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Wikileaks : Der perfekte Sturm eines Obergefreiten

  • -Aktualisiert am
Frustriert und allein: Bradley Manning soll Wikileaks mehrfach geheime Daten zugespielt haben
          3 Min.

          Jeder amerikanische Offizier im Einsatz im Irak, in Afghanistan oder anderswo auf der Welt hat auf seinem Schreibtisch einen Laptop, der mit einem roten Internetkabel verbunden ist. Meist steht daneben ein Laptop zum privaten Gebrauch, den ein grünes Kabel mit einer weiteren Internetanschlussbuchse in der Wand verbindet. Die Computer mit dem roten Kabel sind zudem mit einem roten Aufkleber versehen, auf dem „Secret“ (geheim) steht. Der Datenfluss durch die grünen Kabel ist dagegen „Not Classified“ (nicht geheim), wie auf einem grünen Aufkleber zu lesen ist.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Auch der heute 23 Jahre alte Heeres-Obergefreite Bradley Manning aus Potomac in Maryland hatte während seines Einsatzes im Irak von Mitte 2009 bis Mai 2010 Zugang zu einem Laptop mit rotem Kabelanschluss. Den hätte er nach seinem Mannschaftsrang nicht haben dürfen. Doch weil Manning bei einem Aufklärungs- und Abwehrbataillon des 2. Kampfbrigadeteams, 10. Gebirgsjägerdivision, im Außenposten „Hammer“ 60 Kilometer östlich von Bagdad im Einsatz war, durfte auch er wie seine vorgesetzten Offiziere das „rote Netz“ benutzen. Er hat von dieser Möglichkeit ausgiebig Gebrauch gemacht – und dabei offenbar Geheimnisverrat in enormem Ausmaß begangen. Im Mai wurde Manning festgenommen, zunächst auf den amerikanischen Stützpunkt Camp Arifjan in Kuweit gebracht und im Juli dann ins Militärgefängnis des Marinekorps in Quantico im Bundesstaat Virginia überstellt. Dort wartet Manning seither auf seinen Prozess vor einem Militärgericht. Ihm drohen bis zu 52 Jahre Haft.

          „Was würdest du tun?“

          Manning hatte in zahlreichen Mails an den Journalisten und Blogger Adrian Lamo und an mehrere Freunde nicht nur sein Herz ausgeschüttet, wie er als Homosexueller, der seine sexuelle Orientierung verbergen musste, sich von seinen Kameraden diskriminiert und isoliert fühlte. Er berichtete auch von seinen Erlebnissen beim Surfen durch das „rote Netz“. In einer Mail schreibt Manning: „Wenn du mehr als acht Monate lang sieben Tage in der Woche 14 Stunden täglich unbegrenzten Zugang zu geheimen Netzen hättest, was würdest du tun?“ Manning jedenfalls lud offenbar viele Gigabyte Informationen herunter – was schon illegal ist – und leitete die als geheim eingestuften Dokumente später an die Website Wikileaks weiter.

          Im Juli waren von „Wikileaks” 75.000 Geheimpapiere über den Krieg in Afghanistan veeröffentlicht worden
          Im Juli waren von „Wikileaks” 75.000 Geheimpapiere über den Krieg in Afghanistan veeröffentlicht worden : Bild: dpa

          Zwar schweigt sich Wikileaks weiterhin hartnäckig aus, woher die Dokumente stammen, durch deren Veröffentlichung man seit Juli mancherlei Aufsehen verursacht. Im Pentagon wie auch im State Department geht man aber davon aus, dass Manning die Quelle sowohl der im Juli von Wikileaks veröffentlichten 75.000 Geheimpapiere über den Krieg in Afghanistan wie auch der im Oktober enthüllten 400.000 Feldprotokolle der amerikanischen Streitkräfte aus dem Irak-Krieg ist. Und Manning soll Wikileaks schließlich auch mit den bis zu drei Millionen vertraulichen Drahtberichten und Lageeinschätzungen amerikanischer Diplomaten aus aller Welt versorgt haben, von denen die ersten in der Nacht zum Montag veröffentlicht werden sollten.

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