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Wulffs Erklärung : Vor der Bescherung

Der Bundespräsident wollte noch vor Weihnachten einen Schlussstrich ziehen. Doch auch die Trennung von einem langjährigen Vertrauten illustriert, wie ansteckend der Vertrauensverlust war.

          Als der Bundespräsident kurzfristig vor die Presse trat, lief im ZDF „Topfgeldjäger“. Die ARD musste „Sturm der Liebe“ unterbrechen. Nicht jeder hatte noch mit einer Erklärung des Bundespräsidenten vor der Bescherung gerechnet. Wulffs Stellungnahme in eigener Sache aber war unausweichlich geworden, nachdem er sich entschieden hatte, in seiner Weihnachtsansprache nicht darüber zu reden. Die Überlegung, das „Private“ vom Amtlichen zu trennen, war aus taktischer Sicht nicht falsch. Mit dem Eingeständnis, sein Verhalten als niedersächsischer Ministerpräsident sei nicht geradlinig gewesen, sucht Wulff einen Schlussstrich unter die Debatte über seinen Hauskauf, seine Aufrichtigkeit und sein Verhältnis zu vermögenden Freunden zu ziehen. An Weihnachten wird er dann über die wichtigen und großen Dinge des Lebens sprechen.

          Die Frage bleibt, wie frei und unbefangen er das jetzt und künftig tun kann. Die Hypothek, die Wulff auf den Amtssitz des Bundespräsidenten geladen hat, lässt sich auch mit dem Satz „Es tut mir leid“ nicht so schnell ablösen wie das Darlehen bei Frau Geerkens. Wulff dürfte wissen, dass er beim Werben um das Vertrauen der Bürger, um das er ausdrücklich bat, wieder von vorne anfangen muss – immer vorausgesetzt, dass nicht weitere „irritierende“ Vorgänge aus dem „Grenzbereich“ von Privatem und Dienstlichem auftauchen, der bei ihm zu seiner Zeit in Niedersachsen nicht so schmal wie ein Bleistiftstrich gewesen zu sein scheint.

          Doch jetzt steht das Fest des Friedens vor der Tür, da will das weihnachtlich gestimmte Volk nicht kleinlich sein. Die Politik blickt in solchen Momenten ohnehin gern starr nach vorne. Für die Koalition ist doch noch fast alles gut geworden. Die Kanzlerin hat den Worten des Bundespräsidenten nichts hinzuzufügen. Damit sagt sie nicht, was sie von Politikern hält, die sich in Grenzbereichen tummeln. Frau Merkels Verzicht auf einen weiteren Kommentar darf man aber getrost dahingehend deuten, dass sie die Operation zur Rettung Wulffs für gelungen hält. Aus Sicht der Dame spielt es bei einer solchen Partie keine Rolle, wenn dabei ein Bauer fällt. Glaeseker war für Wulff aber weit mehr als nur ein Sprecher. Auch sein Abgang illustriert, wie ansteckend der Vertrauensverlust in diesem Fall war, bis tief ins Schloss hinein.

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