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Jasper von Altenbockum (kum.)

Fachkräftemangel : Die FDP macht Dampf

Stellenausschreibung in Mecklenburg-Vorpommern Bild: dpa

Auch das wäre eine konzertierte Aktion wert: Deutschland muss seinen Fachkräftemangel in den Griff bekommen. Die FDP drückt der Koalition ihren Stempel auf.

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          Das ist eine konzertierte Aktion besonderer Art: Am Tag des Gipfeltreffens von Politik, Ar­beitgebern und Gewerkschaften legt die FDP den Finger in eine Wunde, die immer größer wird. Wie so viele ihrer Vorgänger versucht auch die Ampelkoalition, die Migration so zu lenken, dass sie den Fachkräftemangel lindert. Mit galoppierender Inflation mag das direkt nichts zu tun haben, indirekt, wegen der Engpässe und Verwerfungen am Arbeitsmarkt, aber schon.

          Sehr erfolgreich war Deutschland bisher nicht. Nur etwa jeder zehnte Aufenthaltstitel ist erwerbsbezogen. Da Einwanderung nicht der Zusatzbelastung, sondern der Stabilisierung der Sozialsysteme dienen sollte, ist das ein Offenbarungseid.

          Die FDP, die dem Koalitionsvertrag in dieser Hinsicht ihren Stempel aufdrücken konnte, will nun Dampf ma­chen. Die „Blue Card“ soll für neue Berufsgruppen erweitert und durch eine „Chancenkarte“ ergänzt werden. Die FDP erhofft sich damit Anziehungskraft auch für solche qualifizierten Einwanderer, die nicht mit einem festen Jobangebot nach Deutschland kommen, sondern sich erst hier auf Ar­beitssuche machen.

          Englisch als zweite Verwaltungssprache?

          Bislang ließen deutsche Politiker die Finger davon, weil schon genug arbeitssuchende Mi­granten über andere Kanäle nach Deutschland kamen. Die immer weiter steigende Nachfrage nach Arbeitskräften bei Fast-Vollbeschäftigung legen auch hier ein Umdenken nahe. Von der Ampel ist aber leider nicht zu erwarten, dass sie die beiden „Spuren“ der Einwanderung, Asylsuche und Ar­beitsmigration, sorgsam trennt.

          Die FDP sieht auch in der Sprache ein Hindernis. Behörden sollen nach ihren Vorstellungen nicht nur auf Deutsch an Einwanderer herantreten, sondern auch auf Englisch. Das ist vernünftig (und vielerorts schon Alltag), solange es qualifizierte Einwanderung anzieht.

          „Sprache ist der Schlüssel für eine gelungene Integration“, hieß es dazu aus der FDP, die offenbar hofft, dass Integration mit Englisch beginnt, um mit Deutsch zu enden. Das wäre sehr zu wünschen, auch wenn es dazu noch etliche konzertierte Aktionen bräuchte.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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