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SPD streitet über Identitäten : Wie kann man sich für Wolfgang Thierse schämen?

Seine Partei: Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse spricht im Januar 2016 auf einer Wahlveranstaltung der SPD Baden-Württemberg unter dem Motto „Meine Schrippe, Dein Weckle“. Bild: dpa

Der frühere Bundestagspräsident musste echte Risiken eingehen, bis er Mitglied einer sozialdemokratischen Partei werden konnte. Da lässt er sich von der SPD-Führung nicht in die Schämecke stellen.

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          Wenn Wolfgang Thierse spricht, verbreitet sich Nachdenklichkeit wie ein feiner Duft. Er ist kein Mann brüllender Reden, aber man darf seine stimmliche Zurückhaltung nicht mit Weichheit verwechseln. Saskia Esken und Kevin Kühnert haben sich über Thierse und Gesine Schwan hergemacht und sich öffentlich für Ansichten geschämt, die ungefähr so radikal waren wie ein Kochbuch. Man konnte anderer Meinung sein. Aber sich für Thierse schämen?

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Der 77 Jahre alte Thierse war tief getroffen. Esken, um Profilierung als Parteilinke bemüht, hatte sich auf Kosten der beiden Traditions-Sozialdemokraten als „tief verstörte“ Mitfühlende der diversen Geschlechtergemeinschaft hervortun wollen. Thierse wehrte sich, indem er im Ton bewegter Sorge eine Attacke zu Papier brachte: Esken sollte ihm doch bitte öffentlich sagen, „ob mein Bleiben in der gemeinsamen Partei weiterhin wünschenswert oder eher schädlich ist“. Ihm jedenfalls kämen „Zweifel, wenn sich zwei Mitglieder der Parteiführung von mir distanzieren“.

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