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Zensus 2011 : Volkszählung kostet mehr als 700 Millionen Euro

  • -Aktualisiert am

5,5 Millionen Euro kostet die Kampagne für den Zensus 2011: Werbeplakat in Frankfurt am Main Bild: dpa

Der Zensus 2011, erste große Volkszählung seit 24 Jahren, kostet den Staat mehr als 700 Millionen Euro - doch das sind nicht alle Kosten, die entstehen. Auch auf die Wirtschaft kommen Ausgaben zu, vor allem auf Immobilienunternehmen.

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          An diesem Montag beginnt das große Datensammeln. Für den Zensus 2011, die erste große Volkszählung seit 24 Jahren, werden Millionen Fragebögen verschickt, und 80.000 Helfer schwärmen im Auftrag des Statistischen Bundesamts aus, um acht Millionen Bürger zu befragen. Es ist ein Mammutprojekt, das den Staat mehr als 700 Millionen Euro kosten wird. So zumindest ist es vorgesehen im Zensusvorbereitungsgesetz und im Zensusgesetz 2011. In Letzterem werden die Kosten für den Zensus auf 527,8 Millionen Euro veranschlagt; 44,8 Millionen für den Bund, 483 Millionen für die Länder. Hinzu kommen – für die Vorbereitungen, die schon seit 2006 laufen – weitere 176,3 Millionen Euro (39,3 Millionen für den Bund und 137 Millionen für die Länder). Allerdings überweist der Bund den Ländern für die Volkszählung 250 Millionen Euro, um sie finanziell zu entlasten.

          Doch die Millionen der öffentlichen Hand sind noch nicht alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Zensus entstehen. Auch auf die Wirtschaft kommen Ausgaben zu, vor allem auf die Immobilienunternehmen. Denn es werden nicht nur private Haushalte dazu befragt, wie sie wohnen und arbeiten. Auch 17,5 Millionen Immobilienbesitzer müssen Fragebögen zu ihren Wohnungen und Häusern ausfüllen. Darunter fallen nicht nur private Hausbesitzer, sondern auch fast 33.000 Immobilienunternehmen oder Firmen wie Siemens, die Werkswohnungen besitzen. Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Beantwortung der Fragebögen die Branche knapp 5 Millionen Euro kosten wird. Es wird angenommen, dass jede Firma acht Stunden braucht, um die Fragen zu beantworten, bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 18,80 Euro.

          Werbung im Kino und Fernsehen, auf Plakaten und im Internet

          Bislang, sagt ein Sprecher des Statistischen Bundesamts, gebe es keine Anhaltspunkte, dass der Finanzrahmen nicht eingehalten werde. Kosten entstehen auch in den Kommunen, weil dort Erhebungsstellen eingerichtet werden müssen. Das wiederum erfordert Technik, Personal und bauliche Veränderungen. Auch die Interviewer bekommen Geld. Sie sind zwar Freiwillige, aber mit jeder erfolgreichen Haushaltsbefragung verdienen sie 7,50 Euro. In der Kostenkalkulation enthalten sind auch die Ausgaben für die begleitenden Informationskampagnen. Herzstück ist die Internetseite www.zensus2011.de. In der nun beginnenden heißen Phase laufen zudem Spots im Kino und im Fernsehen, wird auf Plakaten und im Internet geworben. 5,5 Millionen Euro koste die Kampagne. Die Statistiker halten den Werbeaufwand auch deshalb für notwendig, weil die letzte große Volkszählung von einer vehementen Protestbewegung begleitet wurde. Anders als damals wird dieses Mal aber nicht jeder Bürger befragt, sondern nur eine repräsentative Stichprobe von 8 Millionen Menschen, die zufällig ausgewählt wurden. Zusätzlich nutzen die Statistiker Daten, die in den verschiedenen Behördenregistern schon vorhanden sind.

          Notwendig ist die Volkszählung, weil die EU aktualisierte Daten von ihren Mitgliedstaaten verlangt. Doch auch Deutschland brauche diese Inventur, betont das Statistische Bundesamt, etwa um den Länderfinanzausgleich korrekt berechnen zu können. Auch die Wirtschaft und die Bürger hätten etwas von der Zählung, sagte der Sprecher. „Es ist eine Gerechtigkeitsfrage, dass das Geld dorthin fließt, wo die Menschen auch wirklich wohnen.“ Hinzu komme, dass etwa Versicherungen von aktualisierten Sterbetafeln profitierten. Wohnungsbauunternehmen bekämen aufgrund der aktualisierten Bevölkerungszahlen realistische Hinweise, wo sich Investitionen lohnen könnten, und Meinungsforschungsinstitute könnten ihre Hochrechnungsraten aktualisieren.

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