
Raketen auf Kiew : Russlands Botschaft an den Rest der Welt
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Antonio Guterres (M), Generalsekretär der Vereinten Nationen, besichtigt ein durch russischen Beschuss zerstörte Gebäude am Stadtrand von Kiew. Bild: dpa
Indem Putin die ukrainische Hauptstadt beschießen lässt, während der UN-Generalsekretär dort ist, demonstriert er überdeutlich, was er von Verhandlungen hält.
Die Raketen auf Kiew während des Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres sind eine deutliche Botschaft des russischen Regimes an den Rest der Welt. Sie bringen zum Ausdruck, was man in Moskau von Gesprächen, Vermittlern und Besuchen ranghoher Politiker in der Ukraine hält. Moskau will keinen Frieden, sondern eine militärische Entscheidung.
Und seine Ziele sind nicht auf den Süden oder Osten der Ukraine begrenzt. Putin geht aufs Ganze: Die Ukraine soll aufhören, als eigenständiger Staat zu existieren, ihre nationale Identität und Kultur sollen ausgelöscht werden. Das verkünden Russlands Propagandisten in immer schriller werdenden Tönen ganz offen. Deshalb kann es in der Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Russland auch nicht jene für beide Seiten annehmbaren Kompromisse geben, von denen prominente Friedensfreunde in Deutschland noch immer tagträumen.
Waffen müssen rechtzeitig geliefert werden
Das Einzige, was Putins Aggression aufhalten kann, sind Waffen. Da der Westen aus guten Gründen nicht selbst in die Kämpfe eingreifen will, muss er sie Kiew in dem Umfang liefern, den die ukrainischen Streitkräfte benötigen – und zwar so rechtzeitig, dass sie die russischen Truppen stoppen können, bevor diese im Osten und Süden der Ukraine weitere Geländegewinne erzielen. Derzeit gibt es an der Front im Osten keine großen Bewegungen, aber das bedeutet nicht, dass nicht heftig gekämpft würde. Die Angreifer kommen mit ihrer groß angekündigten Offensive im Donbass nicht voran. Aber wenn der Westen den Ukrainern nicht hilft, werden sie der zahlenmäßigen Übermacht Russlands irgendwann unterliegen.
Das hätte auch Auswirkungen auf den Rest Europas. Denn die Ukrainer verteidigen nicht nur sich selbst, sondern auch das demokratische Europa. Und sie halten den Kopf dafür hin, dass im Westen, und ganz besonders in Deutschland, über viele Jahre die Aggressionspolitik des Kremlregimes nicht ausreichend ernst genommen wurde.