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Zum Tod von Ariel Sharon : Der Bulldozer liebte die Nation

Politik im Zeichen des Wechsels: Ariel Sharon Bild: REUTERS

Der verstorbene Ariel Scharon war ein eigenwilliger und draufgängerischer Politiker. Bevor er vor acht Jahren ins Koma fiel, überraschte er sein Land mit einem radikalen Kurswechsel in der Gaza-Frage.

           Ariel Scharon kämpfe „wie ein Löwe“, sagten noch vor wenigen Tagen seine Ärzte. Doch am Samstagnachmittag verlor der ehemalige israelische Ministerpräsident seinen letzten Kampf: Ariel Scharon starb im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus in Tel Haschomer bei Tel Aviv. Er war nicht mehr aus dem Koma aufgewacht, in das er am 4. Januar 2006 nach einer Hirnblutung gefallen war - auf dem Höhepunkt seiner Macht: Umfragen sagten ihm und seiner neugegründeten Kadima-Partei damals in der bevorstehenden Wahl einen Sieg voraus. Für den Sohn osteuropäischer Einwanderer hätte das eine zweite Amtszeit an der Spitze der Regierung bedeutet.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          „Er ist gegangen, als er sich entschieden hatte zu gehen“, sagte Scharons Sohn Omri am Samstag. Gemeinsam mit seinem Bruder Gilad war er in den vergangenen acht Jahren kaum von der Seite des Vaters gewichen. Tag für Tag kamen die Söhne an das Krankenbett. Am Samstag würdigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Scharon mit den Worten, vor allem sei der frühere Vorsitzende der Likud-Partei „ein großer und mutiger Krieger“ gewesen.

          Im Zeichen der Wende

          Am Ende seiner langen militärischen Laufbahn überraschte der einstige General Scharon im Sommer 2005 auch Netanjahu, der damals Finanzminister war. Denn gegen erbitterten Widerstand im eigenen politischen Lager setzte Scharon den israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen durch; Netanjahu trat deshalb aus Protest von seinem Ministeramt zurück. Scharon ließ außerdem vier Siedlungen im nördlichen Westjordanland räumen. Angeblich gingen seine Rückzugspläne im Westjordanland sogar noch weiter. Aber es blieb ihm keine Zeit mehr.

          Sein politischer Kurswechsel war radikal. Denn als Landwirtschafts-, Bau- und Infrastrukturminister hatte Scharon jahrzehntelang den Siedlungsbau in den Palästinensergebieten vorangetrieben; als Soldat und Kommandeur hatte er die Gebiete selbst miterobert. Im muslimischen Viertel der Jerusalemer Altstadt kaufte Scharon sich später eine Wohnung. In Israel wie im Ausland fragte man sich verwundert, wie es dazu kommen konnte, dass ausgerechnet der als „Siedlervater“ verehrte Scharon Soldaten in Marsch setzte, um Siedler aus ihren Häusern in Gaza zu vertreiben. Scharon war am 26. Februar 1928 in der landwirtschaftlichen Siedlung Kfar Malal bei Tel Aviv geboren worden. Bis zu seiner politischen Wende waren die Palästinenser für ihn nur Gegner, denen Israel mit Härte begegnen müsse.

          Auf eigene Faust

          Schon im Alter von 14 Jahren hatte er sich der Hagana-Truppe angeschlossen, um erst gegen die britische Mandatsmacht und danach im Unabhängigkeitskrieg gegen die arabischen Gegner zu kämpfen. An allen folgenden Kriegen war er an führender Stelle beteiligt. Wegen seines Muts bewunderten ihn viele, wegen seines Draufgängertums und eigenmächtigen Handelns wurde er aber auch immer wieder kritisiert. Er erhielt den Spitznamen „Bulldozer“. Und er wurde wohl wegen dieser Eigenschaft nie Generalstabschef.

          So überquerte Scharon trotz anderslautender Befehle im Jahr 1973 mit seiner Panzereinheit den Suez-Kanal, was dazu beitrug, dass Israel im Jom-Kippur-Krieg die Oberhand gewann. Im Jahr 1982 war er als Verteidigungsminister die treibende Kraft hinter dem israelischen Einmarsch im Libanon, durch den letztlich die PLO und Jassir Arafat von dort vertrieben wurden. Im Jahr darauf musste Scharon zurücktreten, weil eine israelische Untersuchungskommission seine Mitverantwortung für die Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila festgestellt hatte.

          Konflikten ging Scharon aber auch danach nicht aus dem Weg. Als Likud-Vorsitzender besuchte er im September 2000 in Jerusalem den Tempelberg - kurz darauf begann die zweite Intifada. Der neue Ausbruch der Gewalt und die zuvor in Camp David gescheiterten Friedensverhandlungen brachten ihn dann im Februar 2001 ins Ministerpräsidentenamt. Seit jedoch die islamistische Hamas-Organisation im von der Armee geräumten Gazastreifen die Macht ergriffen hatte und von dort Raketen abfeuerte, nahm in Israel die Kritik an Scharon zu. Davon war am Wochenende nichts mehr zu hören. „Er liebte seine Nation, wie seine Nation ihn liebte“, sagte Staatspräsident Schimon Peres über den Politiker, den seine Freunde und Verehrer oft nur „Arik“ nannten.

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