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Wissenschaft und Politik : Der Fall Guttenberg

  • -Aktualisiert am

Bis zuletzt setzte Guttenberg auf eine Vorzugsbehandlung in der Plagiatsaffäre Bild: REUTERS

Guttenbergs Unfähigkeit, eine Schwäche einzugestehen, zeigt, wie fatal sich fehlende Selbstkritik und Selbstkontrolle gerade in der Wissenschaft auswirken. Denn diese ist auf unbedingte Redlichkeit angewiesen.

          Es zeugt von einer kaum nachvollziehbaren Realitätsverweigerung einer offensichtlich narzisstisch strukturierten Persönlichkeit, dass Karl-Theodor zu Guttenberg bis zuletzt auf eine Vorzugsbehandlung in der Plagiatsaffäre wegen seiner Doppelbelastung (Beruf und Familie) setzte. Wie viele junge Mütter hätten dann nicht Anlass gehabt, ihre wissenschaftlichen Grade durch Plagiate und Täuschungsmanöver zu erschleichen? Seine bestenfalls mitleiderregende Darstellung einer Dauerüberforderung und die Unfähigkeit, eine Schwäche einzugestehen, zeigen nur, wie fatal sich fehlende Selbstkritik und Selbstkontrolle gerade in der Wissenschaft auswirken. Denn diese ist auf unbedingte Redlichkeit angewiesen.

          Dass der CSU-Kreisverband Kulmbach Guttenberg trotz dessen vorsätzlicher Täuschung und der Verschleierung eines Betrugs sofort wieder zum Delegierten für den Bezirks- und den Landesparteitag gewählt hat, wirft ein reichlich trübes Licht auf das Verhältnis von Politik zu Wissenschaft. Die Universität Bayreuth, deren Naturwissenschaftler schon ihre Felle bei der Drittmitteleinwerbung davonschwimmen sahen, musste diesen Plagiatsfall ungeahnten Ausmaßes schonungslos aufdecken, weil es nicht nur um die eigene Ehrenrettung, sondern um die Geltung grundlegender wissenschaftlicher Prinzipien überhaupt ging. Das Promotionsrecht ist und bleibt das Alleinstellungsmerkmal der Universitäten. Sie können es sich nicht gefallen lassen, dass ein Doktorand, wie populär der auch immer sein mag, das Prinzip der wissenschaftlichen Redlichkeit und Eigenständigkeit missachtet.

          Nicht nur die Universität Bayreuth wird weiter über die Qualitätssicherung von Promotionsverfahren nachdenken müssen. Angesichts der jüngsten Plagiatsfälle wäre es nur vernünftig, in allen Fächern eine eidesstattliche Erklärung zur Dissertation zu fordern. Nicht ungehört verhallen sollte auch die Warnung der Bayreuther Kommission, mit der Bestnote „summa cum laude“, die in manchen Fächern geradezu inflationär verliehen wird, mit Bedacht umzugehen und grundsätzlich einen externen Gutachter hinzuzuziehen. Immerhin konnte es auch die Universität Bayreuth ihrem angesehenen Staatsrechtler Häberle, dem Doktorvater Guttenbergs, nicht ersparen, seine Notengebung in diesem Fall für nicht nachvollziehbar zu erklären.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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