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Zehn Jahre danach : Wie 9/11 die Welt verändert hat

Das Jahrzehnt des Antiterrorkampfes begann am 11. September 2001 - es war für die Vereinigten Staaten ein verlorenes Jahrzehnt Bild: REUTERS

Das Jahrzehnt des Antiterrorkampfes, das am 11. September 2001 begann und am 2. Mai 2011 mit der Tötung des Al- Qaida-Anführers Bin Ladin endete, war für die Vereinigten Staaten ein verlorenes Jahrzehnt. Amerika hat seine militärischen Kräfte stark beansprucht, vielleicht sogar überdehnt.

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          Al Qaida beziehungsweise dessen Vorläufer hatten ihr Terrorunwesen schon früher getrieben, im Jemen, in Ostafrika, wo amerikanische Einrichtungen das Ziel waren, und natürlich in Afghanistan und in Pakistan. Und tatsächlich gab es bereits 1993 einen Anschlag auf das World Trade Center in New York, bei dem Menschen zu Tode kamen. Aber es war der monströse Massenmord an einem sonnigen Spätsommermorgen, der sogenannte „Angriff auf Amerika“, welcher der ganzen Welt im Allgemeinen und der amerikanischen Bevölkerung im Besonderen die scheinbar neue Gefahr des islamistischen Terrorismus vom einen auf den anderen Augenblick auf verheerend-spektakuläre Weise vor Augen führte. Nach dem 11. September 2001 wurde nicht alles anders, aber vieles. Auf einigen Feldern der Politik blieb kein Stein mehr auf dem anderen; das gilt insbesondere für die Vereinigten Staaten.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Seit jenem Tag sind der islamistisch inspirierte Terrorismus und seine Bekämpfung Gegenstand internationaler und innerstaatlicher Politik, zumal es in dem folgenden Jahren zu weiteren schweren Anschlägen von Al Qaida oder von mit diesem Netzwerk verbundenen Gruppen gekommen ist: zum Beispiel am 12. Oktober 2002 auf Bali, am 11. März 2004 in Madrid, am 7. Juli 2005 in London. Hunderte Menschen kamen dabei um, Tausende starben bei Anschlägen in der muslimischen Welt - und sterben noch heute.

          Als Konsequenz aus institutioneller Rivalität und bürokratischer Immobilität wurden die Sicherheitsapparate in westlichen Ländern neu organisiert, ganz besonders in den Vereinigten Staaten. Dort wurde eine Behörde mit umfangreichen Zuständigkeiten für „Homeland security“ geschaffen. Die Sicherheitsbehörden wurden mit neuen Kompetenzen und mit vergleichsweise üppigen Ressourcen ausgestattet nach dem Motto „Sicherheit geht vor“. Der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus - der Begriff wurde immer wieder kritisiert, weil man nicht gegen „Methoden“ kämpfen könne - rückte auf der politischen Prioritätenleiter westlicher und nichtwestlicher Staaten ganz nach oben. Das bedeutete aber auch, dass dem Islam, genauer: dem politischen Islam und den Formen seiner islamistischen Radikalisierung, und seiner politisch-gesellschaftlichen Prägekraft eine weitaus größere Aufmerksamkeit geschenkt wurde als in der Vergangenheit; das hat auch zu Übertreibungen, etwa was den Eingriff in die Privatsphäre der Bürger und in ihre Rechte anbelangt, geführt.

          Waren die Taten am 11. September 2001 ungeheuerlich, so waren die Folgen des „Angriffs auf Amerika“ nicht weniger dramatisch. Unter Präsident George W. Bush intervenierten die Vereinigten Staaten militärisch in Afghanistan und stürzten das Regime der Taliban binnen weniger Wochen. Im März 2003 marschierten amerikanische (und britische Streitkräfte) im Irak ein. Selbst wenn der Krieg gegen den Irak damit begründet und gerechtfertigt wurde, dass Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfüge - demokratie- und modernisierungspolitische Argumente wurden nachgereicht -, so hätte es ihn nicht ohne das Geschehen des „11. September“ gegeben, den direkten Angriff auf das kommerzielle und politisch-militärische Herz Amerikas.

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