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Wolfgang Reitzle : Garant für Kursgewinne

Linde-Vorstandschef Wolfgang Reitzle Bild: dpa/dpaweb

Die Genugtuung über den Kurssprung war für Wolfgang Reitzle am Montag nur von kurzer Dauer. Zwar konnte der Vorstandschef der Linde AG gute Zahlen präsentieren. Die gute Stimmung für die Titel des Herstellers von Anlagen, Industriegasen und Gabelstaplern war jedoch schnell verflogen.

          Die Genugtuung über den Kurssprung war für Wolfgang Reitzle am Montag nur von kurzer Dauer. Zwar konnte der Vorstandschef der Linde AG gute Zahlen präsentieren. Die gute Stimmung für die Titel des Herstellers von Anlagen, Industriegasen und Gabelstaplern war jedoch schnell verflogen. Fakten zählen derzeit wenig, Spekulationen hingegen viel. In den vergangenen Monaten mußte der promovierte Ingenieur und passionierte Automanager zusehen, wie die Aktie nur wegen Übernahmegerüchten neue Höhen erklomm.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Für Reitzle, der am 7. März 56 Jahre alt wird, sind solche Gerüchte ohne Substanz. Solange diese aber den Kurs beflügeln und dieser selbst nach dem Abflauen solcher Spekulationen auf dem hohen Niveau verharrt, kann er damit leben. Das Selbstbewußtsein des ehrgeizigen, aber auch eitlen Bayern ist damit längst nicht angekratzt. Zu sehr ist der Erfolg von Linde an der Börse mit seinem Namen verknüpft. Von Anfang 2003 an, als er Vorstandsvorsitzender beim Wiesbadener Konzern geworden ist, nahm die Aktie einen kometenhaften Aufstieg. Der Kurs hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Der strategische Schwenk zu einem echten Technologiekonzern, den er verfolgt, blieb lange im Hintergrund. Konturen zeichneten sich erst mit dem Verkauf der Kältetechnik - der Keimzelle des Unternehmens - ab. Sein Augenmerk gilt vor allem dem Geschäft mit Flüssig- und Industriegasen; erst in zweiter Reihe folgen die Gabelstapler. So liegt Reitzle der Wasserstoff am Herzen, der einmal als Kraftstoff für umweltfreundlich angetriebene Autos breiten Einzug erhalten soll. Für Reitzle ist das ein Wachstumsbereich.

          Und damit sind wir wieder beim Auto. Es ist aus dem Leben von Reitzle nicht wegzudenken. Mit 26 Jahren fing er bei BMW an, mit 38 Jahren wurde er ordentliches Vorstandsmitglied beim bayerischen Premiumhersteller. Eigentlich hatte er sich dort viel vorgenommen und visierte zweimal den Chefposten an. Doch blieb ihm dieser Sprung versagt, wobei er sich auch selbst im Weg gestanden hatte. 1993 blitzte er beim damaligen BMW-Chef Eberhard von Kuenheim ab, der Bernd Pischetsrieder zum Nachfolger erkor. Das angebliche Pokern mit einem möglichen Wechsel zum Sportwagenhersteller Porsche wurde ihm zum Verhängnis. Auch 1999, als BMW wegen Rover in eine Krise geschlittert war, war er ein Favorit für die Nachfolge von Pischetsrieder. Intern galt der geniale Techniker als harter Manager, weshalb er bei den Arbeitnehmervertretern angeeckt war. Die öffentlichen Auftritte in der Glamourwelt der Münchener Schickeria mit seiner inzwischen geheirateten Lebensgefährtin und ZDF-Moderatorin Nina Ruge indes soll der Quandt-Familie nicht behagt haben, die als BMW-Haupteigentümerin leise Auftritte bevorzugte. Reitzle ging und wurde im Mai 1999 Chef der Ford-Luxuswagengruppe Premier Automotive Group (PAG). Er baute mit den Marken Volvo, Land Rover, Jaguar, Aston Martin und Lincoln eine eigenständige Gruppe auf. Zu eigenständig. Ford band die PAG wieder stärker an die Konzernzentrale. Für den Manager war das Grund genug, zu gehen. Im Mai 2002 fing er bei Linde als Vorstand an, mit der Absprache, wenige Monate später Chef des Dax-Konzerns zu werden. Damit hat er eines seiner ehrgeizigen Ziele erreicht.

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