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Wie Trump-Fans ihr Idol feiern : „So einen wie ihn wird es nie wieder geben“

Frauen für Trump: Eine Anhängerin des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump vor seinem Hochhaus in New York Bild: Oliver Georgi

Vor dem Trump-Tower in New York stehen jeden Tag die glühendsten Fans des Republikaners – neben denen, die ihn bis zur letzten Minute bekämpfen. Nirgends wird die Spaltung des Amerikas so sichtbar wie hier.

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          Der Hass der bunt zusammengewürfelten Schar, die sich am Montagabend vor ihrer Pilgerstätte, dem Trump Tower in New York, versammelt hat, ist grenzenlos – auf die Politik, das „korrupte Establishment“, vor allem aber auf Hillary Clinton. Auch Paul ist so wütend, dass er Clinton den ganzen Tag lautstark beschimpfen könnte, auch wenn nicht immer jemand zuhört. Der alte Mann lebt von 800 Dollar im Monat und erwartet schon lange nichts mehr von "diesem System". Doch jetzt steht er jeden Tag hier und kämpft für "the Donald". Er will bald sogar ein Video bei Youtube hochladen, "The Poor for Trump" soll es heißen, wie der Aufdruck auf dem T-Shirt, das er trägt. In ihm will Paul, der eigentlich anders heißt, genau erklären, warum nur Trump Präsident sein kann und niemand sonst, erst recht nicht dieses "weiße Rassistenschwein" Clinton.

          Oliver Georgi

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Warum ausgerechnet ein Armer für Trump kämpft, den Multimillionär? Was sei das denn für eine Frage, murmelt Paul in seinen weißen Rauschebart und hebt an zu einem langen Monolog, Trump habe doch mehr für die Armen in New York, aber auch im ganzen Land getan als alle Demokraten zusammen. "In den Siebzigern war New York verdreckt und kaputt, aber dann kam Donald und hat Immobilien wie diesen Turm gebaut", sagt er und deutet auf den Eingang. “Guck' Dir Manhattan heute an – und diese Clinton will ihm einen Strick daraus drehen, dass er sich damals Geld von seinem Vater geliehen hat?“

          „Das über die Frauen“

          Auch Kirk, der ein paar Meter weiter steht, kämpft seit Wochen jeden Tag gegen die "kriminelle Hillary". Auf einer großen Tafel hat er ihre Verfehlungen aufgemalt, es ist eine eng geschriebene lange Liste, auf der linken Seite ist eine lachende Clinton zu sehen: als Marionettenspielerin. "Natürlich hat Donald ein paar Sachen gesagt, die blöd waren", gesteht Kirk, als er sich in Rage redet, "das über die Frauen zum Beispiel. Aber hey, das war vor vielen Jahren. Er hat halt ein bisschen länger gebraucht, um erwachsen zu werden."

          Außerdem: Was Clinton gemacht habe, sei doch „tausend Mal schlimmer“ – sie habe einen „Vergewaltiger gedeckt" und werde als Präsidentin Bomben werfen, vor denen nicht einmal die amerikanischen Kinder hier in New York sicher seien. Jetzt klinkt sich ein dritter Trump-Anhänger ein, der vor dem Turm Passanten anspricht, um sie von "seinem" Donald zu überzeugen, ganz gleich ob New Yorker oder Tourist. “Ich will diese Clinton tausend Jahre im Gefängnis sehen“, ruft er erbost. “So eine Verrückte brauchen wir nicht.“

          Kaum irgendwo wird die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft gerade so deutlich wie an Trumps Turm, diesem Symbol seines Reichtums und dessen, was er für seine Anhänger verkörpert: den alten amerikanischen Traum, dass es in diesem Land jeder schaffen kann, wenn er sich nur genügend anstrengt. Denn direkt neben den glühenden Trump-Anhängern stehen ebenso glühende Trump-Gegner, auch wenn es nicht so viele sind. Einer lässt sich als Trump-Karikatur mit grotesker Maske mit Touristen fotografieren, andere protestieren still.

          „Das ist mehr als extrem unvorsichtig, das ist wahnsinnig“: Ein Demonstrant hält Thesen gegen Hillary Clinton hoch.
          „Das ist mehr als extrem unvorsichtig, das ist wahnsinnig“: Ein Demonstrant hält Thesen gegen Hillary Clinton hoch. : Bild: Oliver Georgi

          Walter zum Beispiel, ein älterer Mann mit Krücken. Auch er läuft seit Tagen mit einem selbst gemalten Schild durch Manhattan, weil er es einfach nicht mehr ausgehalten hat, nichts tun zu können. "Dump the Trump" steht auf dem Schild, lasst uns Trump loswerden. Ein Bild darunter zeigt den Multimilliardär als riesigen King Kong auf seinem Turm, der die Vereinigten Staaten in seiner Hand zu zerquetschen droht. "Ich habe mir schon nicht vorstellen können, dass Trump überhaupt in die Vorwahlen kommt", sagt Walter, ein ruhiger, zurückhaltender Mann. "Dass er jetzt so kurz davor ist, vielleicht Präsident zu werden, ist einfach entsetzlich."

          Auch ein Obdachloser, der ein paar Meter weiter am Straßenrand sitzt und bettelt, macht auf seine Art Wahlkampf gegen Trump: mit seinem Pappschild. "Give me a dollar – or I'll vote for Trump!", hat er darauf geschrieben. Mancher New Yorker kommt dieser Aufforderung im Vorbeigehen nur allzu gern nach.

          „In den Müll mit Trump“: Donald Trump als King Kong
          „In den Müll mit Trump“: Donald Trump als King Kong : Bild: Oliver Georgi

          Draußen wird es langsam dunkel, und drinnen, im prächtigen Foyer des Trump-Towers, scheinen die Lichter jetzt fast noch ein wenig heller zu scheinen. „Siehst Du“, sagt Paul, „die da drinnen haben alle Arbeit, und sie werden sogar noch gut dafür bezahlt. Ich war drinnen und habe es mit meinen eigenen Augen gesehen!“ Der alte Mann schüttelt den Kopf. „Es ist so tragisch, dass Trump wohl verlieren wird, auch wenn ich bis zum letzten Tag für ihn kämpfen werde“, sagt er dann. „So einen unabhängigen Kandidaten wie ihn wird es nie wieder geben.“

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