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Polizistinnenmord in Heilbronn : Die Verdächtige schweigt

  • -Aktualisiert am

Eisenach: Polizeidienstwaffen und -handschellen in ausgebranntem Wohnmobil gefunden Bild: dpa

Viele Spekulationen, noch mehr Fragen: Der Mord an Michèle Kiesewetter ist keineswegs aufgeklärt. Bei vielen Verdachtsmomenten bedarf es weiter intensive Ermittlungen.

          Vier Jahre nach dem Heilbronner Polizistenmord stehen die Fahnder – trotz des Fundes der Dienstwaffen in einem Wohnmobil in Eisenach – vor vielen neuen Fragen. Der mysteriöse Polizistenmord vom 25. April 2007 scheint, anders als der württembergische Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger am Dienstag glaubte, sich nun doch nicht so schnell aufzuklären. Welche Verbindung hatten die zwei toten Bankräuber nach Heilbronn? Wann und warum haben sie sich in Baden-Württemberg aufgehalten? Kannten sie die aus Thüringen stammende Michèle Kiesewetter? Welche Rolle spielte möglicherweise das rechtsextremistische Umfeld der Tätergruppe aus Thüringen?

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          „Es sind ganz neue Spuren, und es sind heiße Spuren. Neue Sachverhalte müssen in die Ermittlungen einbezogen werden. Es ist möglich, dass es weitere Personen gibt, die als Täter in Betracht kommen“, sagte der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) am Mittwoch.

          Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heilbronn gibt es über eine Verbindung zwischen der thüringischen Tätergruppe und dem Heilbronner Mord unabweisbare Zusammenhänge: Ein „Multifunktionsmesser“ des schwer verletzten Kollegen und eine Handschelle der Polizistin fand die Polizei ebenso wie eine Waffe des Typs, mit der Michèle Kiesewetter getötet worden ist. Eine erste Überprüfung der am Heilbronner Tatort sichergestellten DNA-Proben mit denen der Zwickauer Tätergruppe ergab bislang keine Übereinstimmung. Harald Lustig, Sprecher der Heilbronner Staatsanwaltschaft, bestätigte, dass sich unter den etwa 1000 Spuren, die von den Sonderkommissionen seit 2007 ausgewertet worden sind, kein Hinweis auf die beiden Bankräuber, den 34 Jahre alten Uwe B. und den 38 Jahre alten Uwe M. aus Thüringen, gefunden habe. Auch über die 36 Jahre alte Beate Z., die zum Umfeld der Bankräuber gehört, aber derzeit die Aussage verweigert, findet sich in den Fahndungsdateien der Heilbronner Sonderkommission kein Eintrag.

          Dubiose Tatumstände

          „Es gehört zur Routinearbeit der Polizei, auch das Umfeld des Opfers zu untersuchen“, sagte Gall. Das geschah im Jahr 2007. Der baden-württembergische Verfassungsschutz prüfte sogar mögliche Verbindungen der Polizistin ins rechtsextremistische Milieu. Ergebnis: negativ. Die Polizei muss nun prüfen, ob die aus dem thüringischen Oberweißbach stammende Polizistin die Bankräuber gekannt haben könnte und ob es vielleicht doch Kontakte zu Rechtsextremisten gab. Als Polizistin war Michèle Kiesewetter bei der Bereitschaftspolizei Böblingen tätig. Ihr schwer verletzter Kollege stammt aus Bremen. „Die Tatumstände sind mehr als dubios, wenn sich die Täter in Heilbronn Waffen beschaffen wollen, fragt man sich, was sie mit den verräterischen Waffen eigentlich wollten, vielleicht sollte sie nur eine Art Trophäe sein“, sagt ein Polizeifachmann.

          Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz weist Spekulationen zurück, dass es mit den Bombenbauern von Jena, die offenbar im Verdacht stehen, die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet zu haben, in Verbindung gestanden hat. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Thüringer Landtag, Martina Renner, hatte zuvor die Frage gestellt, ob es den Verdächtigen womöglich mit Hilfe von Behörden gelungen sei, unterzutauchen und über Jahre keine Spuren zu hinterlassen.

          Viele Mutmaßungen

          Das Landesamt für Verfassungsschutz stellte nunmehr in einer Presseerklärung fest, dass es zu den polizeilichen Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Bankraub in Eisenach am 4. November keine Stellungnahme abgeben werde. Das Landesamt habe „hinsichtlich der sogenannten Bombenleger von Jena, über die im Zusammenhang mit dem Bankraub in Eisenach am 4. November 2011 in der Presse berichtet wird, seit deren Abtauchen im Jahr 1998 keine Kenntnis über deren Aufenthaltsort“. Ebenfalls liegen dem Amt nach eigenem Bekunden keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die mutmaßlichen Bombenbauer bei der Flucht von staatlichen Stellen Unterstützung erhielten. Gleiches gelte für eine nachrichtendienstliche Zusammenarbeit der Betreffenden mit dem Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz.

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