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Zweiter Weltkrieg : Kommission legt Konzept für Polen-Erinnerungsort vor

Außenminister Heiko Maas (SPD) nimmt an einer Veranstaltung teil, um ein Konzept zum Ort des Erinnerns und der Begegnung mit Polen vorzustellen. Bild: dpa

Das Leiden der Polen im Zweiten Weltkrieg sei lange „nur ein Splitter“ in der deutschen Erinnerung gewesen, so Bundesaußenminister Heiko Maas. Das soll sich bald ändern.

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          In Berlin soll an zentraler Stelle künftig ein „Ort des Erinnerns und der Begegnung“ das Leid der Polen während des Zweiten Weltkriegs vergegenwärtigen. Er soll einerseits die Erinnerung wachhalten an die Verbrechen, die während der Besetzung Polens von der Wehrmacht und durch Schergen des nationalsozialistischen Deutschlands verübt wurden. Andererseits soll der Ort auch der Begegnung und Wissensvermittlung dienen. Der Bundestag hatte die Bundesregierung vor einem Jahr beauftragt, ein Konzept für einen solchen zentralen Ort auszuarbeiten. Es wurde jetzt vom Auswärtigen Amt vorgelegt.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Entstanden ist das Konzept in Zusammenarbeit von deutschen und polnischen Mitgliedern einer Kommission unter Vorsitz des früheren deutschen Botschafters in Warschau, Rolf Nikel. Es sieht für den Ort der Erinnerung ein Denkmal vor, das entweder südlich des Kanzleramts, an der Stelle der einstigen Kroll-Oper, oder am Askanischen Platz in der Nähe des ehemaligen Anhalter Bahnhofs seinen Platz finden soll. In den Empfehlungen der Kommission heißt es, das zentrale Denkmal solle „die Möglichkeit bieten, sich vor allen Opfern der Republik Polen im Zweiten Weltkrieg und durch die deutsche Besatzung in Polen zu verbeugen“.

          Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte anlässlich der Vorlage der Empfehlungen, die deutschen Besatzer hätten mit der Zerstörung ganzer Städte, mit Umsiedlungen und Massenmorden „Polen für immer von der Landkarte tilgen“ wollen. Das Leiden der polnischen Zivilbevölkerung sei jedoch „lange nur ein Splitter in der deutschen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg“ gewesen. Nach den Empfehlungen der Kommission soll das Denkmal durch einen Ort für Dauer- und Wechselausstellungen sowie durch Räume für Veranstaltungen und Bildungsarbeit ergänzt werden.

          Die Kommission hat auch Vorschläge für die weiteren Schritte gemacht. Die zügige Verwirklichung des Gedenkortes solle durch einen Passus im Koalitionsvertrag der nächsten Bundesregierung verankert werden. Der Grundstein für das Vorhaben solle innerhalb der nächsten Legislaturperiode bis spätestens zum Jahr 2025 gelegt werden.

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