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FAZ.NET-Countdown : Lümmel gegen Schulz

  • -Aktualisiert am

Ziemlich schlechte Freunde: Martin Schulz und der Juso-Chef Kevin Kühnert Bild: dpa

Nach einer sehr zähen Woche steht den armen Sozialdemokraten eine noch zähere bevor. Dass aber auch anderswo nicht alles Gold ist, was glänzt, steht im FAZ.NET-Countdown.

          Ach, die Briten haben's gut. Seit 65 Jahren hat sich in ihrer Chefetage nichts geändert. Und trotz dieser Stabilität ist ihre Queen noch immer für Überraschungen gut. Aus Anlass des 65. Jahrestages ihrer Krönung hat sie eines ihrer seltenen Interviews gegeben. Eine der süßesten Anekdoten: Als Mädchen dachte sie, bei der Inthronisation ihres Vaters sei ein „Wundernebel“ versprüht worden. Es rührt unser Herz.

          Da, wo die Adels-Ersatzfiguren unserer schnöden Republik herkommen – in der Uckermark und in Würselen – gibt es diesen „Wundernebel“ übrigens das ganze Jahr über. Nur lernen die Kinder dort schnell, dass es kein Wunder ist, wenn es grau und diesig ist.

          Ohnehin ist das Leben unserer Eliten gerade alles andere als glamourös. Von Donnerstag auf Freitag musste die künftige Koalition eine schier endlose Thermoskannen-Kaffee-Nacht im Willy-Brandt-Haus hinter sich bringen. Und was ist der Dank dafür?

          Martin Schulz dürfte nicht einmal richtig ausgeschlafen haben, da ging der Ärger erst richtig los. Dabei reicht es nicht, dass die Lümmel von den Jusos weiterhin meinen, dass die SPD nur in eine große Koalition gehen sollten, wenn sie dort jungsozialistische Inhalte durchdrücken kann. Nein, jetzt meinen in Sachsen-Anhalt selbst die erwachsenen Genossen, dass die Groko keine gute Idee ist. Für alle Geografie-Muffel: Sachsen-Anhalt liegt grob gesagt im Dreieck zwischen Hannover, Berlin und Leipzig. Wenn dort ein neuer Landtag gewählt wird, strahlt das Erste Programm die „Lindenstraße“ trotzdem zur üblichen Zeit aus, denn die Sondersendung fällt kurz aus.

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          Heißt also: Es gibt noch wichtigere Regionen für die SPD. Deshalb wird diese Woche im Zeichen des Tingelns stehen. Ober-Juso Kevin Kühnert hat gleich eine „No-Groko-Tour“ angekündigt, um gegen die Beteiligung der SPD zu mobilisieren. Schulz seinerseits reist ebenfalls durchs Land. Heute Abend stattet er den Parteifreunden in Westfalen einen Besuch ab. Aus der Herzkammer der SPD wird gut ein Viertel der Delegierten stammen, die nächstes Wochenende über das Sondierungsergebnis abstimmen dürfen. Der Kampf – so sieht es aus – hat erst begonnen, der Ausgang ist ungewiss. Und dass führende SPD-Politiker schon jetzt Nachbesserungen am gerade erst gefundenen Kompromiss mit der Union fordern, ist sicherlich kein Zeichen der Stärke, sondern eher „Angst vor der Basis“, wie mein Kollege Günter Bannas kommentiert.

          Und was macht Trump?

          Gut, kann man einwerfen. Besser keine Regierung als eine, deren Chef ein egomanischer Immobilien-Milliardär ist. Das zeigt ein Blick auf Donald Trumps Leistungsnachweis des Wochenendes für eilige Leser:

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          Trumps Anwalt soll einer Porno-Darstellerin Geld gezahlt haben, damit sie über eine Affäre mit dem jetzigen Präsidenten schweigt

          Trump weigert sich, die neue amerikanische Botschaft in London zu eröffnen

          Und auch auf der Insel verzückt nur die oberste Führungsebene die Herzen. Weit darunter bietet sich ein trauriges Bild. Großbritannien hat bekanntlich die Rechtsaußen-Partei Ukip, und die hat einen Vorsitzenden, der eine Freundin hat. Und die wiederum hat offenbar verquere, wenn nicht gar rassistische Ansichten über den künftigen Einfluss von Meghan Markle auf das britische Königshaus. Welche genau? Hier steht's.

          Und wo wir schon mal dabei sind: Das Gesundheitssystem auf der Insel ist auch eine Katastrophe, schreibt mein Kollege Marcus Theurer.

          So geht uns Deutschen zwar der royale Glanz ab, aber ganz so schlimm ist es hier dann doch nicht. Und wenn Angela Merkel erst einmal 65 Jahre im Amt ist, plaudert sie vielleicht auch etwas Putziges aus ihrer Kindheit aus. Dann vermutlich als Chefin einer sehr kleinen Koalition. Mit der SPD.

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