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Zentralrat der Muslime : „Der Islam muß in jedem Land anders ausgelegt werden“

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„Verfassungswidrige Gesetze anfechten”: Elyas in Karslruhe
          5 Min.

          Der Zentralrat der Muslime in Deutschland, der 1994 gegründet wurde, vertritt heute 19 islamische Verbände. Zusammen haben sie etwa 12.000 Mitglieder; der Zentralrat spricht von 20.000 Mitgliedern. Die Vorgängerorganisation des Zentralrats nannte sich „Islamischer Arbeitskreis“ (gegründet 1988). Diesem Arbeitskreis gehörten auch die großen türkischen Verbände wie der „Verband der islamischen Kulturzentren“ und die Ditib, die staatsnahe „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“, an.

          Gemeinsames Ziel war die Vertretung muslimischer Interessen gegenüber der deutschen Öffentlichkeit, unter anderem die Einführung des islamischen Religionsunterrichts und die Zulassung des Schächtens. Die großen türkischen Organisationen gehören jedoch dem Zentralrat nicht mehr an, so daß er heute nur noch eine Minderheit der 3,2 Millionen Muslime in Deutschland vertritt, und zwar überwiegend Muslime arabischer Herkunft.

          Der Vorsitzende des Zentralrats, Nadeem Elyas, stammt aus Saudi-Arabien. Er ist ehrenamtlich tätig. Hauptberuflich exportiert er medizinische Geräte und vermittelt Patienten aus arabischen Ländern in deutsche Kliniken. Mit Nadeem Elyas sprach Uta Rasche.

          Politiker aller Parteien beklagen, daß die Muslime in Deutschland keine einheitliche Dachorganisation haben. Ist es richtig, daß Sie den Zentralrat gerne zum Dachverband ausbauen würden?

          Das haben wir nie behauptet, das wurde uns nur unterstellt.In Frankreich wurde auf staatlichen Druck ein Schura-Rat gegründet mit Vertretern aller muslimischen Gruppierungen.

          Könnten Sie sich solch einen Rat auch für Deutschland vorstellen?

          Das Modell in Frankreich ist kein Vorbild für uns, weil die Einmischung des Staates im Vordergrund steht. Das ist ein Paradox für einen laizistischen Staat. In Deutschland kann keine der bisher bestehenden Organisationen alleine der zentrale Ansprechpartner sein.

          Soll in Moscheen auf deutsch gepredigt werden?

          Das ist sinnvoll - schon allein, weil Deutsch die gemeinsame Sprache der Muslime aus verschiedenen Ländern geworden ist. Aber es soll keine gesetzliche Pflicht sein; das wäre ein Ausdruck des Mißtrauens gegenüber den Muslimen.

          Sind Sie für einen gesetzlichen muslimischen Feiertag in Deutschland?

          Nein, die Muslime feiern ihre beiden großen Feste in Deutschland problemlos. Ich halte diese Diskussion für verfrüht und unangebracht, denn es ist kein Bedürfnis der Muslime, und es spiegelt nicht den Willen der Bevölkerung.

          Dürfen Eltern ihre Tochter gegen deren Willen einem anderen Mann versprechen?

          Wir sind eindeutig gegen die Zwangsehe. Der Prophet selbst hat eine solche Ehe annulliert. Wir meinen, durch Zwang kann man ein solches Verhältnis nicht begründen. Wenn die Traditionen dazu führen, so ist das nicht gutzuheißen.

          Darf ein Mann mehrere Frauen heiraten?

          Wir leben in Deutschland, und hier ist eine Mehrehe nicht erlaubt.

          Darf ein Mann seine Frau schlagen?

          Auf keinen Fall. Der Prophet hat nie im Leben eine Frau geschlagen.

          Soll ein muslimisches Mädchen am Sportunterricht, am Schwimmunterricht und an mehrtägigen Klassenfahrten teilnehmen?

          Es soll auf jeden Fall daran teilnehmen. Die muslimischen Kinder dürfen sich nicht ausgrenzen lassen. Genauso müssen die Familien mitwirken bei der Gestaltung solcher Aktivitäten. Dann werden sie mehr Vertrauen schöpfen. Alles, was Eltern davon abbringen könnte, ihre Mädchen an Klassenfahrten teilnehmen zu lassen, gehört ohnehin nicht zu den pädagogischen Zielen.

          Haben Sie selber Töchter?

          Meine Tochter hat auf einem bischöflichen Gymnasium Abitur gemacht, und auch meine Söhne sind dort gewesen. Wir hatten keine Probleme mit Schwimmunterricht und Klassenfahrten.

          Sollen muslimische Mädchen mit Kopftuch in die Schule gehen?

          Sie sollen es nur aus Überzeugung tun. Es ist nicht sinnvoll, sie zu zwingen. Wenn sie es nicht einsehen, dann hat die Erziehung versagt. Unsere Tochter ging freiwillig mit Kopftuch in die Schule.

          Warum haben Sie für Ihre Kinder eine katholische Schule ausgesucht?

          Für uns sind Ethik und Moral sehr wichtig; in diesen Fragen sahen wir große Gemeinsamkeiten. Die besondere islamische Erziehung war unsere eigene Aufgabe.

          Welche Erscheinungen in Deutschland halten Sie für unmoralisch?

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