https://www.faz.net/-gpf-6l84l

Neue „Wikileaks“-Veröffentlichung : Amerika stößt Verbündete vor den Kopf

  • Aktualisiert am

Kein guter Wochenstart für Barack Obama Bild: dpa

Die Internetplattform Wikileaks hat mehr als 250.000 Dokumente von amerikanischen Diplomaten veröffentlicht, in denen Details aus vertraulichen Gesprächen und persönliche Einschätzungen von Politikern enthalten sind. Vor allem die Kanzlerin und ihr Außenminister kommen dabei nicht gut weg.

          Die Internetplattform Wikileaks hat mehr als 250.000 teils geheime Dokumente aus dem amerikanischen Außenministerium veröffentlicht, die verschiedenen Medien zufolge unter anderem belegen, dass Washington Mitarbeiter der Vereinten Nationen ausspionieren lässt und arabische Staaten eine Zerstörung des iranischen Atomprogramms gefordert haben. Die Dokumente stammen zum größten Teil aus der Zeit von 2003 bis Ende Februar 2010, wie der „Spiegel“ berichtet. Bereits im Juli hatte Wikileaks unter anderem mit dem Magazin kooperiert, als es Zehntausende amerikanische Militärakten über den Krieg in Afghanistan veröffentlichte.

          Die nun veröffentlichten Unterlagen seien „der GAU für die amerikanische Außenpolitik“, schreibt der „Spiegel“. Die Depeschen enthielten unter anderem heikle Informationen über internationale Waffengeschäfte und hielten „Amerikas zuweilen arroganten Blick auf die Welt“ fest. Auch die Zeitungen „New York Times“ in den Vereinigten Staaten, der „Guardian“ in Großbritannien, „Le Monde“ in Frankreich und „El País“ in Spanien hatte die Dokumente vorab zur Verfügung gestellt bekommen und am Sonntagabend zum Teil veröffentlicht

          In den Unterlagen geht es demnach um die Befürchtungen der Vereinigten Staaten, Israels und arabischer Staaten gegenüber dem iranischen Atomprogramm, die Bedenken Washingtons wegen des Atomwaffenarsenals Pakistans und Diskussionen über eine vereinte koreanische Halbinsel als langfristige Lösung für das aggressive Verhalten Pjöngjangs. Amerikanische Diplomaten hätten „eine geheime Allianz arabischer Staaten gegen Iran und sein Atomprogramm geschmiedet“, schrieb der „Spiegel“. Der „Guardian“ berichtete, der saudische König Abdullah habe die Vereinigten Staaten mehrfach aufgefordert, das Teheraner Atomprogramm mit einem Angriff auf den Iran zu zerstören. Vertreter Jordaniens und aus Bahrain hätten offen dazu aufgerufen, das iranische Nuklearprogramm mit allen Mitteln zu beenden.

          Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) werten amerikanische Diplomaten als unbekannte Größe („Wild Card”) mit Geltungsdrang und „überschäumender Persönlichkeit”

          Diplomaten sollen offenbar biometrische Daten sammeln

          Den Berichten zufolge wurden amerikanische Diplomaten bei den Vereinten Nationen aufgefordert, Daten über UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, seine Mitarbeiter und Diplomaten anderer Länder auszuspähen. Zu sammeln seien unter anderem persönliche Kreditkarteninformationen, Passwörter und biometrische Daten wie Fingerabdrücke und Scans der Iris, zitierte der „Spiegel“ unter anderem aus einem von der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton abgezeichneten Papier vom Juli 2009.

          Aus den Unterlagen geht den Medienberichten zufolge außerdem hervor, dass die Vereinigten Staaten sich mit teils handfesten Geschäften die Zusage verschiedener Staaten zur Aufnahme ehemaliger Guantànamo-Häftlinge sicherten. Slowenien wurde demnach deutlich gemacht, dass ein Treffen seines Staatschefs mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama von einem Ja abhängig gemacht werde. Der Pazifikinsel Kiribati seien für die Aufnahme einer Gruppe Ex-Insassen mehrere Millionen Dollar geboten worden. Große Zweifel sollen die amerikanischen Diplomaten an der Verlässlichkeit der Türkei hegen. „Der Spiegel“ berichtet, die türkische Führung sei zerstritten. Außerdem übe Außenminister Ahmet Davutoglu islamistischen Einfluss auf Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan aus, der islamistische Banker in einflussreiche Positionen gehoben habe und sich fast ausschließlich über Islamisten nahestehende Zeitungen informiere.

          Weißes Haus verurteilt Veröffentlichung

          Weitere Themen

          Merkel würdigt Ungarns Beitrag zum Mauerfall Video-Seite öffnen

          „Paneuropäisches Picknick“ : Merkel würdigt Ungarns Beitrag zum Mauerfall

          30 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den ungarischen Beitrag zum Berliner Mauerfall gewürdigt. Bei einem Festakt zum 30. Jahrestag des „Paneuropäischen Picknicks“ in der ungarischen Kleinstadt Sopron sprach Merkel von einem „wesentlichen Baustein zur Vereinigung Europas“.

          Topmeldungen

          Regierungskrise in Italien : Mit dem „Plan Ursula“ gegen Salvini?

          Der Streit um das Rettungsschiff „Open Arms“ dauert an – und in Rom wird weiter über Szenarien zur Überwindung der Regierungskrise spekuliert. Ein prominenter Politiker stellt sich nun hinter einen Plan zur Bildung einer breiten Front gegen den italienischen Innenminister.

          Klimaschutz : Vertraut nicht den Verboten!

          Im Kampf um das Klima gibt es viele Einzelideen. Sie versperren den Blick auf das Notwendige: ein sinnvolles Gesamtkonzept. Dafür gilt: Lieber gründlich als überhastet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.