https://www.faz.net/-gpf-a0abo

Abgekartetes Spiel? : Wie Trump Polizeigewalt rechtfertigt

Der Demonstrant Martin Gugino liegt blutend am Boden. Bild: AFP

Das Video ging um die Welt: Ein Polizist stößt in Buffalo einen alten Demonstranten zu Boden. Tage später schaltet sich der Präsident ein. Er stempelt das Opfer zum Antifa-Spion – ohne Belege.

          4 Min.

          „Beweg Dich“ und „Geh weg“, rufen die Polizisten einem Demonstranten zu, der langsam auf sie zugeht. Kurz darauf liegt der 75-Jährige blutend am Boden. Der Vorfall in Buffalo im Bundesstaat New York vom Donnerstag wurde umgehend auf Twitter verbreitet, als nächster Beleg für übermäßige Polizeigewalt. Eine neue Dimension bekam er nun durch einen Tweet von Donald Trump. Der Präsident überzog den Rentner, der jetzt im Krankenhaus liegt, am Dienstag mit unbelegten Anschuldigungen.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Dieser Mann heißt Martin Gugino. Er hatte an einer Demonstration gegen Polizeigewalt teilgenommen. Auf dem Video eines lokalen öffentlichen Rundfunksenders ist zu sehen, wie Gugino einer Gruppe von mehr als einem Dutzend Polizisten entgegen geht. Die Polizisten tragen Helme, halten Schlagstöcke in den Händen und rücken immer näher. Doch Gugino bleibt stehen und gestikuliert, anscheinend will er mit zwei Polizisten diskutieren. Warum er mit seiner rechten Hand, in der er offenbar ein Mobiltelefon hält, einmal in Richtung des Gürtels eines der beiden Polizisten langt, bleibt unklar. Ein Dritter Beamter kommt hinzu, und mindestens einer der Polizisten stößt Gugino mit der Hand gegen die Brust, der verliert das Gleichgewicht, fällt rücklings auf den Boden, der Aufschlag ist deutlich zu hören, und bleibt regungslos liegen.

          Ein Polizist will sich zu Gugino herunterbeugen, wird jedoch sofort von einem anderen weitergeschoben. Gut zu sehen ist in dem Video, wie Guginos Finger der rechten Hand langsam die Spannung verlieren und ihm sein Handy entgleitet. Offenbar hat der Mann das Bewusstsein verloren. „Er blutet“, ruft jemand, „er blutet aus dem Ohr.“ Es ist zu sehen, wie sich eine Blutpfütze auf dem Gehweg sammelt, bevor eine Polizistin den Kameramann abdrängt. Gugino wird schließlich ins Krankenhaus gebracht und auf der Intensivstation behandelt. Die Polizei behauptet zunächst, Gugino sei bei dem Einsatz „gestolpert und gefallen“.

          Hunderte ähnliche oder drastischere Vorfälle ereigneten sich in den vergangenen zwei Wochen auch bei anderen Demonstrationen gegen Polizeigewalt, wie sie seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis im ganzen Land stattfinden. Bemerkenswert ist jedoch, wie Präsident Trump darauf reagiert hat.

          Trump, der bislang noch keine tröstenden Worte für die oft unter Polizeigewalt und Rassismus leidende schwarze Minderheit gefunden hat, spekulierte am Dienstag via Twitter, dass Gugino ein Provokateur der Antifa sein könnte, der versuchte, die Polizeikommunikation abzufangen und die Ausrüstung des Beamten zu zerstören. Er habe sich das angesehen, schrieb Trump, und Gugino sei „härter gefallen, als er geschubst wurde“. Er habe es auf das Funkgerät abgesehen gehabt, und es könne ein abgekartetes Spiel gewesen sein. Den Tweet setze Trump wenige Stunden vor Floyds Beerdigung ab.

          Weitere Themen

          „Hohe psychische Belastung für Erzieher“ Video-Seite öffnen

          Kitas fordern Impfpriorität : „Hohe psychische Belastung für Erzieher“

          Ein Berliner Kita-Leiter erklärt, die psychische Belastung für Erzieher und Erzieherinnen nehme zu, da der zwischenmenschliche Kontakt für Kinder wichtig sei, aber in der Pandemie mit vielen Risiken verbunden ist. Daher hofft er auf bevorzugte Impfungen in diesem Bereich.

          Topmeldungen

          Vor dem Krisengipfel : Ruf nach echtem Lockdown wird lauter

          Vor dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten mehren sich Forderungen nach härteren Maßnahmen. Gesundheitsminister Jens Spahn spricht angesichts der neuen Virus-Varianten von „besorgniserregenden Meldungen“.
          Trumps Amtszeit endet am Mittwoch, das Bild zeigt ihn im Juni 2020 während er die Air Force One betritt.

          Vor der Amtsübergabe : Wer auf Trumps Begnadigung hofft

          Der amerikanische Präsident plant zum Abschied eine Reihe von ungewöhnlichen Gnadenakten. Die „New York Times“ berichtet nun von Versuchen interessierter Kreise, sich eine Begnadigung von Donald Trump zu kaufen.
          Armin Laschet im September 2018 ungefähr 1200 Meter unter Tage in der Steinkohlenzeche Prosper Haniel in Bottrop.

          Neuer CDU-Vorsitzender : Der Wirtschaftspolitiker Armin Laschet

          Weniger Bürokratie, nicht „halb grün“, europäische Champions: Wofür der neue CDU-Chef wirtschaftspolitisch steht, hat er als Ministerpräsident schon in wichtigen Einzelfällen gezeigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.