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Nach Rauswurf durch Amazon : Bezahldienst Paypal sperrt Wikileaks Konto

  • -Aktualisiert am

Wikileaks-Gründer Julian Assange und die Homepage der Organisation Bild: dpa

Wikileaks gerät immer mehr in Bedrängnis: Nach Amazon verweigert ihr nun auch Paypal seinen Dienst. Wikileaks Konto ist dort dauerhaft gesperrt. Auch einer deutschen Stiftung, die Wikileaks unterstützt, ist das Konto entzogen worden.

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          Wer immer Wikileaks finanziell unterstützen will, kann dies nicht länger über Paypal laufen lassen. Der amerikanische Bezahldienst sperrte das Konto der Enthüllungsplattform. Das teilte das Unternehmen auf seiner Internetseite thepaypalblog.com mit. „Wir haben den Kontoinhaber über die Aktion informiert“, schreibt das Unternehmen. Wikileaks habe gegen ihre Geschäftsbedingungen verstoßen: Paypal dürfe nicht genutzt werden, um „illegale Aktivitäten zu ermutigen, zu fördern, zu erleichtern oder andere dazu zu verleiten“.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zuvor hatten schon andere amerikanische Unternehmen ihre Dienstleistungen für Wikileaks eingestellt. So hatte Amazon die Plattform aus seinen Rechenzentrum verbannt und damit Zweifel an der Cloud geschürt (siehe Amazons Wikileaks-Rauswurf nährt Zweifel an Cloud).

          Die Sperre betrifft auch eine wichtige Finanzquelle für Wikileaks: Die deutsche Wau-Holland-Stiftung kann ihr Paypal-Konto nicht mehr nutzen. Das teilte die Stiftung am Samstagmittag in einer Twitter-Meldung mit. „PayPal hat uns mitgeteilt, dass wir ihre Geschäftsbedingungen (...) verletzt hätten und haben unser Konto genommen“, schreibt die Organisation. Die Wau-Holland-Stiftung ist nach dem 2001 verstorbenen Gründer des Chaos Computer Club benannt.

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          Die Wau-Holland-Stiftung hatte zuvor dazu aufgerufen, Wikileaks zu unterstützen - um die „Informationsfreiheit zu verteidigen“. Wikileaks wolle „denen zur Seite stehen, die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen“, schreibt die Stiftung. Es gelte als unzensierbar, heißt es im Aufruf weiter. Die Stiftung nehme für Wikileaks Spenden entgegen, stelle dafür Spendenquittungen aus und reiche diese an die Aktivisten der Organisation weiter.

          In einer FAZ.NET-Umfrage hat sich mit etwa 72 Prozent eine Mehrheit für die Veröffentlichungen von Wikileaks ausgesprochen. Etwa 28 Prozent sagten dagegen, dass geheime Dokumente geheim bleiben sollen (siehe ).

          Nach Angaben von Wikileaks-Gründer Julian Assange braucht die Plattform pro Jahr mindestens 200.000 Dollar an Spenden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten - besser noch 600.000 Dollar. Ein Teil davon kommt von der deutschen Wau-Holland-Stiftung. „Bisher haben wir etwa 30.000 Euro ausgezahlt“, sagte Hendrik Fulda, der zweite Vorsitzende der Stiftung, der Zeitung „Freitag“ im Juli. Das sollen zu dem Zeitpunkt weniger als ein Zehntel der gesammelten Spenden sein. Damit sollen Reisekosten für die Wikileaks-Sprecher Julian Assange und Daniel Schmitt, Computer-Hardware, vor allem für Server, sowie Verträge für Datenleitungen gezahlt worden sein. „Meines Wissen haben die Wikileaks-Leute damit die größten Löcher gestopft, um ihre Webseite wieder online gehen zu lassen“, sagte Fulda. Nach Veröffentlichung der amerikanischen Diplomatendossiers sind 15.000 Euro an Spenden bei der Stiftung eingegangen, berichtet die Zeitschrift „Focus“.

          Amerikanische Beamten sollen nicht zu Wikileaks kommen

          Die amerikanische Regierung sperrt ihren Beamten derweil den Zugang zu Wikileaks. Das Weiße Haus wies Ministerien und Bundesbehörden am Freitag an, den Aufruf des Internetportals von Regierungscomputern zu verhindern. Die jüngste Veröffentlichung von vertraulichen und geheimen Dokumenten des Außenministeriums habe der nationalen Sicherheit Schaden zugefügt, erklärte die Abteilung für Management und Budget des Weißen Hauses. Trotz der Veröffentlichung auf Wikileaks seien die betroffenen Schriftstücke weiter nicht für den öffentlichen Zugang bestimmt und müssten deshalb entsprechend geschützt werden.

          Umgesetzt wurde die Sperre auch von der Bibliothek des amerikanischen Kongresses. Kommunikationschef Matt Raymond wies am Freitag Vorwürfe zurück, die Library of Congress betreibe damit Zensur. Die Bibliothek sei wie andere Bundeseinrichtungen zum Schutz von Regierungsdokumenten verpflichtet, schrieb Raymond in einem Internetblog der Bibliothek. Die Verbreitung der US-Dokumente durch Wikileaks sei illegal. Wikileaks kritisierte die Sperre auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter als „Endzeit“ für die im ersten Zusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten garantierte Meinungsfreiheit.

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