https://www.faz.net/-gpf-8jfqa

Terror und Soziale Netzwerke : Ohne Kompass

  • -Aktualisiert am

Gewalttätige und unpassende Inhalte verschwinden auf sozialen Plattformen meist nicht schnell genug. Wer muss dafür die Verantwortung tragen? Bild: Reuters

Soziale Netzwerke können nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden. Ihre Gründerväter können dafür nicht belangt werden. Sind sie deshalb Terrorhelfer?

          Es fing alles so unschuldig an. Da war dieser nerdige Student, der sich in das Uni-Netzwerk von Harvard hackte, die dort gespeicherten und nicht öffentlichen Bilder seiner Kommilitonen absaugte, sie auf einer Internetseite montierte und zur Bewertung freigab: Wer ist die Schönste auf dem ganzen Campus? Wer der Attraktivste? Mehr als ein Dutzend Jahre später ist aus dem Harvard-Schelm Mark Zuckerberg einer der reichsten Männer der Welt geworden und aus seinem Facebook, dem Buch der Gesichter, die machtvollste Medienplattform, die der Menschheit je zur Verfügung stand.

          Die Unschuld ist dahin. Noch immer ist Facebook ein machtvolles Kommunikationsnetz, das mittlerweile 1,7 Milliarden Menschen verbindet. Doch so, wie es Millionen lachende Gesichter vereint, ist es auch zu einem Netzwerk der Teufel geworden. Eine Schleuder für Lügen und Hass, ein Werkzeug für Mörder, Terroristen und die Verrückten dieser Welt, die, statt das Leben zu lieben, einem Todeskult huldigen.

          Kaum ein Amokläufer, der sich nicht darauf verewigt hat, kaum eine größere Terrororganisation, die nicht ihren Märtyrern dort und in anderen sozialen Netzwerken gehuldigt hat. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir Killern oder Terrorgangs live über die Schulter sehen können.

          Im Netz Ordnung schaffen

          Das alles wissen die Verantwortlichen von Facebook, Twitter und anderen Netzwerken. Sie haben Monitoring-Teams eingerichtet, zehntausende Accounts mit Verbindungen zu gewalttätigen Organisationen gelöscht. Aber nicht schnell genug, wie etliche Angehörige von Gewaltopfern kritisieren, die in den vergangenen Monaten vor Gericht gezogen sind.

          Die jüngste Klage wurde vor einer Woche eingereicht von der israelischen Organisation Schurat Hadin und den Eltern mehrerer junger Israelis, die von radikalen Palästinensern ermordet wurden. Sie werfen den Verantwortlichen vor, Facebook der Hamas für Gewaltverherrlichung gegen Israel zur Verfügung gestellt und damit den Boden für die Gewalttaten an ihren Kindern bereitet zu haben. Sie verlangen eine Milliarde Dollar Schadenersatz.

          Ist Zuckerberg ein Terrorhelfer, ein gewissenloser Förderer von Gewalt und Mord? Es geht dabei um die Frage, wer Ordnung schaffen soll im Netz, dieser digitalen Parallelwelt, in der vieles anders ist als in der Wirklichkeit, aber eben vieles auch genauso: Es gibt die Höhenflüge und die Abgründe der Menschheit.

          Müssten soziale Netzwerke für ihre Inhalte belangt werden?

          Das Vorbildliche, das Niederträchtige. Beides ist einfach da, weltweit abrufbar, ein Sein ohne Gut und Böse, Richtig und Falsch. Das Netz, dieser Ort des erbarmungslosen Relativismus, ist der große Gleichmacher zwischen Wahrheit und Lüge, Edelmut und Verbrechertum.

          In den Vereinigten Staaten sind digitale Plattformen durch eine starke gesetzliche Grundlage geschützt, die Section 230 des Communications Decency Act, kurz CDA. Sie bewahrt die führenden Online-Konzerne der Welt davor, für Rechtsverstöße ihrer Nutzer zur Verantwortung gezogen zu werden.

          Dienste wie Youtube, Vimeo, Facebook, Twitter, Snapchat, Whatsapp werden damit fast so behandelt wie ein Telefonunternehmen, das nicht dafür belangt werden kann, wenn sich Anrufer über seine Leitungen zum Mord verabreden. Allerdings sind diese Grundsätze schon vielfach durchbrochen: Youtube etwa filtert blitzschnell urheberrechtlich Geschütztes, um nicht von Hollywood-Studios verklagt zu werden. Pornographie wird wirksam verbannt.

          Weitere Themen

          Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus Video-Seite öffnen

          Künftige Justizministerin : Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus

          Der „unfassbare Mord“ an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zeige, dass die Verteidigung des Rechtsstaates aktueller denn je sei, sagte die SPD-Politikerin Christine Lambrecht, die von der Parteiführung als kommende Justizministerin vorgestellt wurde.

          Der Kampf gegen die Braunkohle Video-Seite öffnen

          Aktivisten von „Ende Gelände“ : Der Kampf gegen die Braunkohle

          Im rheinischen Braunkohlerevier stehen die Zeichen dieser Tage auf Protest. Aktivisten der Initiative „Ende Gelände“ haben zu verschiedenen Protestaktionen aufgerufen. Nun hat sich auch die Schülerbewegung „Fridays for Future“ mit „Ende Gelände“ solidarisiert.

          Topmeldungen

          Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister.

          Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

          Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.
          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.