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Usama Bin Ladin getötet : Letzte Heimat bei den Taliban

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Niemals ließ Usama Bin Ladin Zweifel daran, dass das letzte Ziel des Dschihadismus die Eroberung der Welt durch den Islam Taliban´scher Prägung war. Deren Emirat baute er zu einer Schmiede des Terrorismus aus.

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          Nicht in einer abgelegenen, verwunschenen Höhle im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, sondern in einer wohlaufgeräumten, beinahe westlich anmutenden Stadt hundert Kilometer nördlich von Islamabad ist der „Erzterrorist“ Usama Bin Ladin von amerikanischen Spezialkräften aufgespürt und getötet worden. So wurde Bin Ladin schließlich doch noch ein Opfer der Gewalt, die er selbst einst gesät hatte. Auch wenn er zuletzt kaum noch an Planungen von Terrorakten beteiligt gewesen sein soll, so war er doch so etwas wie der „Alte vom Berge“, jener Scheich al Dschabal, der im Mittelalter die Terrorkommandos der radikal-schiitischen Assassinen religiös inspiriert und gelenkt hatte - in unsere moderne Zeit übersetzt.

          Sein Gebaren hatte in den vergangenen zehn Jahren mehr und mehr prophetenhafte Züge: Immer wieder ließ sich der am meisten gesuchte Terrorist der Erde mit Botschaften aus jenen Bergen vernehmen, in denen man ihn (auch deshalb) vermutete; er kleidete sich patriarchalisch einfach, man sah ihn auf Videofilmen mit einem knorrigen Stecken in der rechten Hand über felsiges Gelände streifen: Usama, der gute Hirte. Doch seine Botschaften waren eindeutig: Tod den Amerikanern, Kampf gegen den Westen und die „Kreuzzügler“ sowie gegen all jene Muslime, die seiner radikalen Ideologie fernstanden. Usamas Organisation Al Qaida („Die Basis“) hat viel mehr Muslime umgebracht als Nicht-Muslime.

          Mehr tote Muslime als Nicht-Muslime

          Begonnen hatte er als durchaus der Welt zugewandter Sohn schwerreicher Leute. Im Jahre 1955 oder 1957 im saudi-arabischen Dschidda in eine Familie ursprünglich jemenitischer Herkunft hineingeboren, wurde er Erbe eines millionenschweren Bauunternehmens. Dies bot ihm den finanziellen Rückhalt für seine schon bald renegatenhaft starke Aktivität. Als jüngerer Mann wollte Bin Ladin Mitglied der saudischen Religionspolizei werden, doch man wies ihn ab, weil schon damals ein gewisser zelotischer Übereifer an ihm zu erkennen war. Ansonsten gewährte ihm Saudi-Arabien lange Zeit Unterstützung in seinem Kampf gegen die „Schurawi“, die sowjetischen Kommunisten, die 1979 Afghanistan besetzt hatten, angeblich um dem bedrohten Kabuler Regime unter zu Hilfe zu kommen.

          Getötet: Usama Bin Ladin

          Usama war zwar mit dem Lebensstil der saudischen Ölprinzen nicht einverstanden - den er freilich früher selbst gepflegt hatte - und zu diesem Zeitpunkt auch schon Mitglied der saudi-arabischen „Opposition“, doch unterstützte Riad immerhin das militärische Engagement der Afghanen und Muslime gegen die Russen. In den späten achtziger Jahren soll Usama Bin Ladin zwischenzeitlich eine Gruppe von etwa 20 000 afghanischen Mudschahedin befehligt haben, zu der freilich auch Muslime aus Ägypten, Jordanien, dem Jemen, Tschetschenien und anderen islamischen Ländern stießen. Bin Ladins geistiger Mentor war zu jener Zeit der Palästinenser Abdullah al Azzam, mit dem zusammen er 1988 die Al Qaida gründete. Die Mudschahedin - es waren die letzten Jahre des Kalten Krieges - genossen in jenen Tagen die Unterstützung Washingtons. Auch Bin Ladins Engagement war damals politisch im Sinne des Westens.

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