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Präsidentenwahl in Tunesien : Essebsi erklärt sich zum Sieger lange vor Ende der Auszählung

  • Aktualisiert am

Anhänger von Béji Caid Essebsi am Wahlabend in Tunis Bild: AP

Unklarheit nach Tunesiens erster freier Präsidentschaftswahl: Ein 88 Jahre alter früherer Regierungschef hat sich zum Sieger erklärt, sein Kontrahent widerspricht.

          2 Min.

          Fast vier Jahre nach dem Sturz des langjährigen tunesischen Machthabers Zine el Abidine Ben Ali hat das nordafrikanische Land am Sonntag über einen neuen Staatschef abgestimmt: Der ehemalige Regierungschef Béji Caid Essebsi erklärte sich am Abend zum Sieger der Stichwahl. Das Lager des amtierenden Übergangspräsidenten Moncef Marzouki, der gegen Essebsi antrat, widersprach umgehend.

          Der 88 Jahre alte Essebsi erklärte unmittelbar nach Schließung der Wahllokale vor etwa 2000 Anhängern in Tunis, er habe die Wahl gewonnen. Er dankte seinen Wählern und würdigte seinen Gegner Marzouki. „Tunesien braucht alle seine Kinder“, sagte er. Essebsi und Marzouki gelten als Erzfeinde.

          Partei der alten Eliten

          Essebsi gehört der antiislamistischen und neoliberal ausgerichteten Partei Nidaa Tounès (Ruf Tunesiens) an, die bei der Parlamentswahl vor zwei Wochen stärkste Kraft geworden war. Sie gilt als Sammelbecken der alten Staatselite um Ben Ali, der im Januar 2011 durch einen Volksaufstand gestürzt wurde.

          Der 69 Jahre alte Marzouki gehört dem sozialdemokratischen Kongress für die Republik (CPR) an. Der Bürgerrechtler war Anfang 2012 mit Unterstützung der islamistischen Partei Ennahda zum Übergangspräsidenten gewählt worden.

          Zu der jetzige Abstimmung waren 5,3 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen. Es war die erste freie Wahl eines Staatschefs seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1956.

          Unklarheit über Wahlausgang

          Marzouki sagte, er werde Essebsis Äußerungen über dessen angeblichen Sieg nicht kommentieren. Es gebe allerdings Hinweise, dass er selbst vorne liege. Der Politiker sprach zu seinen Anhängern vor seiner Wahlkampfzentrale in der Hauptstadt.

          Erste amtliche Ergebnisse sollen am Montag vorliegen, der Sieger soll spätestens am Mittwoch feststehen. Am Sonntagabend stand lediglich die Wahlbeteiligung fest. Der Wahlbehörde ISIE zufolge lag sie bei 59 Prozent. Die Stichwahl war notwendig geworden, weil in der ersten Wahlrunde am 23. November keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erlangte.

          Vorwürfe im Wahlkampf

          Der Wahlkampf war von gegenseitigen Vorwürfen geprägt. Marzouki präsentierte sich als Verteidiger der „Revolution“ vom Frühjahr 2011 gegen eine Rückkehr des alten Regimes. Zudem kritisierte er das hohe Alter seines Kontrahenten Essebsi, der bereits unter Staatsgründer Habib Bourguiba diente. Essebsi wiederum warf Marzouki vor, ein „Extremist“ und Vertreter der Islamisten zu sein, die das Land seit 2011 heruntergewirtschaftet hätten.

          Viele Tunesier äußerten sich kritisch zu den Schmutzkampagnen, äußerten jedoch die Hoffnung auf Wandel. Der Lebensmittelhändler Mohammed Taieb sagte: „Unsere Kandidaten, unsere Politik sind vielleicht nicht die Besten, aber es geht voran, die Diktatur ist vorbei.“ Die Zeitung „Le Temps“ rief die Tunesier auf, an die Urnen zu gehen, um nicht den „Zug der Geschichte“ zu verpassen. „La Presse“ schrieb von einem Tag, der „ewig im kollektiven Gedächtnis“ bleiben werde.

          IS-Anschläge befürchtet

          Zehntausende Soldaten und Polizisten waren im Einsatz, um die Abstimmung abzusichern, nachdem eine Dschihadistengruppe, die sich zum Islamischen Staat (IS) im Irak und Syrien bekennt, mit Anschlägen gedroht hatte. In der Region von Kairouan gab es in der Nacht zum Sonntag einen Angriff auf eine Schule, in der Wahlunterlagen gelagert wurden. Dabei wurden laut dem Verteidigungsministerium ein Angreifer getötet und drei Männer festgenommen.

          Das Ministerium ging aber nicht von einem dschihadistischen Hintergrund aus. Der getötete Mann habe ein Jagdgewehr bei sich gehabt, doch würden „Terroristen allgemein nicht Jagdgewehre“ benutzen, hieß es. Ministerpräsident Mehdi Jomaa sagte nach dem Angriff, die beste Antwort auf derartige Attacken sei, „zahlreich und in aller Ruhe zur Wahl“ zu gehen.

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