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Wulffs ehemaliger Sprecher : Glaeseker-Büro im Bundespräsidialamt durchsucht

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Wulff - damals noch niedersächsischer Ministerpräsident - und sein Sprecher Glaeseker im Juni 2010 Bild: dapd

Ermittler haben das Dienstzimmer des ehemaligen Sprechers von Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker, im Bundespräsidialamt durchsucht. Die SPD spricht Wulff Stolz und Würde ab.

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          Die Staatsanwaltschaft Hannover hat am vergangenen Donnerstag mehrere Stunden lang Büroräume im Bundespräsidialamt durchsucht. Dabei beschlagnahmten ein Staatsanwalt und mehrere Polizisten des Landeskriminalamtes Niedersachsen Unterlagen und Computerdateien des früheren Sprechers des Bundespräsidenten, Glaeseker.

          Dem langjährigen Vertrauten Wulffs wird Bestechlichkeit vorgeworfen. Glaeseker soll für die Vermittlung von Aufträgen und die Hilfe bei der Ausrichtung von Veranstaltungen des Party-Managers Manfred Schmidt von diesem Vergünstigungen in Form von Freiflügen und Auslandsaufenthalten erhalten haben.

          Die gegenwärtige Sprecherin des Bundespräsidenten bestätigte am Sonntag einen Bericht der Zeitung „Bild am Sonntag“ über eine richterlich angeordnete Durchsuchung. Das Präsidialamt befindet sich in Berlin-Tiergarten in einem ellipsenförmigen Bau direkt neben dem Schloss Bellevue. Glaeseker selbst durfte sein Büro nach seiner Entlassung durch den Bundespräsidenten nicht mehr betreten. „Das Bundespräsidialamt hatte Herrn Glaeseker mitgeteilt, dass es im Hinblick auf ein mögliches Ermittlungsinteresse der Staatsanwaltschaft Hannover nicht möglich sei, dass Herr Glaeseker sein Büro am vergangenen Wochenende – wie ursprünglich geplant – ausräumen könne“, so das Präsidialamt.

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          Der Staatsanwaltschaft in Hannover wiederum teilte das Bundespräsidialamt mit, Unterlagen aus dem Büro des ehemaligen Präsidentensprechers könne man nicht übermitteln, da Glaeseker sein Dienstzimmer bei seiner Entlassung am 22. Dezember 2011 „unaufgeräumt“ hinterlassen habe und sich dort wohl auch private Unterlagen befänden. Deswegen habe die Staatsanwaltschaft Hannover einen Gerichtsbeschluss für die Durchsuchung wie ihr Sprecher berichtete. Die Unterlagen würden nun im Landeskriminalamt technisch aufbereitet. Dieser Vorgang werde „länger“ dauern.

          Derweil hat der Party-Organisierer Schmidt eingestanden, dass ihm die Niedersächsische Staatskanzlei unter dem damaligen Ministerpräsidenten Wulff (CDU) bei der Suche nach Geldgebern für eine Veranstaltungsreihe geholfen habe.

          Ohne die Kontakte und Empfehlungen Wulffs und seines damaligen Sprechers Glaeseker wäre die Organisation des „Nord-Süd-Dialogs“ kaum möglich gewesen, sagte Schmidt der Zeitschrift „Der Spiegel“. Schmidt wies den Vorwurf zurück, er habe Glaeseker mit kostenlosen Urlaubsreisen bestochen. Er sei seit 30 Jahren mit dem Journalisten befreundet. In dieser Zeit habe er Glaeseker zu Urlauben eingeladen, umgekehrt habe aber auch er Glaeseker besucht. Zweimal sei er sogar mit dem Freund und dessen Frau im Liegeabteil eines Autoreisezugs in den Süden gefahren. „Das macht man nur, wenn man sich richtig kennt“, sagte Schmidt.

          Steinmeier: Wulff-Affäre schadet uns

          In einem Interview mit der Zeitung „Bild am Sonntag“ sagte Bundeskanzlerin Merkel (CDU) zur Zukunft des Bundespräsidenten: „Unser Bundespräsident wird viele weitere wichtige Akzente für unser Land und unser Zusammenleben setzen.“

          Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier geht davon aus, dass die Affäre des Bundespräsidenten dem Ansehen Deutschlands schade. „Deutschland ist für viele Länder ein Vorbild, was die Sauberkeit der Politik und die Unabhängigkeit ihrer Verantwortungsträger angeht. Die Debatte um Wulff nimmt Deutschland sicherlich einiges von diesem Nimbus“, sagte Steinmeier der Zeitung „Welt am Sonntag“.

          SPD-Generalsekretärin Nahles sagte: „Ich habe den Eindruck, er hat sich Wachs in die Ohren gestopft.“ Der designierte Spitzenkandidat der SPD in Schleswig-Holstein, Torsten Albig, sprach Wulff Stolz und Würde ab. Wulff „tut einem leid“, sagte Albig der Zeitschrift „Focus“. „Ich hätte ihm gewünscht, dass er einen Weg findet, in Würde aus dem Amt zu gehen.“

          Die Grünen-Vorsitzende Roth stellte im Bayerischen Fernsehen die Theorie auf, Wulff werde von Bundeskanzlerin Merkel deshalb im Amt gehalten, weil sie selbst dann besser ausschaue. Denn es werde nun gesagt: „Meine Güte, ist die Frau skandalfrei – guckt euch doch mal den Präsidenten an.“
           

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