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: "Wortbruch - das ist ein Problem“

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FRAGE: Herr Müntefering, in Hessen hat die SPD ein historisch schlechtes Ergebnis erzielt. Hätten Sie früher auf einen Neubeginn dringen müssen?ANTWORT: Nein. Als Bundesvorsitzender kann ich Ratschläge geben.

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          FRAGE: Herr Müntefering, in Hessen hat die SPD ein historisch schlechtes Ergebnis erzielt. Hätten Sie früher auf einen Neubeginn dringen müssen?


          ANTWORT: Nein. Als Bundesvorsitzender kann ich Ratschläge geben. Das tue ich auch. Letztlich entscheiden aber die frei gewählten Abgeordneten vor Ort. Sie haben die verfassungsmäßige Macht, anders zu stimmen, als der Vorstand einer Bundespartei es will. Wenn sie sich dann nicht einig sind, dann geht die Sache so aus wie in Hessen.


          FRAGE: Wo die SPD einen gefühlten Wahlsieg in eine krachende Niederlage verwandelt hat.


          ANTWORT: Andrea Ypsilanti hat für dieses Ergebnis die Verantwortung übernommen. Das war konsequent. Ebenso richtig ist, dass Thorsten Schäfer-Gümbel den Partei- und Fraktionsvorsitz und Neuaufbau übernimmt. Im Rahmen dessen, was erreichbar war, ist das Vernünftigste gemacht worden.


          FRAGE: Wenn die Freiheit der Abgeordneten ein so hohes Gut ist, sind dann Parteiordnungsverfahren richtig?


          ANTWORT: Das Recht, solche Verfahren zu beginnen, hat jedes Mitglied. Ich finde aber: Parteien müssen das freie Mandat achten und dürfen es nicht in Frage stellen. Deswegen ist mein Rat immer gewesen, solche Konflikte nicht durch Parteiordnungsverfahren zu bereinigen.


          FRAGE: Als einfacher Abgeordneter haben Sie vor einem Jahr in einem Brief den Satz geschrieben: "Der Fehler ist gemacht." Was war der Fehler?


          ANTWORT: Wenn man vorher sagt: Wir arbeiten definitiv nicht zusammen, und tut es hinterher doch, dann bleibt das ein Problem. Zu Recht. Den Bruch eines Versprechens, diesen Schaden für die Glaubwürdigkeit von Politik, bekommt man nicht mehr weg. Man kann ihn nur noch begrenzen.


          FRAGE: Es ist jetzt bald fünf Monate her, dass Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidat ausgerufen wurde und Sie zum SPD-Vorsitzenden. Die Umfragewerte der SPD haben sich seither nicht verbessert.


          ANTWORT: Wir mussten erst einmal stabilisieren und aufbauen. Das ist wichtiger, als kurzfristige Effekte zu erzielen. Jetzt geht's offensiv und stetig nach vorne. Schwarz-Gelb wird es im Bund nicht geben.


          FRAGE: Ein reines Negativziel?


          ANTWORT: Nein. Wir wollen stärkste Kraft werden und das Kanzleramt zurückerobern. Und das werden wir. Die Zeit für die Aufholjagd ist da.


          FRAGE: Als erster Sozialdemokrat sind Sie zum zweiten Mal SPD-Vorsitzender. Was ist heute anders als in den Jahren 2004 bis 2005?


          ANTWORT: Nichts Fundamentales - außer dass wir da den Kanzler stellten.


          FRAGE: Ziemlich fundamental.


          ANTWORT: Ich habe das Amt wieder übernommen, weil ich helfen will, dass Frank Steinmeier Kanzler wird. Und ich will Vorsitzender sein über das Jahr 2009 hinaus, eine gute, lange Strecke die Partei führen. Ich habe mir einiges vorgenommen.


          FRAGE: Das letzte Jahr war für Sie persönlich schwer. Sie haben ein Jahr Ihre Frau gepflegt bis zu deren Tod. Hat Sie das verändert?


          ANTWORT: Man kommt zur Ruhe, wird vielleicht gelassener. Ich hatte Zeit zum Nachdenken und auch zum Lesen, und zwar das, was mir Spaß macht. Der politische Alltag lässt dafür kaum Zeit.


          FRAGE: Was haben Sie denn gelesen?


          ANTWORT: Etwa Rüdiger Safranskis "Romantik. Eine deutsche Affäre". Oder ein spannendes Buch über die Entwicklung der Mobilität in den letzten 150 Jahren. Schließlich auch ein interessantes Werk über die Rhetorik bei Nietzsche, über die kurzen Sätze und was man mit Pausen und Ausrufezeichen so alles machen kann.


          FRAGE: Wollten Sie nicht bei diesem ruhigen Leben bleiben?

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