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Gewalt in Jerusalem : Zwei Tote bei Ausschreitungen in Palästinensergebieten

  • Aktualisiert am

Der Tod zwei Palästinenser führte in Ost-Jerusalem zu Ausschreitungen. Bild: Reuters

Am Wochenende sind im Westjordanland zwei Palästinenser erschossen worden. Polizeiangaben zufolge waren die Sicherheitsbeamten von den jungen Männern mit Messern und Beilen angegriffen worden.

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          Die Spannungen in den israelisch besetzten Palästinensergebieten haben sich am Wochenende einmal mehr in Gewalt entladen: Sicherheitskräfte erschossen zwei Palästinenser, die nach israelischen Angaben mit Messern auf Polizisten losgingen. Ein 20-jähriger Angreifer verletzte am Samstag im Westjordanland einen Grenzpolizisten und wurde daraufhin erschossen, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Kurz zuvor wurde in Ost-Jerusalem ein 17-jähriger Palästinenser erschossen.

          Der Angriff im Westjordanland ereignete sich in der Altstadt von Hebron nahe Abrahams Grab. Der verletzte Polizist habe Stichwunden in der Brust und am Kopf erlitten, sein Zustand sei aber stabil, sagte die Polizeisprecherin Luba Samri. Ein anderes Mitglied der militärisch ausgerüsteten Grenzpolizei habe auf den Angreifer geschossen.

          Der 20-jährige aus dem Dorf Idna bei Hebron starb beim Transport in ein Jerusalemer Krankenhaus. Die größte Stadt im Westjordanland ist ein Brennpunkt im Nahostkonflikt, weil sich im Zentrum unter dem Schutz der israelischen Armee und Grenzpolizei etwa 700 jüdische Siedler niedergelassen haben.

          In der Nacht zum Samstag wurde an einem Kontrollposten im von Israel annektierten Ostteil Jerusalems ein 17-jähriger Palästinenser erschossen, der nach Angaben der Wachhabenden mit Stichwaffen auf sie losging, aber niemanden verletzte. Die Familie des jungen Mannes widersprach der Darstellung und sagte, er sei mit Freunden auf dem Weg zu einer Hochzeit gewesen, als er von den Posten provoziert worden sei. Die Polizei veröffentlichte ein Foto, das ein Messer und ein Beil zeigte, die der Angreifer in den Händen gehalten habe.

          In arabischen Stadtviertel al-Tur auf dem Ölberg, aus dem der junge Mann stammte, kam es am Abend zu schweren Zusammenstößen. Dutzende Demonstranten warfen Steine und rollten brennende Autoreifen in Richtung von israelischen Sicherheitskräften. Diese setzten Tränengas und Gummigeschosse ein, wie ein AFP-Reporter berichtete.

          In der Nacht zum Sonntag fuhr dann in al-Tur ein Auto in eine Gruppe von Polizisten. Nach Angaben von Sprecherin Samri wurden dabei eine Frau mittelschwer und zwei männliche Kollegen leicht verletzt. Der Fahrer floh und ließ das Fahrzeug in der Nähe zurück. Am Sonntag präsentierten die Ermittler einen Palästinenser aus dem Jerusalemer Flüchtlingslager Schuafat als Tatverdächtigen.

          Auf der Schnellstraße 443, die durch das besetzte Palästinensergebiet führend Tel Aviv und Jerusalem verbindet, ging zudem ein Bus in Flammen auf. Nach Armeeangaben war ein Molotowcocktail auf das Fahrzeug geworfen worden, in dem sich keine Passagiere befanden; der Fahrer konnte sich unverletzt befreien.

          Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die Erschießung der beiden jungen Palästinenser. Israel führe die Region in einen „Kreislauf der Gewalt“. Die israelischen „Verbrechen“ in Hebron und Ost-Jerusalem würden nicht „ungestraft“ bleiben, erklärte die Autonomiebehörde und verwies auf ihre Intervention bei „internationalen Einrichtungen“ gegen die „israelische Eskalation“.

          Seit dem Herbst verüben Palästinenser vermehrt im Alleingang Angriffe auf israelische Sicherheitskräfte und Zivilisten. Dabei setzen sie unter anderem Autos ein, mit denen sie vornehmlich an Bushaltestellen Polizisten oder Passanten überfahren.

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