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Zwangsenteigneter Boden : Eigentum verpflichtet

Ein Foto vom Örtchen Laubusch im Lausitzer Kohlerevier, um das Jahr 1938. Bild: Sammlung Knauth

Tausend Grundbesitzer in der Lausitz haben Post bekommen: Ihre Vorfahren haben zwangsenteigneten Boden gekauft. Jetzt sollen sie dafür zahlen.

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          Bis vor kurzem war die Welt von Familie Robel in Ordnung. Ihr Einfamilienhaus in Laubusch bei Hoyerswerda strahlte in frischem Weiß, das Dach war neu gedeckt, im Garten blühten Obstbäume, der Rasen war tipptopp gemäht. Jeden freien Groschen haben sie in Haus und Grundstück gesteckt. Sie haben erhalten und gepflegt, so wie sie es von ihren Eltern und diese von den Großeltern übernommen haben. Haus und Land, so war der Plan, sollen in der Familie bleiben. Die Tochter soll es übernehmen, und das Ehepaar Robel, beide Ende 50, könnten dann darin wohnen bleiben. Sie dachten, alles sei in guten Händen.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Im Frühjahr 2017 holten sie einen Grundbuchauszug, ließen das Erbe beim Notar beglaubigen, und schon bald darauf kam Post vom Grundbuchamt. „Ich hab noch gedacht: Das ging ja schnell mit der Eintragung“, sagt Uwe Robel. Den Brief öffneten sie erst am Wochenende, als die Tochter da war, um gemeinsam zu feiern. Sie zogen das Schreiben aus dem Umschlag. Doch statt der Umschreibung auf die Tochter schickte das Amt eine „Eintragungsbekanntmachung“. Für das zuvor von Lasten und Schulden völlig freie Grundstück „liegt ein Antrag auf Rückübertragung nach § 30 Absatz 1 des Vermögensgesetzes vor“, stand auf dem Papier, ein zweites informierte, dass Auskünfte dazu „ausschließlich“ das „Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen“ in Berlin erteilt, beigelegt war eine Telefonnummer.

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