https://www.faz.net/-gpf-6wgvg

Wulff im Interview : Der Zweifel bleibt

  • Aktualisiert am

Zu den kritisierten Urlauben bei befreundeten Unternehmern sagte Wulff, einen Verstoß gegen das niedersächsische Ministergesetz erkenne er nicht. Es handele sich auch um Freunde aus Schulzeiten, die er seit seinem 14. Lebensjahr kenne.

„Bild“ widerspricht Wulff

Die „Bild“-Zeitung hat nach einem Bericht des Deutschlandfunks inzwischen Wulffs Aussage widersprochen, er habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann eine Berichterstattung zu seiner Hausfinanzierung nicht verhindern wollen. Der stellvertretende Chefredakteur Nikolaus Blome sagte nach Angaben des Senders am Mittwochabend im Deutschlandfunk, „den Satz von Herrn Bundespräsident Wulff, ich wollte die Berichterstattung nicht verhindern, das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen.“

Blome bezeichnete die auf der Mailbox von Diekmann hinterlassene Nachricht als „große Dummheit“. Blome weiter: „Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden.“

Eine „Causa Merkel“?

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil sagte in einer ersten Stellungnahme, Wulffs Interview sei „kein Befreiungsschlag“ für den Bundespräsidenten. Es blieben noch immer Fragen offen, etwa zu Wulffs Amtsverständnis und seinem umstrittenen Kredit, sagte Heil dem ZDF.

In der schwarz-gelben Koalition wurde der Fernsehauftritt Wulffs mit Erleichterung aufgenommen. „Ich bin sicher, dass Christian Wulff damit erfolgreich Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen wird“, erklärte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Aus der FDP hieß es, es
sei gut, dass Wulff zu den Vorwürfen Stellung genommen und Fehler eingeräumt habe. „Das war ein wichtiger Schritt“, sagte der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring.

Dagegen sehen SPD, Linke und Grüne weiteren Aufklärungsbedarf. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel forderte Kanzlerin Angela Merkel
auf, dessen Eignung für das höchste Staatsamt zu überprüfen. „Das ist keine Causa Wulff mehr, das ist eine Causa Merkel.“ Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Hubertus Heil sagte: „Es bleiben Fragen offen, die aufgeklärt werden müssen.“

Auch die Grünen bezweifeln, dass die Kanzlerin mit der Erklärung Wulffs zufrieden sein könne. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke sagte: „Wir erwarten, dass sie dazu Stellung nimmt.“ Merkel hatte vor dem Interview erklären lassen, dass sie Wulffs Arbeit nach wie vor schätze. Sie vertraue auf umfassende Antworten Wulffs.

Nach dem jüngsten ARD-Deutschlandtrend meinen nur noch 47 Prozent, dass Wulff im Amt bleiben kann. Damit verlor das Staatsoberhaupt seit Wochenbeginn kontinuierlich an Zustimmung: Am Montag hatten sich noch 63 Prozent der Befragten für einen Verbleib Wulffs im Amt ausgesprochen, 34 Prozent für einen Rücktritt. Am Dienstag waren es nur noch 53 Prozent, die an Wulff als Bundespräsident festhielten, 44 sprachen sich hingegen für seinen Rücktritt aus. Die letzte Befragung am Mittwoch fand allerdings noch vor der Ausstrahlung des Wulff-Interviews statt.

Weitere Themen

Deutschland wählt neuen Bundestag Video-Seite öffnen

Rennen ist offen : Deutschland wählt neuen Bundestag

In Deutschland wird der 20. Deutsche Bundestag gewählt und das Rennen ist offen: Die Umfragen der vergangenen Monate glichen einer Achterbahnfahrt. Es wird erwartet, dass nur eine Dreierkoalition die nötige Mehrheit erreicht.

Topmeldungen

Verpuffte Reform : Wie groß wird der neue Bundestag?

Der Bundestag hat eigentlich 598 Sitze, doch derzeit sitzen dort 709 Abgeordnete – und nach der Wahl könnten es noch viel mehr sein. Wir erklären Schritt für Schritt, wie das kommt und was bisher dagegen unternommen wurde.
Frauen kommen seltener in Führungspositionen.

Frauen in Vorständen : Raus aus den pinken Ghettos

Frauen in der Finanzindustrie sind rar. Und wenn sie doch in Führungspositionen arbeiten, sind sie oft kaum wahrnehmbar. Das lässt sich ändern. Von alleine wird das aber nichts.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.