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Projekt „FuturZwei“ : Wir werden aktiv gewesen sein

  • -Aktualisiert am

Verspieltes Design mit Motivationseffekt: Screenshot von futurzwei.org Bild: futurzwei.org

Soziale Option statt erhobenem Zeigefinger: Harald Welzer und Dana Gieseke stellen in Berlin ihre Stiftung „FuturZwei“ vor. Mit Charme und Köpfchen ermutigen sie zu nachhaltigem Leben.

          Harald Welzer wurde als engagierter und aktiver Sozialwissenschaftler bekannt; bisher forschte er am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen zu Themen wie „Gruppengewalt“ und über die kulturellen Folgen des Klimawandels. In seinem vor vier Jahren erschienenen Buch „Klimakriege“ beschreibt er die gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels, vor allem das Zusammentreffen von Überbevölkerung und Ressourcenknappheit, und als Folge davon: neue, andere Kriege und die alte Gewalt.

          Nun hat Welzer beschlossen, seine wissenschaftliche Tätigkeit erst einmal ruhen zu lassen, anders zu arbeiten: Er hat in Berlin die Stiftung „FuturZwei“ gegründet, deren sichtbarster Wirkungsbereich die Internetseite futurzwei.org ist. Seit gestern ist sie freigeschaltet, und Welzer hat sie am Mittwochabend im Berliner Instituto Cervantes Journalisten und Wissenschaftlern vorgestellt.

          Ausgehend von der nicht neuen, aber von Welzer mit eloquenter Dringlichkeit vorgetragenen Diagnose, dass unser einst hoch erfolgreiches kapitalistisches Wirtschaftssystem „die Voraussetzungen seines eigenen Funktionierens unterminiere“, will FuturZwei etwas sehr Konkretes: Handlungsoptionen aufzeigen. Auf der Internetseite, einem von der Agentur „Linienland“ liebevoll designten Online-Journal, erzählt das Redaktionsteam um Welzer Geschichten des Gelingens: Dort geht es um Organisationen und Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum, die ökologisch nachhaltige Konzepte geschaffen haben. Die dahinterstehende Absicht ist die Ermutigung, denn allzu oft enden gute Vorsätze in der Einschüchterung, weil ja angeblich immer alles so komplex und global ist. Wo also beginnen?

          Seine Moral muss man sich schon selbst basteln

          Kathrin Fischer, Moderatorin des Hessischen Rundfunks, führte mit klugen Fragen und offenkundiger Sympathie durch den Abend. Welzer hat die Fähigkeit, Gedanken, die unter anderen Umständen an der Grenze zum Gemeinplatz lägen, mit charmanter Flapsigkeit vorzutragen. So gibt er beim Stichwort Konsum zu bedenken, dass drei Flatscreens in einer 40-Quadratmeter-Wohnung, ihren Besitzer nicht freier machen, sondern ihn im Gegenteil in seiner Bewegungsfreiheit einschränken. Das Publikum verstand die Pointe und lachte.

          Das Verblüffende aber ist die Internetseite selbst, die Dana Giesecke, wissenschaftliche Leiterin des Projekts, im Anschluss vorstellte: Der Cursor bewegt sich über braunes, sehr umweltfreundlich aussehendes Packpapier, auf dem kleine Link-Inseln auftauchen. Das Design ist komplex: Der Nachhaltigkeitsaspirant muss sich selbst seinen Weg bahnen. Das ist charmant, virtuos, verspielt. Und die Inhalte verjagen die letzten Befürchtungen, dass man hier moralisierend begutmenschelt wird.

          Nachhaltigkeit braucht Geist und Witz

          Denn die Redakteure erzählen die Erfolgsgeschichten voller Esprit, als Geschichten eben, mit Einleitung, Hauptteil und Schluss. Oder die Videorubrik: „Nachrichten aus der Wirklichkeit“, in welcher Christopher Süß als extraterrestischer Nachrichtensprecher Neuigkeiten aus einem Paralleluniversum liest, in dem alles eine Spur besser gelaufen ist als bei uns. Einem Paralleluniversum, in dem Josef Ackermann nach einem Yogaworkshop, bei dem er mit Yeti-Kot-Kügelchen beworfen wurde, zur spirituellen Einsicht und somit zur Vernunft gekommen ist. Das ist mehr politische Satire als Nachhaltigkeitspredigt. Das Online-Journal gibt eine Teilantwort auf die Frage, wie sich wissenschaftlich hochkomplexe Phänomene für ein breites Publikum übersetzen lassen: Narrative statt Klimaticker und CO2-Analysen. Durch die Beschränkung auf Projekte im deutschsprachigen Raum inszeniert das Magazin im bekanntlich so globalen Internet ein Motiv des Nachhaltigkeitsdiskurses: die Regionalität.

          Der hinter dem Vorhaben stehende Aufwand lässt schon auch auf ordentliche Summen schließen. Getragen wird die Stiftung ausschließlich vom Spender-Ehepaar Hanna und Dieter Paulmann, die bei der Eröffnungsfeier anwesend waren. Im Anschluss an die Veranstaltung gab es in der Stiftung Mercator für die Gäste Knödelscheibchen vom Nachhaltigkeitskoch Dieter Fröhlich, deren Konsistenz dann doch wieder an den langen, trockenen Weg zur Nachhaltigkeit gemahnte.

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