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Zivilisten in Gaza : Schutzlos ausgeliefert

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Kinder in den Trümmern eines Hauses in Beit Hanun Bild: AP

Während sich Israelis in Bunkern vor den Hamas-Raketen in Sicherheit bringen, sind die Bewohner des Gazastreifens den Luftangriffen weitgehend schutzlos ausgeliefert. Zivilisten werden zu Geiseln militanter Islamisten.

          Ausgerechnet im heiligen Fastenmonat Ramadan, eigentlich eine besonders festliche Zeit für Muslime, hat der Raketenkrieg den Nahen Osten wieder im Griff. Stündlich gibt es aus dem Gazastreifen Berichte über weitere Tote, unter ihnen auch Kinder. Seit Dienstag sind nach Angaben aus Krankenhäusern 37 Palästinenser getötet worden.

          Aus Furcht vor einer Bodenoffensive der israelischen Armee stehen viele Menschen vor Bäckereien in Gaza-Stadt Schlange, um sich mit Pita-Brot einzudecken. Anders als in Israel gibt es im Gazastreifen kein Vorwarnsystem bei Raketenangriffen. Es gibt keine Sirenen, und die meisten Menschen haben auch keine Schutzräume, in denen sie Zuflucht suchen könnten. Viele Einwohner des Gazastreifens harren deshalb zuhause aus, während um sie herum Raketen einschlagen. Bei gezielten Angriffen auf Häuser militanter Palästinenser warnt die israelische Armee die Bewohner allerdings meist telefonisch, damit sie die Gebäude noch schnell verlassen können.

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          Viele ranghohe Führer der radikal-islamischen Organisation Hamas haben sich angeblich schon vor Tagen in Sicherheit gebracht. Sie sollen sich in Betonschutzräumen unter der Erde aufhalten, wo sie vor den tödlichen Raketenangriffen der israelischen Luftwaffe sicher sind. Zahlreiche bewaffnete Hamas-Kämpfer agieren allerdings aus dicht bewohnten Zentren heraus und nehmen dabei Todesopfer unter Zivilisten bei einem Gegenschlag Israels in Kauf.

          Angesichts der verzweifelten wirtschaftlichen Lage in dem schmalen Küstenstreifen wenden sich immer mehr Menschen von der Hamas ab. Palästinensische Beobachter halten es deshalb für möglich, dass die international isolierte Organisation gerade im Ramadan einen neuen Krieg mit Israel eingehen will, weil sie sich in dieser Zeit mehr Unterstützung von der eigenen Bevölkerung erhofft.

          In den Kassen der Hamas herrscht gähnende Leere. Seit neun Monaten kann die Organisation die Gehälter von etwa 42.000 Angestellten nicht mehr voll auszahlen. Seit einer Verschlechterung der Beziehungen der Hamas zu Syrien ist auch der Geldstrom aus dem mit Syrien verbündeten Iran versiegt.

          Früher konnten Hamas-Mitglieder noch Koffer mit Bargeld durch die Tunnel aus Ägypten in den Gazastreifen schmuggeln. Doch seit dem Machtwechsel im Nachbarland ist das vormals enge Bündnis mit der Hamas aufgekündigt, ägyptische Sicherheitskräfte haben die Tunnel verschlossen. Damit ist das Gebiet komplett abgeriegelt. Nur vereinzelt schaffen es Terroristen dennoch, durch Tunnel etwa nach Israel einzusickern. Im Juni 2006 gelang es ihnen, den jungen israelischen Soldaten Gilad Schalit zu entführen und durch einen solchen Tunnel in den Gazastreifen zu bringen. Schalit kam erst nach fünf Jahren in Gefangenschaft frei.

          Das Emirat Qatar hat der Hamas Millionenhilfe versprochen, doch arabische Banken wollen das Geld nicht überweisen - aus Furcht vor wirtschaftlichen Sanktionen. Denn sowohl die Vereinigten Staaten als auch die EU stufen die Hamas als Terrororganisation ein.

          Mit der neuen Konfrontation mit Israel wolle die Hamas neue Sympathien in der arabischen Welt wecken und Ägypten zur Öffnung der Grenze zwingen, meinen örtliche Kommentatoren. Sie hofften auch auf eine neue Einheit der Palästinenser im Angesicht der Bedrohung von außen. Aber das ist eine gewagte Hoffnung. Weder Ägypten noch die rivalisierende Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas haben ein Interesse am Erstarken der Hamas.

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