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Badeunfälle mit Kindern : Herumdaddeln lenkt Eltern von Aufsichtspflicht ab

  • -Aktualisiert am

Zwei Kinder, eine Luftmatratze, viel Wasser und keine Eltern in Sicht: Erwachsene verbringen immer häufiger ihre Zeit am Handy, anstatt auf ihre Kinder aufzupassen. Bild: dpa

Die Kleinen baden im Wasser. Die Eltern hängen an ihren Smartphones. In den letzten Jahren riskieren immer mehr Erwachsene das Leben ihrer Kinder – weil sie auf dem Handy nichts verpassen wollen.

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          Am Rande des Planschbeckens sitzt eine junge Frau. Ihre braungebrannten Beine baumeln im knietiefen Wasser. Die Sonne knallt, es ist einer der heißen Tage im August. Ihr rechter Arm, der mit Blumen und Blättern tätowiert ist, hält ein Handy. So sitzt sie da für einige Minuten. „Ich habe nur ge-whatsapp-t“, sagt sie und zeigt ihr Handydisplay, auf dem grüne und weiße Nachrichtenkästchen zu sehen sind. „Ich bin mit meiner Tochter hier“, sagt sie. Aber es ist kein Kind in der Nähe. „Sie ist dahinten.“ Am gegenüberliegenden Beckenrand, etwa zehn Meter entfernt, sitzt ein dreijähriges Mädchen auf einem Spiel-Elefant. Die Mutter sagt, normalerweise würde sie das Handy nicht mit ans Becken nehmen. Sie habe aber eben schon die Wertsachen aus dem Schließfach geholt, und weil die Tochter noch mal ins Wasser wollte, habe sie das Handy mitgenommen.

          Badeunfälle mit Kindern nehmen zu. In diesem Jahr sind schon mindestens zwanzig Kinder ertrunken, die unter zehn Jahre alt waren. Der Hamburger Schwimmbadbetreiber „Bäderland“ verzeichnete allein im Juli vier Fälle, in denen Kinder zwischen drei und sieben Jahren wiederbelebt werden mussten. Im vergangenen Jahr ist so etwas überhaupt nicht passiert. Alle diese aktuellen Fälle ereigneten sich im Nichtschwimmerbereich, wo das Wasser nur etwa einen Meter tief ist. In zwei Fällen waren die Mütter mit dem Smartphone beschäftigt, keines der Kinder trug Schwimmflügel oder andere Schwimmhilfen. Doch kleine Kinder ertrinken auch im flachen Wasser. Der Schwerpunkt ihres Körpers liegt anders als bei Erwachsenen, ihr Kopf ist schwerer als ihre Gliedmaßen. Wenn ein Kind im Wasser hinfällt, kann es passieren, dass es nicht wieder hochkommt.

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