https://www.faz.net/-gpf-xwz3

Daniel Domscheit-Bergs Enthüllungsbuch : Showdown bei Wikileaks

  • -Aktualisiert am

Daniel Domscheit-Berg bei der Präsentation seines Buches am Donnerstag in Berlin Bild: REUTERS

Daniel Domscheit-Berg, zwei Jahre im engsten Kreis um Julian Assange, schreibt ein Anklagebuch über die Enthüllungsplattform - und gegenseitige Schuldzuweisungen brechen sich Bahn.

          Am 14. September 2010 fährt Daniel Domscheit-Berg von Berlin mit der Bahn in das Ruhrgebiet. Dort steht, in einem unscheinbaren grauen Bürokomplex, ein ausgefallener Server des Wikileaks-Projekts. Unter den vielen Hunderten von Maschinen, die zahlreiche Firmen hier betreiben, fällt der Server nicht weiter auf. Er ist aber nicht irgendein Rechner, sondern der zentrale Mailserver des gesamten Wikileaks-Verbundes, der unter anderem den kompletten Mailwechsel von Julian Assange gespeichert hat, dem selbsternannten Mastermind von Wikileaks. Daniel Domscheit-Berg ist auch nicht irgendein Techniker, sondern der zentrale Backup-Organisator von Wikileaks. Entsprechend dieser Aufgabe besitzt er Hunderte von Sicherheitskopien, die an geheimen Orten lagern. In seinem heute erscheinenden Buch „Inside Wikileaks. Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt“ (Aufgeschrieben von Tina Klopp. Econ Verlag, Berlin 2011. 304 S., br., 18,– €) schildert Domscheit-Berg Albträume, aus denen er schweißgebadet erwachte, um unverzüglich eine Sicherheitskopie seines Traumprojekts Wikileaks zu ziehen.

          Ein letzter Chat

          In jenen September-Tagen ist Domscheit-Berg nicht mehr bei Wikileaks dabei. Julian Assange hat ihn am 25. August in einem Online-Chat kurzerhand suspendiert, ihm alle Privilegien und Passwörter entzogen. Sein Urteil: „Disloyalty“. Domscheit-Berg hatte die zunehmend spektakulären Veröffentlichungen von Wikileaks, die afghanischen Kriegstagebücher, die irakischen Armeeberichte und schließlich die Depeschen des amerikanischen State Departments, mitgetragen. Von Gewissensbissen geplagt, hatte er in jenen Augusttagen von einem Urlaubsort aus Geheimdokumente zur Duisburger Loveparade bei Wikileaks freigeschaltet, die die Hintergründe jener Katastrophe am 24. Juli offenlegten. Das „Submission-System“ von Wikileaks, über das Dokumente anonym von Whistleblowern eingereicht werden können, quoll über. Die halbe Duisburger Stadtverwaltung war gefühlt mit dem Leaken beschäftigt, so Domscheit-Berg in seinem Buch. Assange aber sah in dieser Aktion nur einen Akt der Illoyalität, eine Ablenkung von den großen Geschichten, die er mit Hilfe ausgewählter Medien verbreiten wollte.

          Der Autor und sein Enthüllungsbuch über die Enthüllungsplattform

          Obwohl von Wikileaks getrennt und verstoßen, repariert Domscheit-Berg den Kommunikationsserver. Er ist bei der Arbeit online und erfährt von anderen Wikileaks-Aktivisten, dass Assange zur selben Zeit versucht, die Polizei zu alarmieren, um ihn verhaften zu lassen. Als erfahrener Netzwerk-Techniker beendet er seine Arbeit und legt sofort eine Sicherungskopie an. Am Abend des 14. September findet der letzte Chat mit Julian Assange statt, in dem Domscheit-Berg und der „Architekt“, der geheimnisvolle Programmierer des Gesamtsystem, die geordnete Übergabe des Systems besprechen wollen.

          Von Wikileaks zu OpenLeaks

          Das Gespräch scheitert, Schuldvorwürfe werden ausgetauscht: „Das war das Ende. Nicht das Ende von Wikileaks, aber das Ende des Teams, das in den vergangenen Jahren und Monaten dafür gearbeitet hatte.“ Am 17. September ließ Domscheit-Berg die Domain OpenLeaks registrieren: ein neues Projekt begann, das die Idee von Wikileaks ohne die Konstruktionsfehler von Wikileaks fortführen soll.

          Weitere Themen

          Weber will in Brüssel „durchlüften“ Video-Seite öffnen

          EVP-Spitzenkandidat : Weber will in Brüssel „durchlüften“

          Manfred Weber (CSU) geht als EVP-Spitzenkandidaten für die Europa-Wahl ins Rennen: „Wir sagen zu, dass wir die bestehenden Regulierungen einfach mal einem System Check unterziehen!“, fordert er bei einer Abschlussveranstaltung kurz vor der Wahl.

          „Wir haben alles richtig gemacht“ Video-Seite öffnen

          Bremer CDU-Spitzenkandidat : „Wir haben alles richtig gemacht“

          In Bremen wird eine neue Bürgerschaft gewählt. Parallel zur Europawahl sind rund 482.000 Bremer zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahllokale sind bis 18.00 Uhr geöffnet. Am Mittag lag die Wahlbeteiligung bei 20,2 Prozent.

          Topmeldungen

          Kandidatenfeld wächst auf acht : Wer folgt auf May?

          Acht amtierende oder ehemalige Minister aus dem Kabinett der scheidenden Premierministerin haben bislang bekundet, Theresa May beerben zu wollen. Favorit ist Boris Johnson. Es gibt allerdings auch schon prominente Absagen.

          Ibiza-Affäre : Aufnahme läuft

          Zur Herkunft des Ibiza-Videos bringt das ZDF wieder das „Zentrum für politische Schönheit“ ins Spiel. Die Aktivistengruppe dementiert. Als Drahtzieher der für die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus aufgestellten Video-Falle hat sich der Anwalt Ramin M. eindeutig bekannt.
          Lewis Hamilton gewinnt das Rennen in Monte Carlo und denkt dabei an den verstorbenen Niki Lauda.

          Formel 1 in Monaco : „Das war das härteste Rennen meines Lebens“

          Weltmeister Lewis Hamilton muss alles aufbieten, um einen grandiosen Grand Prix zu gewinnen. Den Sieg widmet er Niki Lauda. Sebastian Vettel profitiert von einer Strafe. Gar nicht gut läuft es für den anderen Ferrari-Piloten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.