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Zensus 2011 : Deutschland zusammengezählt

  • -Aktualisiert am

Noch sind nicht alle Fragebögen bei den Erhebungsstellen eingegangen Bild: dapd

Ende 2012 wird die neue Bevölkerungszahl feststehen. Dafür waren zwischen Mai und Anfang August tausende ehrenamtliche Erhebungsbeauftragte in ganz Deutschland im Einsatz. Ihr oberstes Gebot lautete: Geheimhaltung.

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          Es gibt einfachere Möglichkeiten, interessante Leute kennenzulernen. Aber die Bürgerbefragung beim Zensus sei definitiv eine solche Möglichkeit, sagt Sven Nessokat. Er ist Mitarbeiter beim Statistischen Landesamt Hessen in Wiesbaden, und bei der Befragung zum Zensus 2011 ist er darüber hinaus auch als freiwilliger Erhebungsbeauftragter tätig - das heißt, er sucht einige der Menschen auf, die per Zufallsprinzip für die Stichprobe von etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung bei der Haushaltebefragung ermittelt wurden. Die meisten seien sehr kooperativ, vor allen die älteren. Andere seien erst einmal skeptisch, warum man gerade sie ausgewählt habe.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Wen das Los aber getroffen hat, der hat keine Wahl: Das Zensusgesetz 2011 verpflichtet die Ausgewählten zur Angabe von Name, Adresse, Alter, Geschlecht, Familienstand, Staatsangehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft und möglichem Migrationshintergrund. Der Zensus 2011, bei dem mehr Daten geschöpft werden als bei allen bisherigen, ist nach der letzten Erhebung von 1987 die erste Volkszählung im wiedervereinigten Deutschland und die erste, die auf einer für die gesamte Europäische Union gleich geregelten Fragebasis beruht.

          So interessant die befragten Menschen auch sein mögen: Anderen Menschen Genaueres über sie erzählen darf Sven Nessokat nicht. Das hebt auch sein Abteilungsleiter beim Statistischen Landesamt, Berthold Müller, hervor: Geheimhaltung sei oberstes Gebot beim Zensus. Alle Erhebungsbeauftragten nahmen an Schulungen teil und verpflichteten sich zum vertraulichen Umgang mit den gesammelten Daten. Wenn ein Erhebungsbeauftragter die Daten für persönliche Interessen missbraucht - etwa für Werbung oder Kundenakquise - wird der Fall direkt an den Staatsanwalt übermittelt. Das ist zum Glück bei der Erhebung so gut wie nicht vorgekommen.

          Aus dem Karton gezaubert: Auch die Verwaltung der Erhebungsbögen ist ziemlich genau geordnet.

          Wiederholungsbefragung zur Tilgung von „Karteileichen“

          In ganz Deutschland waren vom 9. Mai, dem Stichtag des Mitte 2009 verabschiedeten Zensusgesetzes 2011, bis zum 2. August etwa 80.000 ehrenamtliche Erhebungsbeauftragte für die Befragung der Haushalte im Einsatz. Allein in Hessen waren 735.000 Personen zu befragen. Das geschah mithilfe von 33 kommunalen Erhebungsstellen und etwa 8000 Erhebungsbeauftragten, deren jedem ein Bezirk mit bis zu 100 Personen zur Befragung zugeteilt war. Um diese Personen auszuwählen, nutzte man das Anschriften- und Gebäuderegister, in dem alle Adressen vermerkt sind, an denen Gebäude und Wohnraum zu finden sind. Dieses Register wurde seinerseits für den Zensus 2011 über Jahre aufgebaut - eingeflossen sind Daten aus dem Einwohnermeldewesen, der Bundesagentur für Arbeit und aus dem Katasterwesen.

          Der Zensus, bei dem außerdem auch alle 17,5 Millionen Wohnungseigentümer in Deutschland einen Fragebogen ausfüllen mussten, ist somit wahrlich ein großes Projekt - und längst noch nicht abgeschlossen. Das liegt auch daran, dass noch nicht alle Fragebögen bei den Erhebungsstellen eingegangen sind, teils wegen der Sommerferien. Bei der Haushaltsstichprobe kann man den Bogen direkt dem Befrager mitgeben, ihn später per Post schicken oder das Formular online auszufüllen. Wenn Befragte säumig sind, werden ihnen zunächst zwei Erinnerungen, dann eine Mahnung mit Androhung eines Zwangsgeldes geschickt. Wer den Fragebogen dennoch nicht abschickt oder sich weigert, dem droht ein Bußgeld von bis zu 600 Euro. Zudem werden derzeit noch Wiederholungsbefragungen zur Qualitätssicherung ausgeführt: Einige der befragten Personen werden ein zweites Mal von einem anderen Erhebungsbeauftragten aufgesucht. Die Wiederholungsbefragung dient vor allem der Tilgung von „Karteileichen“ und der wegen Umzügen mehrfach gemeldeten Bürger aus den Registern.

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