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Merkel und Macron : Die zwei von der Baustelle

Verstehen sich: Merkel und Macron am vergangenen Donnerstag in Berlin. Bild: dpa

Die Regierungen in Paris und Berlin haben eigene Vorstellungen für Europas Zukunft. Bei den Finanzen kommen Merkel und Macron kaum voran – auf anderen Feldern schon. Einen Staatsempfang bei Donald Trump bekommt aber nur einer von beiden.

          7 Min.

          Der Ort, an dem sich Angela Merkel und Emmanuel Macron, der an diesem Montag in Washington von Amerikas Präsidenten Donald Trump empfangen wird, am Donnerstag trafen, war gut gewählt: eine Baustelle. Mitten in Berlin wird das Stadtschloss wieder aufgebaut, ein Riesenprojekt. Wenn es im nächsten Jahr fertig ist, zieht dort das Humboldt-Forum ein. Man kann dann besichtigen, was Alexander von Humboldt und andere von ihren Reisen in ferne Länder mitgebracht haben. Aber noch ist davon nichts zu sehen, es wird geschraubt und gehämmert, überall liegt Staub herum. So ähnlich ist es in den deutsch-französischen Beziehungen auch. Beide Seiten arbeiten mit Hochdruck an gemeinsamen Positionen für Europas Zukunft. Bis Ende Juni sollen die Fundamente stehen. Das Ziel ist ehrgeizig, denn während der langen Koalitionsverhandlungen mussten die Arbeiten ruhen.

          Thomas Gutschker
          (T.G.), Politik

          Stadtschloss und Humboldt-Forum entstehen nach fertigen Plänen – für Europa gibt es die nicht. Die Regierungen in Paris und Berlin haben jeweils eigene Vorstellungen, und selbst wenn sie sich einig werden, sind da noch 27 andere Mitgliedstaaten. Zunächst müssen sich erst einmal die Koalitionspartner in Berlin einig werden, und das ist keineswegs mit dem Koalitionsvertrag erledigt, wie sich nun zeigt. Das Europa-Kapitel hatten die Parteivorsitzenden persönlich verhandelt: Merkel, Seehofer und Schulz. Für Schulz war das besonders wichtig, mehrere Passagen tragen seine Handschrift. Er wollte die SPD davon überzeugen, dass es doch nötig sei, in die ungeliebte große Koalition einzutreten: Europa retten, Macron helfen. Gleichzeitig musste er seine eigene Kehrtwende kaschieren. Denn als Jamaika gescheitert war, hatte Schulz seine Partei zunächst zu Neuwahlen gedrängt.

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