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Papst Benedikt XVI. : Ein gewissenhafter Theologe

  • -Aktualisiert am

In Verantwortung vor Gott: Papst Benedikt XVI. im Jahr 2009 Bild: AFP

Benedikt XVI. war der erste Papst, der im Jahr 2013 freiwillig von seinem Amt zurücktrat. Seither musste sich der Vatikan an zwei Päpste in seinen Mauern gewöhnen. Was unterscheidet die beiden Geistlichen?

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          Als Papst emeritus hat sich Benedikt XVI. in das umgebaute Klausurkloster Mater Ecclesiae zurückgezogen. Dort, in den Vatikanischen Gärten, wird er am Ostersonntag auch seinen 90. Geburtstag feiern. Er interessiert sich aber auch weiter für die Welt. An jedem Wochentag liest er die F.A.Z. und verfolgt die Fernsehnachrichten. In der Regel kommen am Vormittag drei Besucher. Es gehe ihm gut, berichtet sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein. Und so kann man sich leicht vorstellen, wie der zartgliedrige alte Herr, der im weißen Habit gewandet ist, im lichtdurchfluteten Wohnzimmer mit den hellen Möbeln zum Weingarten vor dem Haus hinausblickt, wie er liest oder Musik hört. Vor allem aber betet er.

          An diesem Wochenende ist es freilich anders. Zu Besuch ist sein drei Jahre älterer Bruder, der Kirchenmusiker Georg Ratzinger, der einst Domkapellmeister zu Regensburg war. Die Brüder hätten einen ruhigen Geburtstag gefeiert, sagt Gänswein. Wie in jedem Jahr hatte Papst Franziskus bereits am Mittwochnachmittag den Emeritus besucht, um ihm Glückwünsche zum Osterfest zu entrichten und ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Am Montag wird es offizieller, wenn etwa 50 Gratulanten im Geleit des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und dessen Ehefrau Karin erwartet werden. Dann wird bayerische Musik zu hören sein.

          Der Papst emeritus wurde am 16. April 1927 im bayerischen Marktl am Inn als Joseph Ratzinger geboren. Gut vier Jahre sind seit Benedikts Rücktritt am 28. Februar 2013 vergangen. Die katholische Kirche hatte einen solchen freiwilligen Schritt bisher nie erlebt, und so fehlt auch ein klares Rücktrittsverfahren. Papst Benedikt blieb damals nur übrig, sein Amt bei einem Konsistorium an die Kardinäle zurückzugeben, aus deren Kreis er am 19. April 2005 gewählt worden war.

          Überrascht habe ihn der Rücktritt des altersschwachen Papstes damals nicht, sagte jetzt Kurienkardinal Kurt Koch, der seit dem Jahr 2010 Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ist. Koch sagte, die Ernsthaftigkeit der Theologie von Papst Benedikt, die Art, wie er über Gewissen spreche und vom Gewissen her handle, zeige einen „äußerst gewissenhaften Menschen“, der sich damals gesagt habe: Wenn er seine Aufgabe nicht mehr so ausführen könne, „wie ich es von meinem Gewissen her vor Gott verantworten müsste, dann muss ich den Mut haben, loszulassen“.

          Benedikt wird von Franziskus nicht nur aus Höflichkeit zititert

          Derweilen hat sich der Vatikan an zwei Päpste in seinen Mauern gewöhnt. Die beiden mögen einander und pflegen einen vertrauten, zugleich rücksichtsvoll distanzierten Umgang. Benedikt unterstellt sich seinem Nachfolger, nur auf Einladung von Franziskus erscheint er bei kirchlichen Feiern, und das ist selten – das letzte Mal im Dezember 2015 zur Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom am Beginn des Jahres der Barmherzigkeit.

          Kritiker von Papst Franziskus legen das Schweigen Benedikts über den Nachfolger gern als Kritik aus. Dabei übersehen sie, dass der Papst aus Argentinien das theologische Werk seines Vorgängers fortlebt. Sichtbarstes Zeichen war bereits die erste Enzyklika von Franziskus: Lumen fidei (Licht des Glaubens) wurde im Juni 2013 als gemeinsame Enzyklika veröffentlicht. Die Lehrschrift war zu mehr als der Hälfte ein Text Benedikts.

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