https://www.faz.net/-gpf-vxmr

Zentralrat der Juden : „Holocaust und Vertreibung moralisch nicht parallelisieren“

  • Aktualisiert am

Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden Bild: Helmut Fricke

Der Zentralrat der Juden hat den Bund der Vertriebenen anlässlich seines 50. Jahrestags aufgefordert, „nationalistische Eintrübungen“ endgültig abzulegen. Der Jahrestag sei eine „große Chance, in vielem politisch 'reinen Tisch' zu machen“, sagte Vizepräsident Graumann.

          1 Min.

          Der Zentralrat der Juden hat den Bund der Vertriebenen anlässlich seines 50. Jahrestags aufgefordert, „nationalistische Eintrübungen“ endgültig abzulegen. Der Jahrestag sei eine „große Chance, in vielem politisch 'reinen Tisch' zu machen“, sagte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, am Montag dem Internetdienst „Netzeitung“.

          Der Bund der Vertriebenen begeht am Montag mit einem Festakt in Berlin sein 50-jähriges Bestehen. Bei der Feierstunde im Berliner Kronprinzenpalais wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Festrede halten. (Siehe auch: Bund der Vertriebenen - Tor der Erinnerung)

          „Gemeinsames Erinnern ein Stück Annäherung“

          Graumann sagte weiter, er würde es begrüßen, wenn der Vertriebenenbund „mit der unseligen Tradition“ brechen könnte, „den Holocaust und die Vertreibung moralisch zu parallelisieren und gleichmacherisch behandeln zu wollen“. Wenn er „dann sogar noch das Gedenken an das ernste Schicksal der Vertreibung in einen gesamteuropäischen Kontext stellen könnte, dann wäre das noch viel besser“, ergänzte der Zentralratsvizepräsident.

          Graumann äußerte die Hoffnung, dass sich der BdV von allen Forderungen an die Nachbarländer formell verabschiedet, „auch von den unheilvollen Aktivitäten der Preußischen Treuhand“. Ein „perfektes Geburtstagsgeschenk“ des Bundes der Vertriebenen „an uns alle und auch an sich selbst“ wäre nach Ansicht Graumanns daher, das Gedenken an Vertreibung nicht als Anlass und Objekt von Streit und Provokation gegenüber Polen und Tschechien zu sehen. Es sei stattdessen eine „immense Chance, im gemeinsamen Erinnern ein Stück Annäherung und eine friedvolle Zukunftsperspektive zu gewinnen“.

          Zentrum gegen Vertreibungen in der Kritik

          Ende Oktober 1957 hatten sich der damalige „Bund der vertriebenen Deutschen“ und die „Vereinigten Ostdeutschen Landsmannschaften“ zum BdV zusammengeschlossen.

          Die Forderungen der deutschen Vertriebenen haben immer wieder zu Belastungen im Verhältnis zu den osteuropäischen Nachbarn geführt. So stößt etwa das von BdV-Präsidentin Erika Steinbach geplante Zentrum gegen Vertreibungen in Polen auf heftige Kritik.

          Weitere Themen

          FDP und AfD erreichen Fünf-Prozent-Hürde Video-Seite öffnen

          Wahl in Hamburg : FDP und AfD erreichen Fünf-Prozent-Hürde

          Bei der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft haben FDP und AfD nach vorläufigen offiziellen Zahlen die Fünf-Prozent-Hürde erreicht. Klarer Sieger wurde trotz Verlusten die SPD - sie kann die Koalition mit den deutlich erstarkten Grünen fortsetzen.

          Topmeldungen

          Klaus Wolfram im Februar im Prenzlauer Berg, dort also, wo früher Ostberlin war

          Ein Treffen mit Klaus Wolfram : Ostdeutscher Frühling

          Nicht nur in Thüringen versuchen rechte Demagogen den Osten zu usurpieren. Der DDR-Oppositionelle Klaus Wolfram kritisiert die ungleiche Verteilung der Diskursmacht in Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.