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WMP Eurocom AG : An der Nahtstelle

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Die WMP Eurocom AG ist Berater für die Bundesanstalt für Arbeit nun selbst ins Gespräch gekommen. Die Fallstricke der „Eilvergabe" des Auftrags durch die Behörde hätte die Agnetur früher erkennen müssen, um sich Krisen-PR in eigener Sache zu ersparen.

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          Wie ein einzelner oder eine Firma im politischen oder gesellschaftlichen Leben dasteht und sich darstellt, ist längst nicht mehr jedermanns eigene Sache. Dafür gibt es professionelle Berater und Strategen. Zu den Firmen, die diese Dienste für Unternehmen und Verbände, gelegentlich sogar für Staaten anbieten, zählt die WMP Eurocom AG, deren Buchstaben für "Wirtschaft, Medien, Politik" stehen. Als Berater für die Bundesanstalt für Arbeit ist die Firma nun selbst ins Gespräch gekommen.

          Doch über sich selbst reden die Berliner "Kommunikationsspezialisten" nicht gerne. Getreu dem Firmenmotto. „Ihre Brücke in die Öffentlichkeit" vermitteln sie lieber Gesprächskontakte und streuen Informationen, als daß sie selbst in den Schlagzeilen stehen. Auch über Honorare wird nicht geredet. Selbst die Zahl der Mitarbeiter schwankt, je nachdem welcher Vorstand gefragt wird, zwischen 45 und 60.

          Rein - oder raus aus den Schlagzeilen

          er raus Die wenigsten Berater der WMP Eurocom AG sind fest angestellt. Viele nutzen Erfahrungen und Verbindungen aus früheren Tätigkeiten, etwa als Regierungssprecher oder Chefredakteure. Ihr Kapital sind das journalistische Handwerk und - viel mehr noch - ihre über Jahre gepflegten Kontakte. Sie veranstalten regelmäßige Hintergrundrunden mit Politikern, Lobbyisten und Presseleuten, laden im Auftrag ihrer Klienten zu Pressegesprächen ein. So organisiert die WMP etwa in Berlin gelegentlich mittägliche Treffen zwischen Vertretern der Rüstungsindustrie, ausgewählten Fachjournalisten und Gästen aus dem Bereich Verteidigung - Politiker oder Militärs. Stets sind die Gäste hohen Ranges, ein Mitarbeiter von WMP leitet das Gespräch. Sein Auftraggeber ist der Ausschuß Verteidigungswirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie.

          WMP vermittelt auf diese Weise Gespräche und schafft Verbindungen. Die können manchmal auch im Krisenfalle helfen, für den das Unternehmen ebenfalls seine Dienste anbietet. So helfen die Berater denen, die in die Schlagzeilen wollen, ebenso wie jenen, die unbedingt wieder rausmöchten. Sie begleiten und betreuen Unternehmen, Verbände wie den Bundesverband der Deutschen Industrie, organisieren Kampagnen für ausländische Staaten, wie etwa die Türkei, und Landesregierungen oder eben Organisationen wie die Bundesanstalt für Arbeit, die WMP und ihren seit Februar amtierenden Vorstand Bernd Schiphorst nun negativ in die Schlagzeilen gebracht haben.

          Fallstricke der "Eilvergabe"

          Schiphorst und seine Vorstandskollegen halten das Honorar von 1,3 Millionen Euro ("inklusive Mehrwertsteuer"), das der BA-Vorstandsvorsitzende Florian Gerster für 21 Monate Beratung von April 2003 bis Ende 2004 und den Aufbau eines völlig neuen Kommunikationsauftritts der Bundesanstalt überweisen soll, nach branchenüblichen Maßstäben zwar eher für untertrieben. Aber Profis des Boulevards wie Hans-Hermann Tiedje und Hans-Erich Bilges, beides Vorstände der WMP und frühere Chefredakteure bei der "Bild"-Zeitung, wissen, wie klein Anlässe sein können, um große politische Kampagnen zu inszenieren. Insofern hätten sie die Fallstricke der "Eilvergabe" des Auftrags vielleicht früher erkennen müssen. Das hätte ihnen Krisen-PR in eigener Angelegenheit erspart, auch und gerade, wenn die formale Auftragsvergabe den Gerster-Kritikern nur der Anlaß für eine persönliche Abrechnung geben sollte. Tiedje und Schiphorst wiegeln ab: So etwas könne einmal passieren. In der politischen Debatte drehe sich der Wind aber schon, stellt man in der Berliner WMP-Zentrale fest, zwei Tage nachdem der Sturm sich erhoben hatte.

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