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Umfragen in Amerika : Wie beliebt ist Trump wirklich?

  • -Aktualisiert am

Beliebter als gedacht? Donald Trump auf einer Veranstaltung in Melbourne, Florida im Februar. Bild: AFP

Wenn es um die Popularität des amerikanischen Präsidenten Donald Trump geht, könnten die Ergebnisse amerikanischer Meinungsforscher nicht unterschiedlicher sein. Das hat mehrere Gründe.

          Kaum ein Tag vergeht, ohne dass der amerikanische Präsident Donald Trump Stoff für Satiriker bietet. Seine Andeutung, dass in Schweden ein islamistischer Terroranschlag wie in Nizza und Paris stattgefunden habe, sorgte erst kürzlich weltweit für Spott. Auf den ersten Blick scheinen die ständigen Skandale und Entgleisungen seiner Popularität auch tatsächlich zu schaden. Zumindest sind viele  Meinungsumfragen verheerend: Laut mehrerer Erhebungen amerikanischer Institute ist Trump so unbeliebt wie keiner seiner Amtsvorgänger. 

          Schon kurz nach seiner Vereidigung bescheinigte ihm das Meinungsforschungsinstitut Gallup einen historisch schlechten Wert: Demnach waren nur 45 Prozent der Amerikaner mit Donald Trumps ersten drei Tagen im Amt zufrieden. Kein anderer amerikanischer Präsident blieb jemals unter der 50-Prozent-Marke. Die Umfrage wird seit 1953 durchgeführt, als Dwight D. Eisenhower zum 34. Präsidenten vereidigt worden war. Weitere 45 Prozent der Befragten missbilligten Trumps erste politische Entscheidungen. Auch das gab es noch nie zuvor. Nur Ronald Reagan und George Bush waren in den Anfängen ihrer Amtszeit ähnlich unpopulär. Reagan kam 1981 und Bush 1989 lediglich auf 51 Prozent Zustimmung.

          Zwei Wochen nach seinem Amtseintritt zeichnen Erhebungen ein ähnlich desaströses Bild: So kommt Trump etwa in der Umfrage von CBS auf nur 40 Prozent. Das sei der schlechteste Wert, der je zu diesem Zeitpunkt der Amtszeit gemessen wurde, teilte der Fernsehsender mit. CNN ermittelte einen Zustimmungswert von 44 Prozent. Barack Obama hatte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit Popularitätswerte von über 60 Prozent erreicht.

          Eine Erhebung der Universität Quinnipac in Conneticut zeigt außerdem, dass die Bürger offenbar den Medien mehr vertrauen als dem amerikanischen Präsidenten – trotz dessen permanenter Versuche, die Arbeit der Medien zu diskreditieren. 52 Prozent der Befragten votierten für die Aussage, dass die Medien wahrheitsgetreu berichten. 37 Prozent sagen dies über  Trump. Dessen Angriffe gegen die vermeintliche „Lügenpresse“ sehen die Wähler kritisch: 61 Prozent halten sie für nicht angemessen, 35 Prozent dagegen schon. Allerdings sind der Umfrage zufolge auch 50 Prozent der Amerikaner nicht damit einverstanden, wie Trump in den Medien dargestellt wurde; 45 Prozent halten die Berichterstattung über den Präsidenten hingegen für angemessen.

          Die Mehrheit der Befragten wirft dem Republikaner vor, unehrlich und unvernünftig zu sein, keine Führungsqualitäten zu besitzen und nicht ihre moralischen Werte zu vertreten. Tim Malloy von der Quinnipac-Universität zieht daher eine negative Bilanz von Trumps ersten vier Wochen im Amt: „Die Popularität von Donald Trump ist im freien Fall", sagt er. Ein eindeutiger Stimmungswandel?

          In anonymen Umfragen ist Trumps Politik populär

          Mitnichten, zumindest wenn man eine weitere Umfrage der Meinungsforscher von IBD/TIPP heranzieht. Demnach seien 50 Prozent der amerikanischen Bürger der Meinung, dass sich ihr Land unter Präsident Donald Trump positiv entwickele. Die Forscher schreiben, dass sich die Amerikaner seit fast zwölf Jahren nicht mehr so zuversichtlich über die Zukunft ihres Landes geäußert hätten.

          Wie kann es sein, dass die amerikanischen Meinungsforschungsinstitute bei der Popularität des Präsidenten zu solch unterschiedlichen Resultaten kommen? Der Umfrageanalyst Steven Shepard warnte bereits im amerikanischen Magazin „Politico“ davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Die Ergebnisse der Umfragen seien maßgeblich von den Befragungsmethoden abhängig.

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