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Wikileaks und die Folgen : Das Zeitalter der Geheimnisse ist vorbei

  • -Aktualisiert am

Maskierter Protest von Wikileaks-Unterstützern gegen die Verhaftung Julian Assanges Bild: REUTERS

Wikileaks hat die Vereinigten Staaten herausgefordert. Um einen „Cyberkrieg“ geht es aber nicht, sondern um eine Revolution der Netzbürger. Die Regierungen sollten sich auf digitale Transparenz einstellen. Denn diesem Beispiel werden viele folgen.

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          Aufklärung bedingt Zugang zu Wissen für alle. Dass dieses Wissen schön, erheiternd oder erfreulich ist, hat niemand versprochen. Keine der Phasen beschleunigter Aufklärung der letzten Jahrhunderte zeichnete sich durch besondere Annehmlichkeit oder Schonung des Nervenkostüms der Öffentlichkeit aus. Wissen, was wirklich passiert ist, zum Kern der Dinge vordringen, verstehen können, wie sie zusammenhängen, ist der Antrieb von Veränderung und Fortschritt.

          Die glattgeschliffenen Statements, mit denen heute Politik betrieben wird, eignen sich dafür nicht. Selbst die Dialoge der Elefantenrunden aus der Ära Schmidt und Kohl erscheinen im Vergleich geradezu erfrischend ehrlich. Was besonders deutlich wird, wenn, wie nun geschehen, die Notizen aus den Hinterzimmern der Macht öffentlich werden.

          Staaten haben keine Privatsphäre, sie haben Geheimnisse. Wie viele Geheimnisse sie bewahren, hängt davon ab, wie gut sie darauf aufpassen können. Die technischen Schutzvorkehrungen der Amerikaner für ihre Geheimnisse, die bei Wikileaks landeten, sind nach dem, was sich aus den jetzt hektisch verordneten Änderungen schließen lässt, eher unzureichend gewesen. Selbst in forschungsintensiven Bereichen der deutschen Industrie sind bessere technische Sicherheitsmaßnahmen installiert. Wer einmal zu Besuch in einem Entwicklungszentrum eines deutschen Autokonzerns oder einer modernen Chipfabrik war, kann sich darüber, dass sogar DVD-Brenner in den Arbeitsstationen der amerikanischen Geheim-Netzwerke eingebaut und USB-Anschlüsse nicht versiegelt waren, nur wundern.

          Im Kern der Wikileaks-Geschichte geht es um den technologischen Fortschritt. Dass Informationen praktisch nur noch digital verarbeitet werden, dass die Datenträger zum Herausschmuggeln von großen Mengen Informationen praktisch überall verfügbar sind, ist die eine Seite. Alles, was Wikileaks bisher insgesamt publiziert hat, passt auf eine Speicherkarte von der Größe eines Fingernagels. Die andere Seite ist, dass mit dem Internet eine globale Informationsverteilungs-Infrastruktur existiert, die Anonymität und Geschwindigkeit mit unschlagbar niedrigen Kosten vereint.

          Mutationen eines Modells

          Die Plattform Wikileaks selbst mutiert mit der Geschwindigkeit des Internets. Von dem früheren „dummen“ Daten-Abladeplatz, auf dem sich jeder bedienen konnte, ist Wikileaks inzwischen weit entfernt. Das Exklusivitätsdenken der Medien ist zu stark verankert, als dass dieses Modell Durchschlagskraft entwickeln könnte. Wenn das Rohmaterial für eine Story allen zur Verfügung steht, fasst es kaum eine Zeitung an. Der Aufwand zu recherchieren wird nur für exklusive Geschichten getrieben. Auf die Kritik hin, dass Wikileaks keine Medienorganisation sei und daher nicht den gleichen Schutz wie etablierte Zeitungen genießen könne, änderte die Plattform ihre Strategie. Sie entwickelte die Geschichte um das „Collateral Murder“-Video selbst, inklusive eigener Recherchen vor Ort, Aufbereitung und Interpretation.

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