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Wenn Geheimdienste patzen : Spektakuläre Mordfälle

Die Kathedrale von Salisbury im morgendlichen Nebel: In der südenglischen Stadt wurde der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal Opfer eines Nervengift-Anschlags. Bild: Getty

Spione töten geheim – eigentlich. Denn manchmal kommen ihnen die Ermittler auf die Schliche und decken Geheimdienstoperationen auf, die gründlich schief gelaufen sind.

          Manchmal sind Morde Politik. Geheimdienste schicken ihre Agenten los, um unliebsame Widersacher aus dem Feld zu räumen. Nicht alle Nachrichtendienste tun das; den meisten reicht es, Informationen zu sammeln. Doch einige töten: aus Rache, Angst vor Machtverlust oder aus Prinzip. Nur selten können die Morde aufgeklärt werden, denn Geheimdienste bestätigen nicht und dementieren nicht. Geheimdienste schweigen.

          Livia Gerster

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In Großbritannien liegt gerade der ehemalige russische Spion Sergej Skripal im Koma: Nervengift. Der Oberst des russischen Militärnachrichtendienstes GRU hatte den Briten in den neunziger Jahren die Namen russischer Agenten im Land verraten. Dafür sollen sie ihm hunderttausend Dollar bezahlt haben. Der Russe wurde zum Doppelagenten. Doch Moskau entlarvte und verurteilte den Überläufer. Dreizehn Jahre sollte er ins Gefängnis.

          Nach vier Jahren begnadigte ihn der damalige russische Präsident Medwedjew und ließ ihn gegen gefangene russische Spione austauschen. Putin sagte im Fernsehen: „Die Verräter werden ins Gras beißen. Vertrauen Sie mir. Diese Leute haben ihre Freunde betrogen, ihre Waffenbrüder. Was auch immer sie dafür bekommen haben, an diesen dreißig Silberstücken, die man ihnen gab, werden sie ersticken.“ Das war vor acht Jahren. Seitdem lebte Skripal ruhig und zurückgezogen in einem Ziegelsteinhaus im südenglischen Salisbury. Ab und zu ging er Krakauer Würstchen kaufen oder Lottoscheine. Auch im Pub war er öfter.

          So auch am vergangenen Sonntag, gemeinsam mit seiner Tochter. Vom Pub wechselten sie in ein italienisches Restaurant. Kurz darauf saßen sie auf einer Parkbank. Passanten wunderten sich, riefen schließlich den Notarzt: Der Mann auf der Bank gestikulierte mit starrem Blick in den Himmel, die Frau lehnte bewusstlos an seiner Schulter. Nun ringen beide im Krankenhaus mit dem Tod.

          Polizeiprotokoll am Totenbett

          Der britische Außenminister erinnerte sofort an Alexander Litwinenko. Auch er war ein ehemaliger russischer Geheimdienstler und MI6-Überläufer, auch er wurde in Großbritannien vergiftet. Vor elf Jahren hatte er seine Mörder im noblen Londoner Millennium-Hotel getroffen. Im schon fast kalten Tee, der bei seinem Eintreffen auf dem Bar-Tisch stand, war Polonium. Das ist radioaktiv. Zwei Tage später kam Litwinenko ins Krankenhaus, alles deutete auf eine Vergiftung hin: Übelkeit, Erbrechen, Atemnot.

          Auf dem Totenbett gab er seine letzten Wege zu Protokoll. Die Ermittler verfolgten die Spur zurück: Sie maßen die Radioaktivität in der Teekanne, an Lichtschaltern und Flugzeugsitzen. Die Spur führte nach Moskau, zu zwei ehemaligen KGB-Agenten. Der britische Untersuchungsrichter kam zu dem Schluss, dass der Mord vom russischen Geheimdienst in Auftrag gegeben worden war – wahrscheinlich mit Putins Billigung. Die Briten forderten die Auslieferung des mutmaßlichen Mörders. Doch der saß in der Duma und sitzt dort immer noch.

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