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Terrornetz kündigt Vergeltung an : Al Qaida bestätigt Tod Bin Ladins

  • -Aktualisiert am

Al Qaida bestätigt: Bin Ladin ist tot Bild: REUTERS

Das Terrornetz Al Qaida hat den Tod Usama Bin Ladins auf Internetseiten bestätigt und Vergeltung angekündigt. Aus Washington verlautet, Bin Ladin sei in seinem Versteck in Pakistan bis zuletzt an der Planung von Anschlägen beteiligt gewesen.

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          Das Terrornetz Al Qaida hat am Freitag den Tod seines Gründers und Führers Usama Bin Ladin bestätigt und mit Anschlägen angedroht. Bin Ladins Blut sei nicht umsonst vergossen worden, hieß es auf mehreren Internetseiten islamistischer Extremisten. Das berichtete am Freitag der auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierte amerikanische Internet-Nachrichtendienst SITE.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die pakistanische Bevölkerung wurde von dem Terrornetz zum Aufstand gegen die eigene Regierung aufgerufen, die Schande über die Nation gebracht habe. Eine erste Auswertung der beim Schlag gegen Bin Ladin in dessen Haus in Pakistan sichergestellten Computer, Festplatten und USB-Speichersticks hat nach Angaben der Behörden ergeben, dass das Terrornetz Al Qaida weitere Anschläge in den Vereinigten Staaten geplant hatte. Unter anderem soll Al Qaida bis Februar 2010 Pläne verfolgte haben, Attentate auf Züge zu verüben.

          Offenbar gab es in der Führung von Al Qaida Überlegungen, einen Personenzug durch Beschädigung des Gleiskörpers auf einer Brücke zum Entgleisen zu bringen. Die Planungen seien aber noch nicht so konkret gewesen, dass eine reale Gefahr bestanden habe. Außerdem hätten Bin Ladin und seine engsten Vertrauten Attentate in Amerika am zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 ins Auge gefasst.

          Gedenken am Ground Zero: Der amerikanische Präsident Barack Obama am Donnerstag in Manhattan

          Zusätzliche Finanzmittel für die CIA

          Amerikanische Medien berichteten am Freitag unter Berufung auf Informationen der Behörden, dass Bin Ladin in seinem Versteck in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad über Jahre Anschläge des Terrornetzes direkt mitgeplant und -organisiert habe. Nachdem die amerikanischen Dienste im August 2010 das Versteck ausgemacht hatten, bezogen Spione des Auslandsgeheimdienstes CIA in der Nähe des Anwesens Bin Ladins ein Haus zur fortgesetzten Beobachtung des von hohen Mauern umgebenen Unterschlupfs.

          Die Überwachungsaktion sei so aufwendig gewesen, dass die CIA beim Kongress zusätzliche Finanzmittel in Millionenhöhe beantragt habe. Nachdem die Aufgabe des Auffindens und der Standortbestimmung erledigt war, habe die CIA die Verantwortung für die Kommandoaktion an die Streitkräfte übergeben.

          Nach seinem Gedenkbesuch am Ort der Anschläge vom 11. September 2001 in Manhattan vom Donnerstag wollte Präsident Barack Obama am Freitag in Fort Campbell (Kentucky) mit Soldaten des Spezialkommandos zusammentreffen, das am Sonntag den Terroristenführer Usama Bin Ladin in dessen Versteck in Pakistan gestellt und getötet hatte. In Fort Campbell ist das 160. Luftlanderegiment der Spezialeinheiten beheimatet, das für den Zugriff auf Bin Ladin in Abbottabad ausgesucht worden war. Obama wollte Angehörigen des Kommandos bei einem Treffen persönlich seinen Dank für ihren Einsatz aussprechen. Bei dem Besuch in Kentucky war auch eine Ansprache vor Soldaten geplant, die vor kurzem von einem regulären Kampfeinsatz in Afghanisten zurückgekehrt waren.

          Am Donnerstag hatte Obama in New York der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 gedacht und an „Ground Zero“, wo die von entführten Passagierflugzeugen getroffenen Zwillingstürme des „World Trade Centers“ eingestürzt waren, einen Kranz niedergelegt. Bei dem Besuch war Obama mit Angehörigen der Opfer sowie mit Feuerwehrleuten zusammengekommen.

          In nächster Zeit soll eine „massive Suchaktion“ beginnen

          Nach der amerikanischen Kommandoaktion will nun die pakistanische Regierung den ebenfalls im Land vermuteten Chef der afghanischen Taliban Mullah Omar sowie den bisherigen Stellvertreter Bin Ladins Ayman al Zawahiri ausfindig machen. Wie die pakistanische Zeitung „The News“ unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, soll in nächster Zeit eine „massive Suchaktion“ beginnen.

          Bin Ladin und al Zawahiri sollen vor sechs Jahren beschlossen haben, sich getrennt zu verstecken, um das Risiko eines Schlags gegen die Führung von Al Qaida sowie die Folgen eines Zugriff auf einen der beiden Köpfe des Terrornetzes zu mindern. Wie pakistanische Medien berichteten, soll die jüngste Witwe Bin Ladins, die bei der Kommandoaktion verletzt wurde, bei Verhören der pakistanischen Behörden gesagt haben, Bin Ladin und seine Familie hätten seit fünf Jahren in dem Haus in Abbottabad gelebt. Sie selbst habe das Anwesen während dieser Zeit nicht verlassen.

          Unterdessen gingen am Freitag in der Nähe der pakistanischen Stadt Quetta Hunderte Menschen auf die Straße, um Bin Ladin zu huldigen. Der frühere Senator und ranghohe Vertreter der Partei Jamiat-Ulema-e-Islam Hafiz Fazal Bareach sagte, die Tötung Bin Ladins werde Tausende andere wie ihn hervorbringen. „Ein Usama wurde ermordet, und nun werden Tausende Usamas geboren werden.“ Bei dem ersten amerikanischen Drohnenangriff in Pakistan seit Bin Ladins Tötung wurden am Freitag nach Angaben aus pakistanischen Geheimdienstkreisen zehn Menschen getötet und vier weitere. Der Angriff ereignete sich in Nordwasiristan, einer Hochburg von Al Qaida und den Taliban nahe der Grenze zu Afghanistan.

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