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Zensus 2011 : Die Deutschen werden gezählt

  • -Aktualisiert am

Mehr als 25 Millionen Deutsche werden beim „Zensus 2011” befragt Bild: dpa

An diesem Montag beginnt die Volkszählung 2011. Befragt werden zehn Prozent der Bevölkerung sowie alle Besitzer von Wohnungseigentum. Anders als in den achtziger Jahren gibt es dieses Mal so gut wie keinen Protest dagegen.

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          Am Montag beginnt in Deutschland der „Zensus 2011“, die umfassendste Befragung der deutschen Bürger seit 24 Jahren. Die Unterlagen dafür werden derzeit zugestellt. Bis dahin hatte kaum jemand vom Zensus Notiz genommen. Bei der letzten Volkszählung in den achtziger Jahren war das anders: Damals gab es massive Proteste, bis die geplante Befragung vom Bundesverfassungsgericht gestoppt wurde.

          Dieses Mal wird allerdings nicht die gesamte Bevölkerung, sondern nur eine Stichprobe befragt: Das Statistische Bundesamt wählte acht Millionen Deutsche per Zufallsprinzip aus. Sie sollen Fragen zu ihrem Bildungsstand, ihrem Beruf und eventuellem Migrationshintergrund beantworten. Auch Name und Anschrift werden abgefragt. Darüber hinaus müssen alle 17,5 Millionen Immobilienbesitzer Fragen zu ihrem Eigentum beantworten. 1987 wurden noch alle volljährigen Bewohner Deutschlands befragt.

          1983 setzte das Bundesverfassungsgericht nach Klagen von mehr als 1200 Bürgern das Recht auf informationelle Selbstbestimmung durch und entschied, dass jeder Bürger selbst über die Verwendung seiner Daten bestimmen dürfe. Damals musste deshalb die ursprünglich für 1983 geplante Zählung neu konzipiert werden und konnte erst im Jahr 1987 stattfinden. Der Staat darf seit seither nur noch Daten erheben, „wenn ein überwiegendes Allgemeininteresse vorliegt“, wie es im Urteil von 1983 heißt. In der DDR fand 1981 das letzte Mal eine Volkszählung statt.

          Breiter Protest gegen die Volkszählung bleibt aus

          Mit Ausnahme des „Arbeitskreises Zensus“, der aus dem Arbeitskreis zur Vorratsdatenspeicherung hervorgegangen ist, sowie wenigen Bloggern regt sich in der Bevölkerung dieses Mal kaum Widerstand gegen die Zählung. Keine Demonstrationen, keine Boykott-Aufrufe, keine „VoBo“-Initativen (Volkszählungs-Boykott-Initiativen), wie es sie in den achtziger Jahren gab. Der Ratgeber „Was Sie gegen Mikrozensus und Volkszählung tun können“ fand damals große Verbreitung bei den Gegnern: Bis April 1987 wurden eine Viertelmillion Exemplare verkauft. Die Bundesregierung musste schließlich eine teure Werbekampagne finanzieren, die die Bürger vom Nutzen der Befragung überzeugen sollte.

          Nach dem Sinn der Zählung wird im Jahr 2011 nicht gefragt. „Die Bevölkerung weiß gar nicht, dass die Volkszählung kommt“, sagt Werner Hülsmann, Informatiker und Mitglied des „Arbeitskreises Zensus“. Mit dem Begriff Zensus könne keiner etwas anfangen.

          Auch der Umgang mit den Daten hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Viele Internetnutzer etwa gehen inzwischen recht sorglos mit ihren persönlichen Daten um. Das bestätigt auch Heike Trappe, Professorin für Soziologie an der Universität Rostock und Mitglied der staatlich eingesetzten Zensuskommission, die die Aufgabe hat, das „soziale Großexperiment“ wissenschaftlich zu begleiten. Das gesellschaftliche Klima habe sich entscheidend verändert, sagte sie. Trotz der vielen Missbrauchsfälle gebe es „weniger Skepsis“, persönliche Daten freiwillig preiszugeben.

          Bevölkerungsstatistiken sind ungenau

          Mit der Durchführung des „Zensus“ leistet die Bundesregierung einer Bestimmung aus Brüssel Folge: Die europäische Verordnung über Volks- und Wohnungszählungen aus dem Jahr 2008 verpflichtet die Mitgliedstaaten der Europäischen Union alle zehn Jahre zur Datenerhebung.

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