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Ostukraine : „Wenn der Russe Frieden sagt, meint er Krieg“

  • -Aktualisiert am

Ein Konvoi ukrainischer Soldaten am Samstag auf dem Weg nach Debaltseve im Osten des Landes Bild: AFP

Seit Tagen steht das ostukrainische Debalzewe unter dem Beschuss der Rebellen. Nach dem Gipfel von Minsk sollen die Gefechte noch zugenommen haben. Im nahegelegenen Artemiwsk kümmern sich Helfer um die Verletzten. Unsere Reporterin berichtet aus der umkämpften Region.

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          Was genau in dem Örtchen Debalzewe vor sich geht, ist auch im gut 50 Kilometer entfernten Artemiwsk Stunden vor dem Beginn des Waffenstillstands nicht zu erfahren. Die Separatisten behaupten, in Debalzewe mehrere Tausend ukrainische Soldaten eingeschlossen zu haben. Das ukrainische Militär gibt an, es habe noch Zugang über Feldwege. Seit dem Abkommen von Minsk sollen die Gefechte zugenommen haben.

          Schlimm muss es dort sein, sagt Oleg Wojzechowskij nur.  Der 40 Jahre alte Mann aus dem westukrainischen Lemberg ist vor drei Monaten als Freiwilliger auf Seiten der Ukraine in den Kampf gezogen und hat sich der Nationalgarde angeschlossen. In Artemiwsk organisiert er eine Art Umschlagplatz für verletzte Kämpfer. Im Gebäude einer ehemaligen Klinik haben sie 30 Betten eingerichtet. Länger als 7 Stunden soll dort allerdings kein Verletzter bleiben, bevor er in die Großstadt Charkiw transportiert wird. Für Schwerverletzte fliegt ein Hubschrauber.

          Keine Illusionen über Waffenstillstand

          In den vergangenen Tagen seien trotz der Nachrichten über schwere Kämpfe weniger ukrainische Soldaten aus Debalzewe gebracht worden, berichtet Wojzechowskij. Die Landstraße, die zu dem Ort mit ehemals 25.000 Einwohnern führt, ist von Panzern aufgerissen.  Nach Angaben von Wojzechowskij wird sie zurzeit ständig von Separatisten beschossen. Einen geschlossenen Kessel gebe es jedoch nicht. Semen Sementschenko, der  Kommandeur des Freiwilligenbataillons „Donbass“, hatte am Freitag in einem Eintrag bei Facebook berichtet, dass die Truppen in Debalzewe Schwierigkeiten hätten, die Verletzten herauszubringen.

          Über den Waffenstillstand, der um Mitternacht in Kraft treten soll, macht sich Wojzechowskij - wie wohl die meisten in Artemiwsk - keine Illusionen. „Wenn der Russe Frieden sagt, meint er Krieg“, sagt der Nationalgardist am Samstagabend. Kurz zuvor waren am Stadtrand von Artemiwsk Raketen eingeschlagen, zwei Häuser gerieten in Brand. Woher der Angriff kam, konnten die Anwohner nicht sagen. Manche verdächtigten die Separatisten nahe Debalzewe, manche auch die ukrainischen Kräfte in der Nähe. Am frühen Freitagabend waren in Artemiwsk ein sieben Jahre alter Junge und eine Frau getötet worden. Raketen waren nahe einem Kindergarten und einem Schulgebäude eingeschlagen.

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