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Wiedervereinigung : Neunzig verweht

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Die Bilder bleiben, viele Protagonisten sind fast vergessen Bild: dpa

Vor 14 Jahren wurde in Berlin die Vereinigung der beiden deutschen Staaten vollzogen. An viele Protagonisten von einst erinnert man sich kaum noch. Was ist aus ihnen geworden?

          Vor 14 Jahren wurde in Berlin die Vereinigung der beiden deutschen Staaten vollzogen. An viele Protagonisten von einst erinnert man sich kaum noch. Was ist aus ihnen geworden?

          Rainer Eppelmann

          Weil er den Dienst an der Waffe verweigert hatte, wurde der gelernte Maurer Rainer Eppelmann „Bausoldat“. Ausgerechnet er, der Gründer und Vorsitzende des Demokratischen Aufbruchs in Berlin, kümmerte sich 1990 unter Lothar de Maiziere als letzter DDR-Verteidigungsminister um die Abrüstung der Nationalen Volksarmee. Eppelmann verstand „die friedliche Revolution als Chance, beruflich etwas ganz anderes zu machen“: Gleich bei der ersten gesamtdeutschen Wahl wurde der gelernte Maurer und spätere Pfarrer für die CDU in den Bundestag gewählt - wo er noch heute sitzt.

          Eppelmann: „Durch die Wende viel gewonnen”

          Doch aus dem früheren Rebell ist kein politischer Kämpfertyp geworden. Ohne viel Aufsehen zu erregen, leitete der Vater von fünf Kindern in den vergangenen Jahren verschiedene Sozialausschüsse der CDU, ist seit 1998 Vorstandsvorsitzender der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und derzeit Mitglied im Ausschuß für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. „Wenn man zurückblickt“, sagt er, „dann haben wir durch die Wende alle sehr viel gewonnen - vor allem das, was wir heute für selbstverständlich halten.“

          Günther Krause

          Unter den Wende-Größen ist Günther Krause zweifellos die tragische Figur. So hoch gestiegen und so tief gefallen wie er ist niemand. 1990 handelte er mit Wolfgang Schäuble den Einigungsvertrag aus, anschließend setzte er das wiedervereinigte Land mit Hilfe des Bundesverkehrswegeplans in Bewegung. Eine Reihe von Affären um Putzfrauen und Umzüge zwangen den Bundesverkehrsminister 1993 zum Rücktritt. Doch „Sause-Krause“ gab nicht auf, versuchte sich als Unternehmer in der Baubranche.

          Einen Kredit der Bayrischen Landesbank für seine Firma „Aufbau Investitionen GmbH“ setzte er als Spielgeld für zweifelhafte Währungsspekulationen ein - was ihm eine Anklage wegen Untreue eintrug. Das Landgericht Rostock verurteilte ihn 2002 zu einer knapp vierjährigen Haftstrafe. Im August dieses Jahres hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf. Voraussichtlich im Februar 2005 wird der Einundfünfzigjährige wieder vor Gericht stehen, wegen versuchter Steuerhinterziehung und Betrugs.

          Bärbel Bohley

          „Ich habe in den letzten 15 Jahren meine Freiheit gelebt“, resümiert die mittlerweile 59 Jahre alte Bärbel Bohley, die zu DDR-Zeiten wegen „landesverräterischer Nachrichtenübermittlung“ (1983/84) und „landesverräterischer Beziehungen“ (1988) zweimal im Gefängnis saß, ihre Zeit nach der Wende. Ihre Kandidatur zur ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl zog die Künstlerin, Bürgerrechtlerin des „Neuen Forums“ und „Vertreterin für einen langsameren Weg der Einheit“, kurzfristig zurück. Bis 1996 war sie in der Öffentlichkeitsarbeit und als Beraterin von Stasi-Opfern für die Gauck-Behörde in Berlin tätig, dann hatte sie „einfach Lust, die Tür hinter mir zuzumachen“.

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