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Polizei kritisiert De Blasio : „Kalter Krieg“ in New York?

  • Aktualisiert am

Eisige Atmosphäre: Bürgermeister Bill de Blasio bei einer Abschlussfeier der New Yorker Polizei Akademie Ende Dezember im Madison Square Garden Bild: dpa

Nach Protesten gegen Polizeigewalt und der Ermordung zweier ihrer Kollegen steht bei den Beamten in New York Bürgermeister Bill de Blasio in der Kritik. Das lassen sie ihn nun offensichtlich spüren.

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          „New York’s Finest“ nennt sich die Polizei - das beste, was New York zu bieten hat. Die Beamten sind stolz auf sich und ihren Job und zeigen das bei jeder Gelegenheit. Aber jetzt fühlen sich viele der rund 50.000 Polizisten New Yorks in ihrem Stolz zutiefst verletzt - und das ausgerechnet von Bürgermeister Bill de Blasio.

          Der mit einer Afro-Amerikanerin verheiratete Bürgermeister hatte öffentlich Demonstrationen unterstützt, die Polizeigewalt gegen Schwarze anprangerten. Auch seinen Sohn Dante habe er im Umgang mit der Polizei trainieren müssen, sagte de Blasio bei einer Pressekonferenz - und handelte sich damit den Zorn seiner eigenen Polizeitruppe ein.

          Bürgermeister Bill de Blasio mit seiner Familie an Silvester am Time Square (Ehefrau Chirlane, Tochter Chiara und Sohn Dante)

          Vertreter der kommunalen Polizeibehörde New York City Police Department (NYPD) gaben ihm daraufhin eine Mitschuld an der Erschießung von zwei Polizisten vor rund zwei Wochen. Als Motiv für die Tat eines Afro-Amerikaners wird Rache wegen der Polizeigewalt gegen Schwarze vermutet. Auch Bürgermeister de Blasio habe nun „Blut an seinen Händen“, wetterte Polizeigewerkschaftschef Patrick Lynch.

          Neue Statistiken deuten jetzt eine eigenwillige Reaktion der Polizei an: Unangekündigter Arbeitskampf. In der letzten Dezemberwoche 2014 - der Woche nach der Ermordung der beiden Polizisten - stellten die New Yorker Cops Medienberichten zufolge 94 Prozent weniger Verkehrsstrafzettel, 92 Prozent weniger Park-Knöllchen und 94 Prozent weniger Verwarnungen wegen Vergehens wie öffentlichem Urinieren aus als in derselben Woche 2013. Außerdem nahmen sie 84 Prozent weniger Menschen wegen Drogendelikten fest.

          „Phase der Trauer“

          In den beiden besonders betroffenen Polizeibezirken - dem, wo die beiden Polizisten erschossen wurden, und dem, wo sie normalerweise patrouillieren - sind die Zahlen noch auffälliger: Wurden in der letzten Dezemberwoche 2013 noch 130 Menschen wegen eines Vergehens verwarnt, war es in der letzten Dezemberwoche 2014 genau einer. Auch bei der Silvesterparty mit rund einer Million Menschen auf dem Times Square wirkten die Kontrollen diesmal deutlich lascher als noch in den vergangenen Jahren. Hat die New Yorker Polizei die Arbeit eingestellt?

          Nein, beteuert Polizeichef Bill Bratton. Seine Truppe befände sich lediglich in einer „Phase der Trauer“ und sei außerdem am Limit ihrer Kapazitäten: Nicht nur müssten die immer noch andauernden Demonstrationen gegen Polizeigewalt von tausenden Polizisten überwacht werden, sondern nach den Morden müssten die Beamten jetzt auch sich selbst besser schützen. Da blieben nicht genügend Kapazitäten übrig für manche kleineren Vergehen. „Ich möchte aber deutlich machen, dass das keinen Einfluss auf die Sicherheit der Stadt hat.“

          Die gerade veröffentlichte Mordstatistik scheint Bratton recht zu geben: Im einst als Hochburg der Kriminalität berüchtigten New York gab es 2014 so wenige Morde wie nie zuvor seit Beginn der offiziellen Statistik. Knapp 25 Jahre nach dem Rekord-Jahr 1990 mit 2245 Morden konnte für 2014 mit 328 Morden ein Minus-Rekord vermeldet werden.

          „Polizisten haben auch Gefühle“

          Eigentlich ein Grund zur Freude für Bürgermeister und NYPD, aber in der aufgeheizten Krisenstimmung geht die Nachricht derzeit völlig unter. Statt dessen ist der Streit zwischen Stadtoberhaupt und Cops eskaliert und de Blasio in der wohl schwersten Krise seiner bisherigen Amtszeit. Bei mehreren Veranstaltungen buhten Polizisten den Bürgermeister aus oder drehten ihm demonstrativ den Rücken zu. Auch ein erstes Krisentreffen brachte keine Annäherung. Die Lokalzeitung „New York Daily News“ spricht schon vom „Kalten Krieg“ zwischen Bürgermeister und Polizei.

          „Polizisten haben auch Gefühle“, verteidigte Gewerkschaftsvertreter Michael Palladino die Beamten. Aber nicht alle New Yorker stehen auf der Seite der NYPD. „Was die New Yorker von ihrer Polizei wollen ist einfach: 1. Nicht gegen die Verfassung verstoßen. 2. Keine unbewaffneten Menschen umbringen“, schrieb die „New York Times“. „Und dazu können wir jetzt noch hinzufügen: 3. Macht eure Arbeit.“

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