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Prozess zu Tiergartenmord : Der namenlose Zeuge

Im Namen des Volkes: der Richter und seine Kollegen beim Beginn des Prozesses zum Tiergartenmord im Oktober 2020. Bild: Reuters

Ein Mitarbeiter des Recherchenetzwerkes Bellingcat sagt im Prozess zum Tiergartenmord aus. Er bietet brisante Informationen und einen Einblick in die Arbeit seiner Organisation.

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          Es ist ein besonderer Zeuge, der am Dienstag im „Tiergartenmordprozess“ vor dem Berliner Kammergericht aussagt. Der Journalist, der als letzter den kleinen Verhandlungssaal mit seinen Begleitern betritt, ist als „Zeuge G.“ geladen. Der Vorsitzende Richter entschuldigt sich zu Beginn, dass er ihn so unpersönlich anspreche. Zumindest „Herr G.“ wolle er sagen, dass sei immerhin „drei Millimeter höflicher“. G. ist ein schwarzhaariger schlanker Mann um die 50 mit dünner Silberbrille. Er trägt einen dunklen Anzug und eine weinrote Krawatte, strahlt Intelligenz und Seriosität aus. Seinen vollen Namen, so sagt der Richter, müsse er wegen begründeter Sicherheitsbedenken nicht nennen, ebenso wie seine Anschrift. Denn G. ist Hauptbelastungszeuge in dem Mordverfahren, in dem ein Russe angeklagt ist, Russlands Präsident Wladimir Putin aber gleichsam mit auf der Anklagebank sitzt.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Angeklagte verfolgt die Verhandlung regungslos. Der kahlhäuptige Mann soll wenige hundert Meter vom Moabiter Gerichtsgebäude entfernt am 23. August 2019 den Georgier Selimchan Changoschwili mit zwei Schüssen in den Oberkörper niedergestreckt und ihm dann in den Kopf geschossen haben. Die Bundesanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass er im Auftrag der russischen Führung handelte. Changoschwili, ein ethnischer Tschetschene, sollte danach sterben, weil er im Tschetschenienkrieg separatistische Kämpfer gegen die russischen Streitkräfte führte. Laut der Anklage soll der mutmaßliche Mörder nicht, wie er selbst behauptet, Wadim Sokolow heißen, sondern Wadim Krassikow. Er soll bereits früher einen Mord in Russland ausgeführt haben, sei zunächst zur Fahndung ausgeschrieben worden, die überraschend gelöscht worden sei. Dann sei er unter einer falschen Identität zur Mordtat nach Deutschland geschickt worden.

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