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Ukrainische Orthodoxie : Poroschenko bezeichnet Votum für Landeskirche als Sieg

  • Aktualisiert am

Unabhängigkeitskampf auch auf theologischem Gebiet: Die Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats ist jetzt als eigenständig anerkannt. Bild: dpa

Nachdem das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel der Bildung einer eigenständigen ukrainischen Landeskirche zugestimmt hat, triumphiert Kiew. Moskau dagegen will die Beziehungen zu Konstantinopel abbrechen.

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          Als „großen Sieg“ wertet der ukrainische Präsident Petro Poroschenko die Zustimmung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zur Bildung einer eigenständigen ukrainisch-orthodoxen Landeskirche. „Das ist ein großer Sieg des von Gott geliebten ukrainischen Volkes über die Moskauer Dämonen, der Sieg des Guten über das Böse“, sagte das Staatsoberhaupt am Donnerstagabend in Kiew in einer Ansprache aus Anlass der Konstantinopler Entscheidung. „Das ist der Fall des dritten Roms, des ältesten Anspruchs Moskaus auf die Weltherrschaft.“

          Russland verliere „einen der letzten Hebel des Einflusses in seiner ehemaligen Kolonie“, so Poroschenko. In der Kirchenfrage gehe es um „unsere nationale Sicherheit“, die ukrainische Souveränität und Geopolitik. Eine eigenständige orthodoxe Landeskirche sei Teil der „pro-europäischen und pro-ukrainischen“ Strategie Kiews. Der russischen Regierung warf er vor, einen „Religionskrieg“ in der Ukraine anzetteln zu wollen. Hinter Aufrufen zur Übernahme von Klöstern und Kirchen stünden russische Agenten. Die Schaffung einer von Moskau unabhängigen Kirche sei ein „Weg zu Frieden, Ruhe und Verständigung“.

          Eine Bischofskonferenz unter Vorsitz des ökumenischen Patriarchen, Bartolomaios I. von Konstantinopel, hatte am Donnerstag die Bildung einer autokephalen (eigenständigen) ukrainisch-orthodoxen Landeskirche befürwortet. Zugleich erkannte es zwei vom orthodoxen Moskauer Patriarchat abgespaltene Kirchen in der Ukraine an. Das Leitungsgremium widerrief damit die 332 Jahre alte Zuordnung der Ukraine zum Moskauer Patriarchat.

          Zwei Kirchen ringen um Vormacht

          Poroschenko und das Parlament des Landes hatten im April das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie offiziell aufgefordert, der orthodoxen Kirche in der Ukraine die Autokephalie zu verleihen. Der russisch-orthodoxen Kirche warfen sie vor, ein „politisches Werkzeug“ von Kreml-Chef Wladimir Putin zu sein und dessen „Hybrid-Krieg gegen die Ukraine“ zu unterstützen.

          In der Ukraine ringen seit 1992 zwei orthodoxe Kirchen um die Vormachtstellung: eine des Moskauer und eine des Kiewer Patriarchats. Letzteres Patriarchat gründete sich im Zuge der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit. Rund 70 Prozent der Bürger in der Ukraine sind orthodoxe Christen.

          Moskau nennt Entscheidung eine „Katastrophe“

          Mit der Entscheidung des Patriarchen droht eine tiefe Spaltung in der etwa 300 Millionen Menschen zählenden orthodoxen Christenheit. Sie hat kein Oberhaupt wie den Papst. Aber Bartolomaios gilt als Erster unter Gleichen und damit ranghöchster Kirchenführer. Dagegen ist die Russisch-Orthodoxe Kirche unter Patriarch Kirill mit bisher 150 Millionen Gläubigen die größte Kirche. Sie rechnet die Ukraine zu ihrem angestammten Gebiet und kann auf die Unterstützung anderer Nationalkirchen zählen.

          Die russisch-orthodoxe Kirche sprach von einer „katastrophalen Entscheidung“. Dadurch werde eine Kirchenspaltung in der Ukraine „legalisiert“. Das Ökumenische Patriarchat habe damit eine „rote Linie“ überschritten. Die russische Kirche sei gezwungen, die Beziehungen zu Konstantinopel abzubrechen, sagte Kirills Sprecher Alexander Wolkow in Moskau. Kirchenrechtlich übernahm Bartolomaios wieder die Oberhoheit über die Ukraine, was als Zwischenschritt zur Autokephalie (Unabhängigkeit) der Kirche in der früheren Sowjetrepublik gilt.

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