gefangene Frankreichs steht seit Montag in Paris vor Gericht: Der Terrorist llich Ramirez Sanchez, genannt „der Schakal“, ist wegen vier Sprengstoffanschlägen auf Züge und Bahnhöfe in Frankreich zu Beginn der achtziger Jahre angeklagt.

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          Die lange Haft hat Carlos nicht gebrochen. Am Montag ist der 62 Jahre alte berühmteste Gefangene Frankreichs voller Selbstbewusstsein vor ein Sonderschwurgericht in Paris getreten. Als „Illich Ramirez Sanchez, geboren am 12. Oktober 1949 in Caracas, Venezuela, Berufsrevolutionär“ stellte er sich vor. Zum ersten Mal steht der Terrorist mit dem Beinamen „der Schakal“ in der französischen Hauptstadt wegen der vier Sprengstoffanschläge vor Gericht, die er in den Jahren 1982 und 1983 in Frankreich verübt haben soll.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Terrorattacken, auf den Bahnhof Saint-Charles in Marseille, auf den Zug Toulouse–Paris, auf den Schnellzug Marseille–Paris und in der Pariser Rue Marboeuf, forderten insgesamt elf Tote und 150 Verletzte. Von „Kollateralschäden“ spricht der Angeklagte, der seit 1994 in französischer Haft sitzt. Aus seiner Zelle heraus ließ er sich kurz vor Prozessbeginn vom führenden Privatradiosender Europe 1 interviewen, ein Star selbst im Knast. „Ich bereue nichts“, sagte Carlos und beklagte sich, er sei 1994 vom damaligen französischen Innenminister Charles Pasqua („der ist eher sympathisch, ein bisschen Ganove, ein bisschen Gangster“) „gekidnappt“ worden.

          „Carlos“ auf einem Foto aus dem Jahr 2004
          „Carlos“ auf einem Foto aus dem Jahr 2004 : Bild: dpa

          1994 wachte Carlos nach einer Hodenoperation in Sudan in einem französischen Militärflugzeug wieder auf. Das Regime in Khartum war des Weltterroristen überdrüssig geworden, der französische Geheimdienst hatte zugegriffen. Mit dem Verschwinden des „Eisernen Vorhangs“ hatten sich die Rückzugsmöglichkeiten für den „Berufsrevolutionär“ verringert. In einem ersten Prozess 1997 in Paris wurde Carlos wegen des Mordes an drei Geheimdienstbeamten zu lebenslanger Haft verurteilt. Im „VIP“-Trakt, dem für namhafte Persönlichkeiten vorbehaltenen Flügel der Pariser Haftanstalt La Santé, traf er auf General Noriega, den früheren Machthaber Panamas. „Wir haben über die Vergangenheit geplaudert und über die Gegenwart auch. Aber jetzt wollen sie nicht mehr, dass wir uns austauschen“, sagte Carlos im Radio.

          Im Gefängnis traf er seine Frau

          In der Haftanstalt lernte er auch seine jüngste Frau kennen, die Französin Isabelle Coutant-Peyre. Die 59 Jahre alte Anwältin, die ihre Liebesgeschichte mit dem Terroristen als Buch vermarktete („Eine Liebe unter Spannung“) verteidigt ihn vor dem ausschließlich aus Berufsrichtern zusammengesetzten Sonderschwurgericht. Carlos wichtigste Verteidigungslinie ist dabei, dass sein Leben anders verlief als im Film von Olivier Assayas dargestellt, in dem Carlos als skrupelloser und kaltblütiger Terrorführer erscheint. Als „großangelegten Manipulationsversuch voller Dummheiten“ bezeichnete Carlos den Film.

          Frankreich : Top-Terrorist „Carlos“ vor Gericht

          Für die Opferfamilien, die als Nebenkläger auftreten, bedeutet der Prozess das Ende einer fast 30 Jahre langen Wartezeit. „Dies ist ein historischer Prozess“, sagt Françoise Rudetzki von der Vereinigung SOS Terrorismus. „Carlos steht für den Beginn eines blinden Terrorismus, der unschuldige Opfer fordert.“ Leider seien viele der Opfer inzwischen gestorben. „Wir werden ihre Erinnerung wachhalten“, sagt Frau Rudetzki. Gegen die zwei deutschen Gefährten des Terroristen, Christa-Margot Fröhlich und Johannes Weinrich, wird in Abwesenheit verhandelt. Der Prozess soll bis zum 16. Dezember dauern.

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