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Druck auf indische Christen : „Heute zerbrechen sie Statuen, morgen zerbrechen sie die Köpfe“

Im indischen Bangalore demonstrierten im Dezember 2021 christliche Frauen gegen ein geplantes Anti-Konversions-Gesetz. Bild: EPA

Für Christen und Muslime wird die Situation in Indien immer härter. Hinduextremisten randalieren in Kirchen, stören Gottesdienste. Strafen müssen die Täter kaum fürchten.

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          Dafür, dass sie laut Polizei betrunken gewesen sein sollen, gingen die beiden Männer ziemlich zielgerichtet vor. Eine Überwachungskamera nahm auf, wie sie in der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtstag mit dem Motorroller vor die Kirche in Ambala fuhren und über ein Eisentor sprangen. Nachdem die Männer das katholische Gotteshaus in dem nordindischen Bundesstaat Haryana verschlossen fanden, begannen sie, Lampen und andere Gegenstände auf dem Kirchengelände zu zerstören. Die randalierenden Männer urinierten sogar vor die Kirchentür. Und sie stürzten eine etwa hundert Jahre alte lebensgroße Jesus-Statue von ihrem Sockel.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Als Kirchenmitarbeiter am nächsten Tag zu der Kirche kamen, lag die Statue in Dutzende Teile zerbrochen auf dem Boden. Ein paar Tage später verhaftete die Polizei zwei Verdächtige, berichtet der Pfarrer Patras Mundu im Gespräch mit der F.A.Z. aus Ambala. Der Pfarrer glaubt nicht, dass es sich bloß um die Tat betrunkener Vandalen gehandelt hat. „Die Polizei weiß ganz genau, dass jemand dahintersteckt. Doch sie versucht, dies zu vertuschen“, sagt er. Auf den Aufnahmen der Überwachungskamera sei zu sehen, dass sich die Männer am Telefon mit jemandem absprachen und sich gegenseitig filmten. Der Pfarrer sieht die Attacke deshalb im Zusammenhang mit eine Reihe von Angriffen auf Christen in Indien in den vergangenen Wochen und Monaten. Er selbst habe von acht Attacken allein am Weihnachtstag gehört. „Es passiert überall in Indien“, sagt Mundu.

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