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William J. Burns : Ein Wegweiser

  • -Aktualisiert am

Bedeutende diplomatische Mission: William J. Burns Bild: AFP

Allein schon der Umstand, dass Staatssekretär William J. Burns bei den Verhandlungen des EU-Außenbeauftragten Javier Solana mit dem iranischen Atomunterhändler Said Dschalili in Genf dabei sein wird, markiert einen möglicherweise bedeutenden Wendepunkt in den amerikanisch-iranischen Beziehungen.

          Dass er vor allem zuhören und wenig bis nichts sagen soll, mindert die Bedeutung seiner diplomatischen Mission nicht. Allein schon der Umstand, dass Staatssekretär William J. Burns bei den Verhandlungen des EU-Außenbeauftragten Javier Solana mit dem iranischen Atomunterhändler Said Dschalili an diesem Samstag in Genf dabei sein wird, markiert einen möglicherweise bedeutenden Wendepunkt in den amerikanisch-iranischen Beziehungen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Was aus dem ersten offiziellen Kontakt eines so ranghohen Diplomaten aus Washington mit einem iranischen Regierungsmitarbeiter seit fast dreißig Jahren folgt, vermag niemand vorauszusagen. Aber die Signale, die Washington in den vergangenen Tagen nach Teheran und an die ganze Welt aussendet, sind unzweideutig: Man will ein Ende des Streits der Staatengemeinschaft mit Teheran um das iranische Nuklearprogramm auf diplomatischem Wege, und man will, dass Iran die Lösung dieses Streits als Königsweg aus der internationalen Isolation und zur Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit Washington erkennt.

          Dafür kann man sich keinen besseren Wegweiser vorstellen als William Joseph Burns. Der am 4. April 1956 in Fort Bragg (North Carolina) als Sohn eines Heeresgenerals geborene Burns verkörpert beispielhaft die Stärke des diplomatischen Corps der Vereinigten Staaten. Mit einer profunden Ausbildung - unter anderem in Oxford - und umfassenden Sprachkenntnissen - Burns spricht Russisch, Arabisch und Französisch - ausgestattet, wachsen die jungen Karrierediplomaten, die in der Regel als Mittzwanziger ins State Department eintreten, während ihrer Laufbahn zu einer schlagkräftigen und geschlossenen Truppe zusammen.

          Burns trat 1982, nach einer politikwissenschaftlichen Dissertation, ins State Department ein, und sein jetziger Posten des für politische Fragen zuständigen Staatssekretärs ist die höchste Sprosse, die ein Berufsdiplomat auf der Karriereleiter erreichen kann. Über ihm stehen nur noch Außenministerin Condoleezza Rice und deren Stellvertreter John Negroponte, die als „politische Ernennungen“ von Präsident George W. Bush berufen wurden. Mit seinem Vorgänger Nicholas Burns ist er übrigens nicht verwandt.

          Vor seiner Rückkehr nach Washington war Burns zuletzt Botschafter in Moskau, davor Abteilungsleiter für den Nahen Osten (2001 bis 2005) und Botschafter in Jordanien (1998 bis 2001). Seine Ernennung zur „Nummer drei“ im State Department muss vom Senat noch bestätigt werden. „Unsere Strategie gründet auf willensstarker Diplomatie“, sagte Burns in der vergangenen Woche bei einer Anhörung im Kapitol, „indem wir von verschiedenen Seiten den Druck auf die Iraner - zumal im Nuklearstreit - erhöhen und ihnen die steigenden Kosten ihres Widerstands gegen die Staatengemeinschaft vor Augen führen. Zugleich versuchen wir, Iran und den Iranern klarzumachen, was sie gewinnen können, wenn sie ihren Kurs ändern.“

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