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Zwangsarbeit : DDR-Häftlinge schufteten für westdeutsche Möbelhändler

  • Aktualisiert am

Arbeiterinnen 1980 im VEB Polstermöbel Rabenau. Schon zu DDR-Zeiten lieferte der „volkseigene Betrieb“ an das schwedische Unternehmen IKEA. Bild: dpa Picture-Alliance / Ulrich Hässler

Möbel aus der DDR, günstig produziert in Gefängnissen: Davon profitierten auch bekannte Versandhäuser und Kaufhausketten auf der anderen Seite der Mauer. Von Zwangsarbeit hätten sie damals nichts gewusst, heißt es nun.

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          Mehrere westdeutsche Unternehmen haben von Zwangsarbeit in DDR-Gefängnissen profitiert. Sie bezogen in den siebziger und achtziger Jahren zu günstigen Preisen Möbel aus Ostdeutschland, die dort von volkseigenen Betrieben hergestellt wurden. Diese Betriebe ließen einen Teil der Arbeiten - insbesondere gesundheitsgefährdende - in Haftanstalten vornehmen. Insgesamt schufteten bis zu 30.000 Häftlinge für volkseigene Betriebe, auch in anderen Wirtschaftszweigen. Davon waren etwa zehn Prozent politische Gefangene.

          Jährlich wurden mindestens 200 Millionen D-Mark mit Waren umgesetzt, an denen Häftlinge mitgearbeitet hatten. Von den Exportgewinnen wurde ein Teil der westdeutschen DKP finanziert. Das sind die wesentlichen Erkenntnisse einer Studie der Stasi-Unterlagen-Behörde, über die die F.A.S. vorab berichtet. Der schwedische Möbelkonzern Ikea hatte Ende 2012 eingestanden, dass er jahrelang in der DDR produzierte Möbel verkauft hatte, die politische Häftlinge unter Zwang hergestellt hatten.

          Geschäfte mit renommierten Unternehmen

          Bei den westdeutschen Unternehmen, die von der Möbelherstellung in der DDR profitierten, handelt es sich um Kaufhäuser, Einrichtungshäuser und Versandhändler. Allein 1985 bezog das Unternehmen Quelle Waren im Wert von 29,2 Millionen D-Mark von DDR-Betrieben. Darauf folgten Otto mit 25,2 Millionen, Kaufhof mit 17,3 Millionen, Horten mit 14,2 Millionen, Neckermann mit rund 12 Millionen, Woolworth mit 8,5 Millionen, Hertie mit 6,8 Millionen, Karstadt mit 3,6 Millionen, Baur mit 2,4 Millionen und Möbel Hess mit 2,1 Millionen D-Mark.

          Die Exporte wurden über den fränkischen Zwischenhändler Richard Karl Lämmerzahl abgewickelt. Diese Angaben stammen aus einem Dokument des DDR-Außenhandelsministeriums.

          Firmen bestreiten Wissen um Zwangsarbeit

          Rund die Hälfte der betroffenen westdeutschen Unternehmen sind mittlerweile insolvent. Gegenüber der F.A.S. bestritten die verbliebenen Unternehmen, dass sie seinerzeit Kenntnis von Zwangsarbeit gehabt hätten. Otto, Kaufhof, Karstadt und Baur teilten mit, sie hätten interne Untersuchungen vorgenommen. Jedoch hätten weder Firmendokumente noch die Befragung früherer Mitarbeiter Hinweise auf die Arbeit von DDR-Häftlingen ergeben. Die Unterlagen von Kaufhof werden zurzeit von der Stasi-Unterlagen-Behörde geprüft, Baur will seine in Kürze dort einreichen. Unterlagen von Otto und Karstadt ergaben keine Hinweise auf Verbindungen zu Zwangsarbeit.

          Die Häftlingsarbeit war ein lukratives Finanzierungsmodell für die DDR. Die SED-Führung garantierte dem Zwischenhändler Lämmerzahl beim Ankauf von Möbeln Rabatt. Im Gegenzug erteilte Lämmerzahl einer der DKP nahestehenden Druckerei in der Bundesrepublik Aufträge, die er üppig vergütete.

          Die Wissenschaftler der Stasi-Unterlagen-Behörde stießen noch auf einen weiteren Fall, in dem die DKP vom Westexport profitierte. Er betrifft die Firma Chemo-Plast, die Kerzen aus Sträflingsproduktion verkaufte und vollständig im DDR-Besitz war. Ihr gehörte ein Gebäude, das der Düsseldorfer DKP-Parteivorstand nutzte. Außerdem befanden sich auf ihrer Gehaltsliste sieben DKP-Funktionäre, obwohl sie nie für Chemo-Plast arbeiteten.

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