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Gedenken an 9/11-Opfer : Familientreffen an der Drehleiter

Gedenken der „firefighters” und ihrer Angehörigen in Downtown Manhattan Bild:

In New York gedenken viele Feuerwehrleute der Opfer des 11. September 2001 in der Wache. Denn zur offiziellen Feier sind sie nicht eingeladen worden - der Platz reiche nicht für alle.

          Und dann gehen sie los. Als zwei Kilometer südwestlich die Namen der Todesopfer verlesen sind, als der Präsident und der ehemalige Präsident und all die Ehrengäste an der größten Baustelle Amerikas der Opfer des 11. September 2001 gedacht haben, überqueren sie schweren Schrittes die sechste Avenue. Blicken sie nach links, sehen sie das Empire State Building. Blicken sie nach rechts, sehen sie in der Skyline noch immer eine Lücke.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Der Trauerzug aus Dutzenden Männern, Frauen und Kindern geht durch Soho, hinüber zur St. Patrick’s Old Cathedral an der Mulberry Street in Nolita, zum Gedenkgottesdienst. Es sind Männer, die hier in Greenwich Village im Feuerwehrhaus von „Engine 24“ und „Ladder 5“ ihren Dienst tun. Es sind pensionierte Feuerwehrleute, viele von ihnen sind nach dem 11. September frühzeitig aus dem Dienst geschieden. Und es sind die Eltern und Frauen und Kinder der elf Kameraden dieser Feuerwache, die an jenem Tag helfen wollten und dabei ums Leben kamen.

          Nein, die Männer von Löschgruppenfahrzeug 24 und Drehleiterwagen 5 sind an diesem Sonntag nicht unten am Katastrophenort. Sie sind nicht eingeladen. Die „firefighters“ würden sich darüber nicht beschweren, sie haben schon Schlimmeres durchgemacht in ihrem Leben. Aber wenn sie sich äußern, ohne dass man ihre Namen nennt, dann wundern sie sich doch laut darüber, dass ausgerechnet sie nicht am offiziellen Gedenken teilnehmen dürfen, weil, wie einer von ihnen verbittert sagt, „für all die Würdenträger Platz sein muss“.

          Elf Männer kamen bei ihrem Einsatz am 9/11 ums Leben

          „Es ist besser, wenn wir der Kameraden hier in der Wache gedenken“

          Und natürlich für all die Verwandten der fast 3000 Opfer jenes Tages. In den vergangenen Jahren waren die „first responders“, also Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungshelfer, willkommen bei der Gedenkfeier. Inzwischen aber nimmt die größte Baustelle Amerikas Formen an, und der Platz wird eng zwischen neuen Türmen und Gedenkstätten. „Es ist besser, wenn wir der Kameraden hier in der Wache gedenken“, sagt Feuerwehrmann Gerard Redmond denn auch versöhnlich. „Hier können wir in Ruhe miteinander reden. Wir müssen da sein füreinander. Das ist alles, was wir tun können.“

          Sie gehörten zu den Ersten am Katastrophenort. Als das zweite Flugzeug um 9.03 Uhr an jenem Morgen ins World Trade Center einschlug, waren sie auf dem Weg. Und weil gerade Schichtwechsel gewesen war, saßen nicht nur neun Männer auf einem Wagen. Die elf Leichname wurden später in den Trümmern der Türme gefunden

          . Die Wache an der „Avenue of the Americas“ blieb aber nicht einmal nach diesem Katastrophentag verschont: Am 18. August 2007 kamen beim Abriss des beschädigten Deutsche-Bank-Hochhauses an Ground Zero zwei weitere Kameraden um, als sie ein Feuer löschen wollten. In 120 Jahren, von 1880 bis 2000, waren in dieser Wache neun Männer im Dienst umgekommen. In der Folge von „9/11“ waren es mit den beiden späten Opfern 13 Männer.

          Ansehen gewachsen

          „Zeit heilt alle Wunden“, sagt Gerard Redmond, der 47 Jahre alt ist, seit 19 Jahren bei der Feuerwehr arbeitet und nur deshalb zu den 16 Überlebenden der Wache gehört, weil er an dem Morgen nicht im Dienst war und von seinem Zuhause in Staten Island nicht so schnell nach Lower Manhattan eilen konnte. Immer wenn der Alarm geht, rennt er an den Bildern seiner toten Freunde vorbei. Und wenn sich nach einem Einsatz das Rolltor ratternd senkt, dann scheinen die altargleich aufgestellten und hintergrundbeleuchteten Bilder der Opfer ihren überlebenden Kameraden nur noch heller.

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